Home / Living / Kochen & Backen / Sauer wird süß: Die Wunderbeere stellt euren Geschmackssinn auf den Kopf

© Getty Images
Living

Sauer wird süß: Die Wunderbeere stellt euren Geschmackssinn auf den Kopf

von Justin Amaral Veröffentlicht am 27. Januar 2019
A-
A+

Beherzt in eine Zitrone beißen, einen Schluck Essig trinken und dabei nicht einmal das Gesicht verziehen - mithilfe der westafrikanischen Wunderbeere ist das kein Problem. Nach dem Verzehr der kleinen, roten Frucht schmecken saure oder bittere Lebensmittel kurzzeitig zuckersüß.

Eine Zitrone, die plötzlich süß auf der Zunge liegt – solche Geschmacksverwirrungen macht die Wunderbeere, auch "Miracle Fruit" genannt, möglich. Afrikanische Stämme wissen schon lange von der "magischen" Wirkung der roten Beere. Dort kommt sie als Süßungsmittel zum Einsatz.

​Da aber nicht jeder von uns nach Westafrika fliegen kann, um die Wunderbeere zu probieren, gibt es den Wirkstoff der Frucht jetzt auch als Lutschtabletten auf Amazon zu kaufen. Auch gefriergetrocknete, ganze Beeren soll man sich ganz einfach nach Hause liefern lassen können.

Wie kommt es zu der Geschmacksverwirrung?

Schuld ist der Wirkstoff Miraculin: Die Struktur der Geschmacksknospen wird durch ihn für kurze Zeit verändert und so können wir Säure kaum noch schmecken. Forschern ist zum derzeitigen Stand kein anderes Protein bekannt, das den Geschmackssinn so beeinflussen kann.

Orangensaft verwandelt sich in Zuckersirup, saure Äpfel werden zu süßen Dessertbomben. Der Effekt hält für gewöhnlich zwischen 30 und 90 Minuten an. Wer die Süße nicht mehr aushält: Die Wirkung kann mit heißen Speisen oder Getränken vorzeitig abgebrochen werden.

Ziegenkäse wird plötzlich zu Käsekuchen

Die Wirkung der roten Frucht erinnert an die Zauberwelt von Harry Potter. Damals waren "Bertie Bott's Bohnen" der letzte Schrei. Viele freuten sich darauf, die unbekannten Geschmäcker der zuckrigen Bohnen zu testen. Die Wunderbeere bringt dieses verzauberte Gefühl wieder zurück und setzt sogar noch einen oben drauf.

Das einzigartige Phänomen hat mittlerweile einen regelrechten Partytrend ausgelöst. Auf Flavor-Tripping-Parties in Großstädten, wie New York und Tokio, wird die veränderte Geschmackswahrnehmung gemeinsam erlebt und getestet. Zitronen, Grapefruits, Tabasco oder Essiggurken werden auf einmal zur süßen Versuchung. Guinness-Bier verwandelt sich für einige in kalten Kakao und Naturjoghurt zu einem zuckrigen Sahne-Dessert. Ein Spaß für alle Beteiligten.

Gesundheitliche Risiken durch die Einnahme der Wunderbeere sind keine bekannt. Das größere Problem dürfte wohl eher die Aufnahme von zu viel Saurem sein. Denn dann macht sauer nicht mehr lustig, sondern verursacht einfach nur ziemliche Magenprobleme.

Ein medizinisches Wundermittel der Zukunft?

Miraculin könnte zukünftig als kalorienarmer, für Diabetiker geeigneter Süßstoff genutzt werden. Eine wahre Alternative also zu künstlichen Süßstoffen, die nicht selten einen unangenehmen Nachgeschmack haben und appetitanregend wirken können. Die Forschung steckt hier jedoch noch in den Kinderschuhen.

Auch für Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, soll der Einsatz der Beere Verbesserungen in der Geschmackswahrnehmung bringen können. Oft ist Essen nach einer Chemotherapie fad und metallisch im Geschmack. Die Wunderbeere könnte hier in der Zukunft eventuell Abhilfe schaffen.

Weitere Themen für dich rund um Superfoods:

Wenn du DAS isst, lebst du gesünder (und bist fitter)

Heimisches Superfood: Mit Haferflocken abnehmen - so geht's!

Anti-Aging-Food: Diese 10 Lebensmittel sorgen für glatte Haut

von Justin Amaral

Das könnte dir auch gefallen