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Pilze sammeln – aber richtig!

von der Redaktion Veröffentlicht am 18. November 2008
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In den späten Sommer- und frühen Herbstmonaten begegnen sie uns bei einem Waldspaziergang immer wieder – Pilzsammler mit gut gefüllten Körben, die ihre Beute nach Hause tragen. Wer denkt bei einem solchen Anblick nicht auch sofort daran, selbst Pilze sammeln zu gehen oder an eine leckere Pilzpfanne?

Leider ist Pilze sammeln eine kleine Wissenschaft für sich, denn landen die falschen Pilze im Korb, bleibt der Bissen förmlich im Halse stecken. Nicht zuletzt aufgrund der Risiken verzichtet so mancher Pilzliebhaber auf die Suche nach dem Objekt der Begierde. Dabei ist es mit einigen Tipps relativ einfach, die Grundlage einer schmackhaften Waldpilzpfanne zu sammeln.

Pilze sammeln: Die Hilfsmittel

Der erste Schritt zum erfolgreichen Pilzsammler ist natürlich die Suche nach den passenden Utensilien. Dazu gehören neben einem Messer, wetterfester Kleidung, etwas altem Zeitungspapier und einem Korb auch das eine oder andere Bestimmungsbuch. Gute Literatur für´s Pilze sammeln sollte ausreichend Hintergrundwissen bieten und dabei natürlich auch mit vielen Bildern illustriert sein, da zu den wichtigsten Unterscheidungskriterien vieler Pilze vor allem optische Merkmale gehören. Warum wird aber unbedingt ein Korb zum Pilze sammeln empfohlen und etwas Zeitungspapier?

Grund ist die Tatsache, dass bei der Aufbewahrung in einem Plastikbeutel einzelne Pilze zerstört werden, was auf der einen Seite die nachträgliche Bestimmung unmöglich macht. Auf der anderen Seite verteilen sich so Pilzsäfte überall – und damit auch Gifte. Deshalb ist für das richtige Pilze sammeln ein luftiges Behältnis wichtig. Ausgelegt mit etwas Zeitungspapier bleiben im Korb auch keine Spuren der Pilze zurück. Außerdem lassen sich Exemplare, deren Bestimmung unsicher ist, auf diese Weise von den anderen Pilzen getrennt aufbewahren.

Das kleine Pilzsammel-ABC

Beim Pilze sammeln gilt der Grundsatz, dass nur bekannte Arten gesammelt werden sollten. Voraussetzung ist natürlich die genaue Kenntnis deren botanischer Eigenschaften, was Erfahrung und Wissen voraussetzt. Am besten Sie blättern in einem bebilderten Pilz-Buch und schauen sich die Abbildungen ganz genau an. Schon ein kleiner Unterschied in der Färbung oder Lamellen können darüber entscheiden, ob ein Pilz essbar ist oder nicht.

Sie wollen auf Nummer sicher gehen? Dann nehmen Sie doch an einer Pilzexkursion teil. Der entscheidende Vorteil liegt dabei darin, dass Fehler sofort korrigiert werden und alle Teilnehmer nützliche Tipps mit nach Hause nehmen können. Daneben empfiehlt sich in jedem Fall der direkte Vergleich zwischen Speise- und Giftpilz, denn so manches wohlschmeckende Exemplar hat einen gefährlichen Doppelgänger wie Champignon und Knollenblätterpilz immer wieder beweisen.

Generell gilt gerade bei unbekannten Pilzen der Grundsatz, diese lieber an ihrem Standort zu belassen. Sollte es doch einmal vorkommen, dass sich Pilzsammler bei einem Exemplar nicht wirklich sicher sind, kann dieser natürlich zu näheren Bestimmung mitgenommen werden. Allerdings in diesem Fall bitte auf das Abschneiden verzichten und den gesamten Pilz vorsichtig aus der Erde drehen, da sich so manches Erkennungsmerkmal unter der Oberfläche am Stiel-Ende verbirgt.

Scheitert ein Bestimmungsversuch, lohnt sich ein Besuch der Pilzberatungsstellen. Hier wird der Pilz von Experten etwas genauer unter die Lupe genommen und für´s nächste Pilze sammeln herrscht Klarheit.

Welche Pilze sind nun essbar?

Die leckeren Shiitake-Pilze finden wir in unseren heimischen Gefilden leider nicht, aber trotzdem gibt es in unseren Wäldern viele leckere Pilze, die wir auch gut vertragen. Welche Pilze gehören also in den Korb und können bedenkenlos mit nach Hause genommen werden?

Einer der bekanntesten Vertreter unter den Speisepilzen ist sicher der Steinpilz, welcher sich vor allem an lichten Plätzen in Laub- und Nadelwäldern besonders wohl fühlt. Auf den ersten Blick dem Steinpilz ähnlich ist die Marone, aber spätestens beim genaueren Hinsehen entdeckt auch das ungeübte Auge den etwas dunkleren Hut sowie den bräunlichen Stiel. Ebenfalls ein Bewohner von Laub- und Nadelwäldern ist der charakteristisch gelbe Pfifferling.

Daneben kann auch beim Birkenpilz ohne Bedenken zugegriffen werden. Dieser leckere Pilz taucht während des Spätsommers in Birkenwäldern manchmal massenhaft auf. Und mit etwas Glück reckt neben dem Birkenpilz auch ein Butterpilz seinen Hut empor, dessen Farbe in ein deutliches Rotbraun geht.

Finger weg! – Giftige heimische Pilze

Beim Pilze sammeln ist Vorsicht angebracht: Allzu leicht gerät ein giftiger Pilz zwischen die Speisepilze und verdirbt uns im wahrsten Sinne des Wortes den Appetit. Selbst die Verwandten unserer beliebten Speisepilze können mindestens zu Übelkeit, im schlimmsten Fall jedoch auch bis zum Tod führen. Ungenießbar sind zum Beispiel Satans-Röhrling und Pfeffer-Röhrling, Gallenröhrling und der falsche Pfifferling. Auch ein Verwandter des Champignons, der Karbol-Egerling, ist ungenießbar.


Finger weg gilt vor allem bei Kremplingen, von denen kein einziger genießbar ist. Ähnliches gilt für Wulstlinge, von denen lediglich der sehr seltene Kaiserling essbar ist.

Die Liste ließe sich noch unendlich fortführen, daher hier einfach der Hinweis: Halten Sie sich an die Ihnen bekannten Sorten und schauen Sie – trotz aller Erfahrung – doch ab und zu in ein Pilz-Bestimmungsbuch – möglicherweise rettet Ihnen das einmal das Leben.

Vorsicht bei verdorbenen Pilzen!

Pilze sind leider nicht nur beim Menschen beliebt, auch im Tierreich scheint so mancher in den Monaten von August bis Oktober auf den Geschmack zu kommen. Gerade Schnecken und Würmer oder Insekten nutzen die reich gedeckte Tafel, um für die kalte Jahreszeit vorzusorgen, allerdings sehr zum Ärger vieler Pilzsammler. Exemplare, denen ein solches Gelage deutlich ins „Gesicht“ geschrieben steht oder alte und bereits stark durchwässerte Pilze sollten stehen gelassen werden, da hier bereits der Geschmack zu wünschen übrig lässt und sich in einigen Fällen auch toxisch wirkende Stoffe in den Fruchtkörpern gesammelt haben können.

Pflichtfach Pilze putzen

Endlich mit der Ausbeute zuhause angekommen wartet aber noch einiges an Arbeit, da Pilze möglichst schnell weiterverarbeitet und zubereitet werden sollten. Obwohl bereits im Wald grob gereinigt, müssen Pilze gründlich geputzt werden, bevor sie in der Pfanne schmoren können. Natürlich können Tipps die jahrelange Erfahrung beim Pilze sammeln nicht ersetzen, sind aber ein gutes Hilfsmittel für unerfahrene Pilzliebhaber, um den Einstieg etwas zu erleichtern.

von der Redaktion

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