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Liebe & Psychologie

Generation beziehungsunfähig? Über aktive und passive Bindungsangst

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 31. Mai 2018
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Ständig sind wir auf der Suche nach jemandem, der unser Leben komplettiert, aber irgendwie landen wir immer beim Falschen oder im Teufelskreis von Dates und doch nicht mehr. Über aktive und passive Beziehungsverweigerer und die Generation beziehungsunfähig.

Alles könnte so einfach sein in Sachen Liebe. Man sieht sich, verliebt sich und kommt zusammen. Nur leider ist das alles nicht immer so einfach. Denn die Realität sieht oft anders aus. Man denke an all die Typen, die man auf Datingportalen kennengelernt hat, und wo sich der Kontakt trotz Interesse und Knistern nach ein paar Dates im Sande verlaufen hat. Oder an die letzten Beziehungen, die einfach nicht funktioniert haben. Manchmal steckt einfach der Wurm drin und so wird das Singledasein zum Dauerzustand.

Irgendwann beginnt man dann an sich selbst zu zweifeln und hält sich für kompliziert und bindungsscheu. Sind wir eine Generation beziehungsunfähig? Und was genau heißt es eigentlich, nicht fähig für eine Beziehung zu sein, wo man es sich doch so sehr wünscht?

Beziehungsunfähig: viele Begriffe, ein Phänomen

Zugegeben: Der Begriff der Generation beziehungsunfähig ist wenig schmeichelhaft. Und umfasst auch nicht wirklich die unterschiedlichen Phänomene des Singledaseins. Es gibt letztlich viele Begriffe für Menschen, die Bindung suchen, aber nicht zulassen können, wollen oder dürfen. So vielfältig die Gründe fürs Sinlgedasein sind, so vielfältig sind auch die Bezeichnungen, zum Beispiel der Begriff des Mingles, einer Mischung aus Mixed und Single. Oder Begriffe wie Freundschaft Plus oder Friends with Benefits.

Denn natürlich hat nicht jeder Mensch mit gescheiterten oder nicht stattfindenden Bindungen die gleichen Gründe für sein Singledasein. Und so viel ist klar: Nicht alle sind beziehungsunfähig. Das wäre zu einfach. Grundsätzlich kann man jedoch eine Unterscheidung treffen: Es gibt die Gruppe der aktiven und der passiven Beziehungsverweigerer.

Aktive Beziehungsverweigerer

Als aktive Beziehungsverweigerer bezeichnen Therapeuten Menschen, die für sich entschieden haben, dass sie derzeit keine feste Bindung eingehen möchten. Das kann verschiedene Gründe haben. Sei es, dass sie nach einer Trennung eine Zeit der Freiheit und Ungebundenheit genießen wollen. Oder dass die letzte Trennung noch nicht überwunden wurde und man sich noch nicht reif für eine neue Partnerschaft fühlt. Und der Begriff umfasst auch die Gruppe jener Menschen, die sich nicht festlegen möchten, weil sie denken, dass noch "etwas Besseres" kommen könnte.

Passive Beziehungsverweigerer

Anders sind die passiven Beziehungsverweigerer - passiv, weil sie nicht aktiv die Entscheidung treffen, sich nicht binden zu wollen. Vielmehr suchen sie sich unbewusst Partner aus, mit denen eine feste Bindung (derzeit oder langfristig) nicht möglich ist. Sei es jemand, der bereits vergeben ist oder jemand, der ganz offensichtlich keine Bindung möchte. Deshalb sucht sich der passive Beziehungsverweigerer auch sehr oft einen aktiven Beziehungsverweigerer als Partner. Er wählt also eine Beziehung, die zum Scheitern verurteilt ist, und zwar weil er es unbewusst auch so möchte.

Der Weg aus der passiven Beziehungsunfähigkeit

Leider ist dem passiven Verweigerer gar nicht immer bewusst, was er da tut und er leidet unter den vielen missglückten Beziehungsversuchen. Er hat nämlich den Eindruck, dass er aus irgendeinem Grund immer an "den Falschen" gerät. Dass sein Beuteschema jedoch genau darauf abzielt, jene "Falschen" zu finden, ist ihm meist nicht klar.

Wer also ständig scheitert und in halbgaren Beziehungen bzw. Nicht-Beziehungen landet, der sollte mal das Muster analysieren, nach dem er sich potentielle Partner aussucht. Sucht man sich ständig Menschen aus, mit denen eine wirkliche Nähe gar nicht möglich ist? Die nicht zu haben sind, oder sich zu heiß für eine feste Bindung fühlen? Hat man selbst eher Verlustangst in einer Beziehung oder Angst vor zu viel Vereinnahmung? Hier hilft nur, in sich selbst hineinzuhorchen. Denn meist liegt der Schlüssel zum Liebesglück in erster Linie in uns selbst.

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