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Rigoberta Menchú: Friedensnobelpreisträgerin wird 53

von Diane Buckstegge Veröffentlicht am 9. Januar 2012

Sie hat zusammen mit ihren Geschwistern in der sengenden Sonne Guatemalas schon im Alter von acht Jahren Kaffee gepflückt, sich in der Bauernbewegung für ihr Volk stark gemacht und schließlich 1992 als bis dato jüngste Frau den Friedensnobelpreis gewonnen. Die Quiché-Indianerin Rigoberta Menchú feiert am 9. Januar ihren 53. Geburtstag und hat ein Leben mit Höhen und Tiefen, auf das sie an diesem Tag zurückblickt.

Die guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin wurde in dem kleinen Dorf Chimel im Norden Guatemalas geboren und musste erleben, wie ihr Vater von der Regierung gefangen genommen und schließlich getötet wurde. Auch ihre Mutter und ein Bruder wurden Opfer der Militärdiktatur, die von 1978 bis 1986 mehrere tausend Menschenleben forderte. Als Nachfahre der alten Maya-Kultur hat sie hautnah zu spüren bekommen, dass die indigene Bevölkerung Guatemalas unterdrückt und verachtet wurde. Viele Indios wurden von ihrem Land vertrieben - ein Problem, das bis heute anhält.

1978 gründeten die Indios das Comité de Unidad Campesina (CUC), eine Art Bauernbewegung, der Rigoberta Menchú 1979 zusammen mit ihrem Vater und ihren Brüdern beitrat. Sie engagierte sich zunehmend in der CUC, organisierte beispielsweise Streiks, um bessere Arbeitsbedingungen für die Landarbeiter einzufordern. 1981 musste Rigoberta Menchú deswegen aus ihrer Heimat Guatemala nach Mexiko fliehen: Sie war der Regierung einmal zu oft auf die Füße getreten. Doch das war für sie kein Hinderungsgrund, sich aus dem Ausland für die Rechte der Indios einzusetzen. 1982 wurde sie Mitbegründerin der Vereinigten Vertretung der Guatemaltekischen Opposition, die es sich zur Aufgabe machte, für die Menschenrechte und gegen die Militärdiktatur zu kämpfen. Im mexikanischen Exil lernte sie zudem spanisch und veröffentlichte 1983 ihre Biografie 'Yo, Rigoberta Menchú‘ (Ich, Rigoberta Menchú), die weltweit Beachtung fand.

Mit dem Ende der Militärdiktatur 1986 trat Rigoberta Menchú dem Führungskomitee der CUC bei und wurde 1990 von der UNESCO für ihren Einsatz in der Friedenserziehung geehrt. 1992 bekam sie dann den Friedensnobelpreis verliehen. Sie selbst sagte bei der Preisübergabe in Oslo dazu: „Ich betrachte diesen Preis nicht als eine persönliche Auszeichnung, sondern als einen großen Sieg im Kampf um Frieden, um Menschenrechte und um die Rechte der eingeborenen Völker, die die ganzen 500 Jahre lang vertrieben und zu Opfern von Unterdrückung und Diskriminierung wurden. (...) Der Nobelpreis ermutigt uns, damit fortzufahren, auf die Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen, die gegen das Volk in Guatemala ausgeübt wurden.“

Auch heute, zehn Jahre nach dem Friedensnobelpreis für Rigoberta Menchú, sind die Indios eine Minderheit und haben es schwer, sich gegen die weiße reiche Oberschicht in Guatemala durchzusetzen. Für Rigoberta Menchú und für die Menschen Guatemalas geht der Kampf weiter.


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von Diane Buckstegge