Home / Liebe & Psychologie / Lust & Leidenschaft / Vorzeitiger Samenerguss - immer noch ein Tabuthema

Liebe & Psychologie

Vorzeitiger Samenerguss - immer noch ein Tabuthema

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 25. Januar 2008
A-
A+

Die Ejakulation ist für den Mann meistens der Inbegriff für sexuelles Vergnügen. Wenn der Orgasmus allerdings für ihn - und für sie - zu schnell eintritt kann von Vergnügen keine mehr Rede sein… Erfahren Sie mehr über dieses Tabuthema!

Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?
10 Sekunden? Eine Minute? Drei Minuten? Vor oder während der Penetration? Ab wann kann man überhaupt von einer vorzeitigen Ejakulation sprechen? Das Zeitkriterium reicht nicht aus, um das Phänomen zu definieren. Man kann es eher mit dem Begriff der Kontrolle oder vielmehr der nicht vorhandenen Kontrolle charakterisieren. Ein Mann, der nicht unter dieser Funktionsstörung leidet, kann den Samenerguss hinauszögern um das gemeinsame Lusterlebnis länger andauern zu lassen
und die Intensität des Orgasmus zu steigern. Wenn die Ejakulation zu einem unkontrollierten und unkontrollierbaren Reflex wird spricht man von einem vorzeitigen Samenerguss (bzw. einem vorzeitigem Orgasmus oder lateinisch Ejaculatio praecox).

Manche Männer führen mehr oder weniger lange ein Sexualleben ohne Probleme und werden danach plötzlich mit diesen Beschwerden konfrontiert. In diesem Fall wird die vorzeitige Ejakulation als "sekundär" bezeichnet. Umgekehrt ist von einem "primären" vorzeitigen Samenerguss die Rede, wenn ein Mann schon immer unter dieser sexuellen Funktionsstörung leidet.

Eine häufige Funktionsstörung, die meistens Tabu ist
Der vorzeitige Samenerguss ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn, auch wenn er für den Betroffenen natürlich trotzdem ein großes Handicap darstellt... Ein Drittel der Männer ist angeblich von dem Problem betroffen. Doch nur 8% davon sind bereit, über das Thema zu sprechen. Auch Frauen schweigen. Bei ihnen wird der Dialog verhindert, weil sie sich schuldig fühlen und ihren Partner nicht zusätzlich belasten möchten. Die Folgeerscheinungen sind Frustrationen, Verständnislosigkeit und eine innere Blockade. Diese Faktoren können zu einem ernsthaften Beziehungsproblem werden: Bei einem Drittel der betroffenen Paare führt der vorzeitige Samenerguss zu einer Trennung. Dabei sind die Ursachen für diese Funktionsstörung bekannt und es gibt entsprechende Behandlungsmöglichkeiten.

Die körperlichen Ursachen
Nur selten liegt der vorzeitigen Ejakulation eine körperliche Ursache zu Grunde. Dennoch kann der frühzeitige Orgasmus z.B. auf eine Harnröhrenentzündung, auf Schwierigkeiten, die Eichel freizulegen, oder auf eine zu kurze Vorhaut, die zu einer zu schnellen Stimulation führt, zurückzuführen sein. Niederländische Forscher haben gezeigt, dass die Serotonin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem der an einer vorzeitigen Ejakulation Leidenden unempfindlicher reagieren. Das hindert die betroffenen Männer daran, den entscheidenden Moment hinauszuzögern.

Die psychologischen Ursachen
Die wichtigsten Ursachen lassen sich psychologisch erklären. Bei den ersten sexuellen Kontakten treten oft Ejakulationsprobleme auf, da die Angst vor einem Misserfolg relativ groß ist. Allgemeiner gesagt können die Angst, die Partnerin zu enttäuschen, und der sexuelle Leistungsdruck zu einem Kontrollverlust führen, besonders dann, wenn der Mann eine offensichtlich stark erregte Partnerin vor
sich hat.

Auch wenn Angst, Stress und Müdigkeit die Hauptursachen für den vorzeitigen Samenerguss sind spielen auch noch andere Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel seltener Geschlechtsverkehr oder eine sehr starke emotionale Anspannung. Auch Beziehungsprobleme mit der Partnerin können für die Schwierigkeiten bei der Ejakulationskontrolle verantwortlich sein.

Wie geht man damit um? Was kann man dagegen tun?

  • Als erstes muss der Dialog in der Partnerschaft wieder hergestellt werden: Die Frau übernimmt hier eine wichtige Rolle, denn sie muss ihrem Mann helfen, seine Angst vor einem Misserfolg zu überwinden, indem sie ihn beruhigt.
  • Häufigerer Geschlechtsverkehr kann auch dazu beitragen die Ejakulation hinauszuzögern.
  • Es gibt außerdem noch zwei weitere intime Techniken, um die Selbstkontrolle des Mannes zu verbessern:
    > Die "Stop-and-go Technik" (auch Stopp-Start-Technik genannt): Der Mann konzentriert sich ganz auf seine Gefühlswahrnehmungen und signalisiert seiner Partnerin, wenn er aufhören muss, sich zu bewegen... dann herrscht ein Moment totaler Stillstand, bevor es wieder weitergeht!
    > Die Squeeze-Technik (squeeze (englisch) bedeutet zusammenpressen): Kurz bevor der Mann spürt, dass der Orgasmus kurz bevorsteht, wird der Eichelansatz (Frenulumbereich) zusammengedrückt damit der Ejakula-tionsdrang nachlässt. Nach einer kurzen Pause wird der Penis erneut stimuliert.
  • Falls diese Techniken scheitern sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine gemeinsame Beratung bei einem Sexualtherapeuten ist ein wichtiger Schritt, um die Situation zu verbessern: Der Arzt kann zum Beispiel Antidepressiva verschreiben, die auf das Rückenmark einwirken und die Ejakulation bis zum gewünschten Moment hinauszögern.

von Linda Chevreuil

Das könnte dir auch gefallen