Home / Job & Geld / Job & Karriere / Sexuelle Belästigung im Job: So solltest du dich verhalten

© Getty Images
Job & Geld

Sexuelle Belästigung im Job: So solltest du dich verhalten

Tanja Koch
von Tanja Koch Veröffentlicht am 16. Februar 2019
A-
A+

Bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz stellen sich Betroffenen einige Fragen: Übertreibe ich nur? An wen kann ich mich wenden? Was steht im Gesetz? Wir haben einen Experten um Antworten gebeten.

Ein anzüglicher Witz im Büro, ein Kniff in den Po auf der Weihnachtsfeier, ein Meeting zu später Stunde im Hotelzimmer - sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz hat viele Facetten. Eine Beschäftigtenumfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ergab, dass 17 Prozent der Frauen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben.

Bei der Frage nach konkreten einzelnen Situationen, geben sogar noch mehr Frauen derartige Erfahrungen an. "Ein Fünftel der Frauen haben beispielsweise unangemessene Fragen mit sexuellem Bezug zu ihrem Privatleben oder Aussehen gestellt bekommen. Rund ebenso viele berichten über unerwünschte körperliche Annäherungen", erklärt Bernhard Franke, Jurist und kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle.

Natürlich können auch Männer Opfer und Frauen Täter sexualisierter Gewalt sein. 97 bis 99 Prozent der Täter sind allerdings männlich.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: "Übertreibe ich nur?"

Offenbar fällt vielen Frauen schwer, zu bewerten, wo sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz anfängt und ob sie vielleicht "nur übertreiben". Dabei ist das im Gesetz ziemlich klar festgelegt. "Rechtlich gesehen liegt nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz eine sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz bei einem 'unerwünschten, sexuell bestimmten Verhalten' vor", erklärt Franke.

​Zudem nennt das Gesetz als Beispiele unerwünschte sexuell bestimmte Handlungen, die Aufforderung dazu, sexuell bestimmte Berührungen und Bemerkungen sowie das unerwünschte Zeigen oder sichtbare Anbringen von pornografischen Darstellungen.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Das eigene Gefühl zeigt ganz gut an, ob etwas okay ist oder nicht. "Wir wissen aus Studien, dass nicht nur Betroffene, sondern auch Belästiger selbst recht gut einschätzen können, wann Grenzen überschritten sind", sagt Franke.

Wehrt sich der Kollege oder Vorgesetzte mit dem Argument, es sei nur ein Missverständnis oder gar als Kompliment gemeint, sei das eher der Versuch, die Belästigung zu rechtfertigen und Betroffene zu diskreditieren, wie Franke erklärt.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Warum du keine Schuld trägst

Ähnliches steckt hinter Argumenten wie "die Frau ist Schuld, weil sie zu sexy gekleidet war" oder "die Frau hat die Belästigung durch ihr Verhalten provoziert".

​Denn bei sexueller Belästigung gehe es niemals um Sex oder gar Anziehungskraft, sondern um Macht. "Es kann als Mittel eingesetzt werden, um Konkurrentinnen klein zu halten oder generell seine Machtposition zu wahren und zu demonstrieren", erklärt Bernhard Franke.

Aus diesem Grund kann - muss aber nicht - Sexismus gegenüber Frauen in männlich geprägten Unternehmen stärker verbreitet sein. Und es kann dort schwerer sein, Würdeverletzungen und Belästigungen gegen Frauen anzugehen. Das heißt zwar nicht, dass es in gemischten Teams besser aussieht. "Studien zeigen aber, dass bestimmte Gruppen besonders gefährdet sind, sexuelle Belästigung zu erfahren, darunter auch Frauen in männlich dominierten Betrieben, aber auch Frauen in Ausbildungsverhältnissen, homo- und transsexuelle Menschen", weiß Franke.

So solltest du dich bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz verhalten

Da jede Situation anders ist, ist es schwer, eine pauschale Antwort auf diese Frage zu geben. "Wenn es möglich ist, kann es hilfreich sein, der belästigenden Person deutlich zu machen, dass man sich belästigt fühlt. Man kann auch Konsequenzen ankündigen", erklärt Franke. Es sei aber auch möglich, sich nachträglich zu beschweren.

"Betroffene sollten wissen, dass der Arbeitgeber eine Schutzpflicht gegenüber seinen Beschäftigten hat", ergänzt er. Jeder Betrieb muss gesetzlich eine Beschwerdestelle haben und Beschäftigte haben das Recht, Belästigungen dort zu melden. Auch die Gleichstellungsbeauftrage, der Betriebsrat oder externe Stellen wie das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen können bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz helfen. Der Weisse Ring e.V. setzt sich ebenfalls für Opfer sexueller Gewalt ein.

"Unternimmt der Arbeitgeber nichts, kann man als letztes Mittel sogar der Arbeit fernbleiben", sagt Franke. Möglicherweise können auch Ansprüche auf Schadensersatz oder Entschädigung bestehen. In beiden Fällen ist eine vorherige Rechtsberatung unbedingt nötig.

Es kann also viel Energie kosten, gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz vorzugehen, gibt Franke zu bedenken. "Aber die Belästigung zu erdulden und sich nicht zu wehren, kann langfristig noch viel schlimmere Folgen haben – gesundheitlich und beruflich."

Auch im Privatleben gibt es sexuelle Belästigung. So schützt du dich zum Beispiel auf dem Nachhauseweg:

Noch mehr Artikel über Job und Karriere findest du hier:

Sexuelle Belästigung: Wo fängt sie an und wie wehre ich mich?

Mit diesen 5 Produkten bleibst du im Büroalltag gesund

Tschüss Chef! 10 einfache Ideen, um sich selbständig zu machen

Netzwerken im Job: Diese Frauen-Initiativen pushen deine Karriere

von Tanja Koch

Das könnte dir auch gefallen