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Potenzretter Viagra

von der Redaktion Veröffentlicht am 13. November 2008
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Viagra? Dazu hat jeder eine ganz eigene Assoziation. Einigen fallen die Mails ein, die täglich im virtuellen Postkasten landen. Andere fragen sich, ob Viagra und sonstige Potenzmittel tatsächlich nötig sind. Geht es denn nur noch darum, jederzeit seinen Mann stehen zu können? Es scheint fast so. Zahlreiche Studien gewähren einen tiefen Einblick in das Sexualleben der Deutschen. In einer Flut von Reportagen plaudert der Nachbar von nebenan über sein erfülltes Sexualleben und gesteht auch, hin und wieder eine Viagra zu nehmen.

Viagra scheint die Rettung für alle zu sein, die sich ein erfülltes und aufregendes Liebesleben wünschen. Wer Viagra allerdings nur darauf reduziert, tut diesem Potenzmittel unrecht. Vergessen wird gerne, dass Viagra nicht vorrangig ins Leben gerufen wurden, um den Drang von Otto Normalverbraucher nach einem filmreifen Sexleben zu befriedigen.

Laut Schätzungen der World Health Organisation (WHO) sind rund 150 Millionen Männer weltweit von der erektilen Dysfunktion betroffen. Diese Potenzstörung macht ein normales Sexual- und Liebesleben unmöglich und führt sowohl beim Mann, als auch bei seiner Partnerin zu einem großen Leidensdruck. Für diese Paare ist Viagra nichts, was ihnen einen außergewöhnlichen Kick beschert, sondern ein Potenzmittel, das sie wieder an einem normalen Sexualleben teilhaben lässt. Welcher Mann gibt schon gerne zu, dass er nicht allzeit bereit ist? Oder dass er Viagra nicht nur zum Spaß nimmt, sondern dieses Medikament wirklich braucht? Welche Frau bezieht die Flaute im Bett nicht doch insgeheim auf sich, selbst wenn sie es besser weiß? Vielleicht ist sie ja einfach nicht sexy genug?

Die Ursachen einer Potenzstörung sind vielschichtig: Sie können sowohl körperlich, als auch seelisch begründet sein. Für Männer, die an der erektilen Dysfunktion leiden, sind Potenzmittel wie Viagra oft der einzige Weg, um wieder zu einem befriedigen Sexualleben zu finden. Viagra ist für sie weit mehr als die kleine, blaue Pille, die andere zu müden Witzen animiert.

Viagra – Hilfe für Körper und Seele

Viagra und weitere Potenzmittel bieten tatsächlich Hilfe für Körper und Seele, obwohl das Problem doch eindeutig körperlicher Natur zu sein scheint. Eine strikte Trennung zwischen Körper und Geist gilt mittlerweile allerdings als überholt und auch die Diagnostik und Therapie der Erektionsstörungen macht davor nicht halt. Zwar sind fast 80 Prozent der Potenzstörungen auf ein körperliches Problem zurückzuführen, der seelische Aspekt lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Paare, in deren Bett nicht nur die Ruhe vor dem Sturm herrscht, sondern bei denen es nur noch ruhig ist, werden schnell überlegen, ob ihnen Viagra weiterhelfen könnte.

Wann verwendet man Viagra?

Wann ist Viagra überhaupt angezeigt und wann kann von einer Potenzstörung geredet werden? Die Definition ist nicht ganz einfach, da das Lustempfinden von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ist. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie definiert die Potenzstörung wie folgt: Können innerhalb von einem halben Jahr 70 Prozent der angestrebten Geschlechtsakte nicht ausgeübt werden, weil der Penis zu schlaff ist, wird von einer Potenzstörung gesprochen. Genau hier setzt Viagra an: Etwa eine halbe Stunde nach der Einnahme führt Viagra dazu, dass sich die Blutgefäße am Penis weiten und Blut in den Schwellkörper strömen kann. Die Folge ist die ersehnte Erektion.

Wie wirksam ist Viagra eigentlich?

Der große Vorteil von Viagra ist, dass dieses Potenzmittel nachweislich wirkt und der Erfolg nicht von der Einbildungskraft des Mannes abhängt. Gut 80 Prozent der Männer, die Viagra nehmen, verzeichnen sicht- und spürbare Erfolge. Das kann nicht von jedem Potenzmittel behauptet werden, von denen in jedem gut sortierten Erotikgeschäft zahlreiche vorhanden sind. Wie wirkungsvoll die dubiosen Potenzmittel sind, bleibt dahingestellt. Ist die Potenzstörung rein seelischer Natur, was immerhin bei bis zu 20 Prozent der Betroffenen der Fall ist, kann vielleicht eine leichte Besserung verzeichnet werden.

Ein wenig mehr Erfolg verspricht die Vakuumpumpe - ein Potenzmittel physikalischer Art. Ihre Anwendung erfordert allerdings ein wenig Übung und schreckt manchen Mann verständlicherweise ab. So wirkt es geradezu befreiend, wenn der Mann stattdessen einfach auf Viagra zurückgreifen kann, das auch bei Medizinern zur Therapie von Potenzstörungen das Mittel erster Wahl ist.

Pille gut, alles gut?

Viagra ist ein Segen für alle, deren Liebesleben durch die Erektionsstörung zunichte gemacht wird. Natürlich reicht die alleinige Einnahme von Viagra meist nicht aus. Die Grunderkrankung, die zur Potenzstörung führt, muss therapiert werden. Ist das Problem seelischer Ursache, hilft eine Verhaltenstherapie weiter. Vorrangig geht es darum, die Angst vor dem nächsten Versagen zu besiegen. Sie kann eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt. Oft führt es so weit, dass sich der Mann überhaupt nicht mehr traut, mit seiner Partnerin intim zu werden, da er sich die Blamage des vermeintlichen Versagens ersparen will. Viagra wirkt Wunder, wenn es darum geht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Sekundär geht es darum, die seelischen Blockaden zu lösen, die ursprünglich zu der Erektionsstörung geführt haben. Das Therapieziel liegt klar darin, den Betroffenen eines Tages wieder zu einem befriedigenden Liebesleben zu verhelfen, bei dem Viagra nur noch als besonderes Bonbon eingesetzt wird. Ein zweifelhafter Trend führt allerdings in eine Richtung, die uns suggerieren möchte, dass im Liebesleben nichts mehr dem Zufall überlassen werden darf. Lustlosigkeit? Und das schon seit zwei Wochen? Dagegen gibt es eine Tablette. Der Sex ist nur gut? Aber nicht außergewöhnlich? Auch hiergegen gibt es eine Tablette. Irgendwann.

Lifestyle-Medikament Viagra?

Das Geschäft mit der Lust ist hochprofitabel. Vorbei die Zeit, in der Viagra oder weitere Potenzmittel verschämt unter der Ladentheke gehandelt wurden. Viagra wird in der Gesellschaft nicht mehr länger tabuisiert - und das ist sehr gut so. Dank der teilweise recht hitzigen Diskussionen über Viagra der Vergangenheit ist die Hemmschwelle, die Erektionsstörung zu thematisieren und sich medizinische Hilfe zu holen, gesunken.

Ob Viagra allerdings zu einem Lifestylemedikament hochstilisiert werden soll, mit dem tiefgründige Probleme verdrängt werden können, bleibt zumindest fragwürdig. Wer an einer Potenzstörung leidet, wird sich diese Frage allerdings nicht stellen, sondern sich viel mehr darüber freuen, dass Viagra dem brachliegenden Sexualleben wieder auf die Sprünge hilft.

von der Redaktion

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