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Hermann-Teig: Original-Rezept für den leckeren Kuchen

von Nicole Molitor Erstellt am 5. Mai 2020
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Hermann-Teig: Original-Rezept für den leckeren Kuchen© Getty Images

Der Hermann-Kuchen feiert sein großes Revival! Wir verraten euch, wie ihr den originalen Hermann-Teig ansetzt, füttert und daraus einen leckeren Kuchen backt.

Sein Name ist Kuchen, Hermann Kuchen, und er ist in diesen Tagen wieder so hip wie damals in den 1980ern. Der süße Sauerteig, den wir wochenlang liebevoll gefüttert und gepflegt haben, erlebt in der Corona-Zeit ein steiles Comeback.

Warum Hermann DER Corona-Kuchen schlechthin ist? Das lange Züchten des Hermann-Teigs symbolisiert unser Ausharren während der Isolation. Zutaten wie Mehl, Milch und Hefe stehen (neben Klopapier) für das neue Gold unserer Zeit. Und durch das finale Backen und Verteilen des Hermann-Teigs an Freunde und Verwandte symbolisiert er die Solidarität der Gemeinschaft. Amen.

Genug schwadroniert. Wir kehren jetzt zu den Wurzeln zurück und zeigen euch, wie ihr nach Original-Rezept den Hermann-Teig ansetzen, züchten und backen könnt. Los geht's!

Hermann gedeiht durch Milchsäuregärung. Dazu erfahrt ihr mehr im Video

Video von Aischa Butt

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1. Schritt: Hermann-Teig ansetzen

Um den Hermann-Teig anzusetzen, braucht ihr für den Anfang nur vier Zutaten:

  • 100 g Weizenmehl (Typ 405)
  • 1 EL Zucker
  • 2 TL Trockenhefe oder 1/2 Würfel frische Hefe
  • 150 ml lauwarmes Wasser

Für den Hermann-Grundteig verrührt ihr alle Zutaten miteinander und füllt den Teig anschließend in ein großes (1–2 Liter) Bügel- oder Einweckglas. Sauberes Tuch über die Deckelöffnung legen, den Teig-Ansatz zwei Tage ruhen lassen (kühl und schattig) und die weiteren Schritte abwarten.

Tipp: Wollt ihr den Hermann-Teig mit frischer Hefe ansetzen, löst ihr diese im lauwarmen Wasser auf. Das Wasser sollte nicht wärmer als 35 Grad sein. Hefewürfel hineinbröseln und umrühren, bis er verschwunden ist. Dann zu den restlichen Zutaten geben.

Wichtig: Damit die Bakterienkultur während des Gärens nicht gestört wird, darf der Hermann-Teig nicht mit Metall in Berührung kommen. Also zum Rühren einen Löffel aus Holz, Silikon oder Plastik benutzen, kein Handrührgerät und auch keine Küchenmaschine. Die Rührschüssel sollte aus Kunststoff oder Plastik bestehen.

2. Schritt: Hermann-Teig züchten

Hat sich der Teig zwei Tage lang ausgeruht, geht's ans Eingemachte: Das Hermann-Teig-Züchten. Die folgenden Rezept-Schritte gelten übrigens auch dann, wenn ihr einen Hermann-Teig geschenkt bekommen habt und nun weiterverarbeiten möchtet.

Es dauert insgesamt 10 Tage, bis der Hermann fertig zum Backen ist. In dieser Zeit hebt ihr das Hermann-Glas am besten im Kühlschrank auf, damit der Teig beim Fermentieren nicht so leicht verdirbt.

Wichtig: Macht nicht den Fehler, das Gefäß, in dem euer Hermann schlummert, fest zu verschließen. Schraubdeckel legt ihr am besten nur locker auf. Noch besser ist es, das Glas mit einem Tuch zu bedecken. Während der Milchsäuregärung werden Gase freigesetzt, die irgendwohin entweichen müssen. Nicht wundern, wenn der aufgelegte Deckel also am nächsten Morgen durch den Kühlschrank katapultiert wurde. Der Hermann will nur spielen.

Tag 1: Teig ruhen lassen.
Tag 2: Teig umrühren (mit Holz- oder Plastiklöffel, s.o.).
Tag 3: Teig umrühren.
Tag 4: Teig umrühren.
Tag 5: Hermann füttern: 100 g Weizenmehl, 150 g Zucker und 150 ml Milch unterrühren.
Tag 6: Teig umrühren.
Tag 7: Teig umrühren.
Tag 8: Teig umrühren.
Tag 9: Teig umrühren.
Tag 10: Hermann füttern: 100 g Weizenmehl, 150 g Zucker und 150 ml Milch einrühren.

Tipp: Wenn ihr wie früher mit Tassen backt, nehmt ihr von allen Zutaten zum Hermann-Füttern jeweils eine Tasse voll.

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3. Schritt: Hermann-Teig teilen

Nach dem zehnten Tag ist der Hermann-Teig bereit, um zu einem leckeren Kuchen oder Muffins verbacken zu werden. Dafür braucht ihr jedoch nicht die gesamte Teigmenge.

Sharing is Caring – das wusste schon der gute Hermann. Deshalb kommt nun seine soziale Ader zum Tragen: Ihr teilt den Hermann-Teig in vier gleich große Portionen auf. Das macht in etwa 4 x 200 g Teig.

Füllt den Teig in vier kleine Glasbehälter (z. B. Marmeladengläser) ab und schenkt davon alle oder nur ein paar Hermann-Portionen euren Freunden, Nachbarn oder Verwandten. Daraus können sie dann einen neuen Hermann ansetzen und wieder und wieder ...

Tipp: Traditionell verschenkt man zwei Gläser Hermann und behält selbst zwei. Aus einem bäckt man direkt einen Kuchen, den anderen päppelt man erneut zu einem großen Hermann auf. Wenn euch der Hermann irgendwann zum Halse heraushängt, könnt ihr ihn auch einfach im Glas einfrieren und habt einen Vorrat, wenn ihr Heißhunger auf Sauerteigkuchen bekommt.

4. Schritt: Hermann-Teig backen

Eine Portion vom Hermann-Teig braucht ihr in jedem Fall, um daraus einen Kuchen zu backen. Hier zeigen wir euch das Original-Rezept – das könnt ihr nach Belieben verfeinern.

Ihr benötigt diese Zutaten:

  • 200 g Hermann-Teig
  • 3 Eier
  • 100 g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 100 ml Sonnenblumenöl
  • 200 g Weizenmehl
  • 2 TL Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 200 ml Milch

So geht die Zubereitung:
1. Backofen auf 180 Grad Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Kastenform einfetten und bemehlen.

2. Die Zutaten in der angegebenen Reihenfolge verrühren – nun auch wieder gerne mit Metall und elektrischer Mixkraft.

3. Alles in die Kastenform füllen und 45 bis 50 Minuten im Ofen backen. Mit der Stäbchenprobe könnt ihr prüfen, ob der Kuchen fertig ist (wenn kein Hermann-Teig mehr am Stäbchen klebt).

Ganz frisch schmeckt der Hermann-Kuchen am allerbesten. Nur vorher kurz auf einem Küchenrost auskühlen lassen, damit ihr euch daran nicht die Zunge verbrennt.

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So könnt ihr den Hermann-Teig verfeinern

Pimpen könnt ihr den Hermann-Teig nach Geschmack mit gehackten Nüssen, Mandeln, Rosinen, Schokostückchen oder auch Beeren (jeweils 100 g).

Oder ihr macht Halbe-Halbe, versüßt einen Hermann-Teil mit Backkakao und zaubert daraus einen leckeren Marmor-Hermann.

Unser Tipp: Die Milch aus dem Rezept durch Eierlikör ersetzen. Wer es nicht ganz so süß mag, kann dann die Zuckermenge etwas reduzieren.

Wie schmeckt der Hermann?

Charakteristisch für Hermann-Kuchen ist sein säuerlicher Geschmack, der ein wenig an frisch gebrautes Bier erinnert. Genau das gibt ihm sein unwiderstehliches Aroma.

Die saure Note kann man schon beim Züchten des Hermann-Teigs riechen und ist völlig normal. Denn bei der Milchsäuregärung wird der Zucker in Alkohol und Kohlenstoffdioxid umgewandelt. Richtig: Hermann hat Blähungen und muss regelmäßig pupsen. Das ist nur natürlich.

Wichtig: Nach Essig sollte euer Hermann jedoch nie riechen. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die bösen Essigsäurebakterien den Kampf über die guten Milchsäurebakterien gewonnen haben. Wenn das der Fall ist, müsst ihr euch leider von Hermann verabschieden.

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