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Frollegen: Ist es wirklich so gefährlich, mit Kolleginnen befreundet zu sein?

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 11. August 2016
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Afterwork-Bier oder gemeinsam sporteln? Neuerdings sind Kollegen weit mehr, als nur zufällig in der gleichen Firma angestellt. Kann das gutgehen?

Man verbringt mehr Zeit mit den lieben Kollegen als mit jedem anderen Menschen in seinem Alltag. Oft sogar mehr Zeit als mit dem eigenen Kopfkissen. Vorausgesetzt man hat eine 40-Stunden Woche. Da ist es schwer immer die Rolle der perfekt distanzierten Kollegin zu spielen und die klugen Ratschläge der Eltern zu befolgen. "Erzähl nicht zu viel Privates", "Immer eine professionelle Distanz wahren" oder "Alkohol und Kollegen sind keine gute Idee". Und sowieso am besten "Privates und Berufliches immer schön trennen".

Sitzt man nämlich in einem modernen Unternehmen mit jungen Leuten, in dem kollektiv geduzt wird, dann ist das gar nicht so einfach. Schnell findet man einander nett, verbringt die Pause miteinander, durchsteht die ein oder andere kleine Krise zusammen, die einem auf der Arbeit schon mal passiert. Da ist der Schritt zum gemeinsamen Feierabendbier nicht mehr weit und schon sind die Grenzen von Kollegen und Freunden verwischt. Zack, heraus kommt der Frollege!

Freundschaften im Job haben einen ganz besonderen Charme. Man ist Mitstreiter in derselben Sache, Weggefährte, Leidensgenosse. Man kann gemeinsam schimpfen und gemeinsam Großes leisten, Erfolge feiern und einander in schwierigen Zeiten beistehen. Das hat allerdings auch zur Folge, dass nicht wenige dieser Freundschaften wieder im Sande verlaufen, sobald die Arbeit nicht mehr der gemeinsame Nenner ist und man beruflich andere Wege einschlägt. Das ist nicht schlimm - das ist einfach so. Und jede Freundschaft, die den Job doch überdauert, ist dann umso erfreulicher.

Wann wird es kompliziert?

Dass der freundschaftliche Umgang mit den Kollegen aber auch problematisch werden kann, liegt leider an den äußeren Umständen. Schließlich ist man in einem Arbeitsverhältnis, und wenn es hart auf hart kommt, ist man ein kleiner Angestellter, der dem Chef mehr Rechte und mehr Loyalität zugestehen muss als der netten Kollegin, die einem morgens einen Kaffee mitbringt. Im Zweifelsfall kann es somit kompliziert werden.

Sei es, weil man seine eigentliche Meinung als Profi und Fachfrau unter den Tisch fallen lässt, um einer Kollegin aus der Patsche zu helfen oder dass man sich weniger intensiv um einen begehrten Posten bewirbt, weil das die befreundete Kollegin eben auch getan hat. Oder man ist dem Kollegen in der Firmenhierarchie überstellt und will nicht den Verdacht aufkommen lassen, dass man ihn bevorzugt.

​Hier muss man wirklich abwägen. Gute Freunde sind Gold wert - ohne Frage. Wenn ein Kollege solch ein guter Freund geworden ist, dann sollte man nach seinem Gewissen handeln - und die Freundschaft auch mal höher werten als immer nur die Karriere. Dennoch sollte man versuchen im Job sachlich und objektiv zu bleiben, auch wenn das mit lauter Frollegen nicht immer einfach ist.

Besser ohne Handbremse durchs Leben

Trotz aller "Vorsichts" und "Achtungs", die man gemeinhin zum Thema Frollegen liest, plädieren wir dafür, sich mit seinen netten Kollegen anzufreunden. Egal wie viele Tücken und Gefahren da lauern. Warum? Nun, im Sinne einer vernünftigen Work-Life-Balance und in Anbetracht der Tatsache, wie viel Zeit wir auf der Arbeit verbringen, sollten wir nicht mit angezogener Handbremse durch die Gegend laufen. ​Klar, birgt eine freundschaftliche Offenheit gerade unter weiblichen Kollegen einiges an Gefahrenpotenzial, aber in vielen Fällen geht es um sehr nette Menschen. Und da lohnt sich das Risiko eben doch.

​Und: Ein guter Draht zu den Kollegen bedeutet noch lange nicht, dass man seinen Job nicht ernst nimmt und keine beruflichen Ambitionen hat. Nicht nur unbequeme Rivalen, an denen man sich reibt und misst, bringen einen beruflich voran. Auch eine sympatische Kollegin, mit der man befreundet ist, kann einen zu Höherem beflügeln und anspornen. Ein netter Umgang untereinander und berufliche Karrierepläne schließen sich keineswegs aus. Und eine herzliche Atmosphäre hat noch keinem Unternehmen geschadet.

Letztlich ist es doch so: Man sollte im Idealfall einer Arbeit nachgehen, bei der man mit dem Herzen dabei ist, die einen glücklich oder zumindest zufrieden nach Hause gehen lässt und somit ist die Arbeit längst nicht mehr der Platz, an dem man sich sagt "Augen zu und durch". Da darf der Plausch mit den Kollegen schon mal privater ausfallen und die Gespräche eben auch. Denn wofür bitte leben wir, wenn wir den Großteil unserer Zeit eine Maske aufsetzen, nur um professionell rüberzukommen? Arbeit darf, nein, sie sollte heutzutage Spaß machen und so ein Arbeitstag eben auch. Da sind genau sie mit inbegriffen: die lieben Frollegen.

Auf der sicheren Seite mit ein bisschen Vorsicht

Dennoch - und auch das sollte hier nicht verschwiegen werden - weiß jede Frau, dass es unter Frauen nicht immer so entspannt zugeht, wie man sich das wünschen würde. Und genau aus diesem Grund, sind Frolleginnen etwas riskanter als so ein männlicher Frollege. Aber wer ein paar Regeln befolgt und nicht direkt mit Intimzonentalk à la sexuelle Vorlieben und Affären beim mittäglichen Kaffeeklatsch herausrückt, sondern sein Gegenüber erst einmal auf Herz und Nieren testet (wie man das eben bei guten Freunden auch tut), der sollte gut damit fahren. Man muss also nicht auf Abstand gehen, sobald es nett wird. Und: Kollegen sind doch letztlich auch nur Menschen...

von Fiona Rohde

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