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Chatuna: So läuft eine jüdische Hochzeit ab

von Inga Back Veröffentlicht am 28. Januar 2011

In Deutschland gibt es über 100 jüdische Gemeinden mit mehr als 105.000 Mitgliedern. Trotzdem wissen die wenigsten, wie eine jüdische Hochzeit abläuft.

Einzug in die Kirche, Eröffnungsgebet, Ringtausch, Fürbitten und Trauungssegen… So sieht für die meisten der Ablauf einer christlich kirchlichen Hochzeit aus. Aber wie sieht es eigentlich mit der jüdischen Hochzeit aus? Wie läuft eine jüdische Trauung genau ab? Welche Traditionen und Rituale gehören zu einer jüdischen Eheschließung? Und was für Unterlagen sind für eine jüdische Hochzeit nötig?

Erfahrt jetzt mehr über den Ablauf einer traditionellen jüdischen Hochzeit! Eines schon vorweg: Die Zahl Sieben spielt eine große Rolle, weil sie Vollkommenheit bedeutet (in Anspielung an die siebentägige Schöpfungsgeschichte).

1. Die Chuppa: Beide unter einem Dach

Die jüdische Hochzeit wird unter einem Baldachin (hebräisch: "Chuppa") vollzogen: häufig ein von vier Stangen gehaltenes Tuch, das das neue Familiendach symbolisiert. Hier wartet der Rabbiner. Er bittet erst den zukünftigen Ehemann ("Chatan"), dann die Familien und zuletzt die zukünftige Braut ("Kalla"), näher zu treten.

Bei der orthodoxen Zeremonie bleibt die Braut vor dem Trauhimmel stehen und wartet, bis der Bräutigam sie abholt, ihr den Schleier über das Gesicht legt und sie mit einer schützenden Geste unter das gemeinsame Dach führt. Manchmal wird die Braut auch von ihrem Vater sieben Mal um den Bräutigam herumgeführt, bevor sie sich an seine rechte Seite stellt.

2. Kiddusch und Ringwechsel

Der Rabbiner überreicht dem Brautpaar ein Glas Wein ("Kiddusch"), das es gemeinsam austrinkt. Dann steckt der Bräutigam seiner Frau einen Ring an den rechten Zeigefinger (!) und spricht die Trauformel: „Mit diesem Ring bist du mir angeheiligt nach dem Gesetz von Moses und Israel“.

3. Ketuba: Die Lesung des Ehevertrags

Der Rabbiner verliest in aramäischer Sprache öffentlich die Ketuba, den jüdischen Ehevertag, der die Pflichten des Ehemannes gegenüber seiner Frau enthält. Dazu gehört auch eine bestimmte Summe, die fällig wird, falls die Ehe geschieden wird oder der Mann stirbt.

Die Ketuba wird vom Bräutigam und zwei männlichen Trauzeugen unterschrieben und dann der Braut überreicht.

Der ursprünglich fortschrittliche Ehevertrag hat heutzutage nur noch eine symbolische Bedeutung und wird als religiöse Heiratsurkunde aufbewahrt.

Bei nichtorthodoxen Juden ist die Ketuba häufig auch in anderen Sprachen verfasst und dient den Partnern vor allem als feierliche Erklärung ihrer Liebe zueinander und ihrer gegenseitigen Versprechen und Verpflichtungen.

4. Schewa Berachot: die sieben Segenssprüche

Der Rabbiner nimmt zu einem zweiten Glas Wein die eigentliche Eheschließung ("Nissuin") vor, indem er sieben Segenssprüche ("Schewa Berachot") ausspricht, die von der Bedeutung des Zusammenhaltens und von der Gestaltung einer jüdischen Zukunft handeln.

5. Scherben bringen Glück

Nachdem der Bräutigam den Wein erneut mit seiner Frau geteilt hat, beendet er die Hochzeitszeremonie, indem er mit dem rechten Fuß ein Glas zerbricht. Für diesen Brauch gibt es mehrere Erklärungen.

Zum einen soll Lärm gemacht werden, da im Anschluss gefeiert wird; zum anderen soll damit gemahnt werden, dass das Leben nicht nur Freude beinhaltet.

Die Scherben erinnern an die Zerstörung des Tempels von Jerusalem und das nationale sowie spirituelle Schicksal des jüdischen Volkes. Die Gäste bejubeln das Zerbrechen des Glases und wünschen dem Brautpaar mit den Sprüchen "Masel Tov" und „Siman tov“ viel Glück.

6. Fastenbrechen und Feiern

Nach der Trauzeremonie finden ein Empfang und ein koscher zubereitetes Festmenü mit Musik und Tänzen statt. Das Brautpaar darf nun endlich essen, schließlich hat es am Hochzeitstag bis Mittag gefastet.

Die Feier wird im orthodoxen Ritus damit beendet, dass alle Gäste noch einmal mit einem Glas Wein in der Hand die sieben Segenssprüche und die Glückwünsche für das Brautpaar ("Masel Tov!") wiederholen.

7. Sieben Tage nach der Hochzeit

In den sieben Tagen nach der Hochzeit wird das junge Brautpaar in einigen Gemeinden von der Familie und von Freunden zum Essen eingeladen und das gemeinsame Mahl wird jeweils mit den sieben Segenssprüchen beendet.

Unterlagen für die jüdische Hochzeit

Braut und Bräutigam müssen beide jüdischen Glaubens sein und dem Rabbiner die folgende Dokumente übergeben:

  • Heiratsurkunde ("Ketuba") ihrer Eltern,
  • eine Ledigkeitsbescheinigung,
  • die standesamtliche Heiratsurkunde.

Ist der Ehevertrag der Eltern nicht vorhanden, kann die Zugehörigkeit zum Judentum auch mit anderen Dokumenten nachgewiesen werden (Konversionsurkunde, Gemeindemitgliedschaft...).

Es ist nicht möglich, in der Synagoge eine nicht-jüdische bzw. nicht zum jüdischen Glauben übergetretene Person zu heiraten.

Vor der jüdischen Hochzeit muss das Brautpaar erst standesamtlich heiraten, denn nach talmudischem Recht ist das „Recht das Landes“ ausschlaggebend.

Schon gewusst? 7 Fakten rund um die jüdische Hochzeit:


1. Am Vorabend der jüdischen Hochzeit nimmt die zukünftige Braut nach orthodoxem Brauch ein rituelles Tauchbad ("Mikve"), um sich körperlich und spirituell rein zu waschen. Sie übergibt dem Rabbiner anschließend ein Badezertifikat, damit er die jüdische Hochzeit vollziehen kann.

2. Ganz in Weiß: Für die traditionelle jüdische Hochzeit ist das Brautpaar ganz in Weiß gekleidet, der Farbe der Reinheit. Der Bräutigam trägt die traditionelle jüdische Kopfbedeckung ("Kippa") und legt sich auf Wunsch einen Gebetsmantel ("Tallit") über die Schultern.

3. Manchmal wird der Gebetsmantel auch von ledigen Freunden auf vier Stangen hochgehalten, um den Traubaldachin ("Chuppa") zu bilden. Damit wird gleichzeitig daran erinnert, dass das Volk Israel ursprünglich in Zelten gelebt hat.

4. Nicht-Juden dürfen an der religiösen Trauung teilnehmen. Die Männer müssen dafür allerdings die Kippa tragen (die traditionelle jüdische Kopfbedeckung).

5. Es gehört zu den ehelichen Pflichten des Mannes, seine Frau sexuell zu befriedigen.

6. Es ist ein jüdischer Hochzeitsbrauch, das Brautpaar auf Stühlen zu tragen.

7. Save the date: Die jüdische Hochzeit wird nie an einem Samstag (dem jüdischen Ruhetag: Sabbat) oder an einem anderen jüdischen Feiertag abgehalten. Viele Brautpaare heiraten an einem Dienstag, da dieser Schöpfungstag in der Bibel eine glückliche Zukunft verheißt ("Gott sah, dass es gut war.")

Weitere Informationen über die jüdische Hochzeit findet ihr auf der Webseite des Zentralrat der Juden in Deutschland

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