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Corona-Krise: So vermeidet ihr Streit in der Beziehung

von Fiona Rohde Erstellt am 20. März 2020
Corona-Krise: So vermeidet ihr Streit in der Beziehung© GettyImages

Da wir in der Corona-Krise unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum beschränken müssen, verbringen viele ihre Zeit fast nur noch mit dem Partner. Damit der jetzt nicht den ganzen Frust abbekommt, sollten wir einige Dinge beachten. Über den fairen Umgang in schwierigen Zeiten.

Meist vermisst man die Dinge erst, wenn man sie nicht mehr hat. So auch derzeit. Nie war einem bewusst, wie viele soziale Kontakte man so hat, wie viel man unterwegs ist und in einer Woche erlebt. Bis jetzt. Bis Corona. Plötzlich sind wir gezwungen, innenzuhalten und unser "normales" Alltagsverhalten einmal auf Links zu krempeln. Und ganz ehrlich: Das versetzt einen gelinde gesagt schon was in Panik und Stress.

Leider bekommt diese innere Angespanntheit ausgerechnet die Person zu spüren, die sozusagen unser Premiumkontakt in diesen Zeiten ist: unser Partner oder Partnerin, Lebensgefährte oder -gefährtin. Dabei sollten wir doch gerade in schlechten Zeiten ein perfektes Team sein.

Was so schön klingt, ist nur leider in der Umsetzung nicht immer easy. Und nicht nur ich merke, dass die Corona-Krise sehr wohl Auswirkungen auf meine Beziehung hat. Ich bin schneller auf 180, alles dreht sich um das leidige Thema Ansteckung, Lockdown und soziale Isolation – von einer entspannten, fröhlichen Partnerin bleibt da kaum eine Spur. Und das tut mir total leid.

Leider bin ich nicht die Einzige: Unterhält man sich nämlich mit anderen, wie es ihnen derzeit geht, merkt man schnell: Die Nerven liegen überall ein wenig blank. Einfach, weil es so eine Situation wie gerade noch nie gab in unserem Leben. Und das weckt leider Urängste, die man nicht immer sicher im Griff hat.

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Video von Justin Amaral

Ein neues Nervenkostüm statt Klopapier, bitte!

Damit es bei uns nicht so wird wie in China, wo die Scheidungen dank Corona in die Höhe geschnellt sind, hier ein paar Gedanken dazu, wie wir jetzt fair mit unserem Beziehungspartner umgehen sollten – trotz Eingesperrtsein in einer Quarantäne oder trotz der Aussicht, die meiste Zeit dieses Frühlings hinter verschlossenen Türen zu verbringen.

Auch wenn es sonst womöglich immer alles so entspannt lief, in der Beziehung: Jetzt ist es an der Zeit, vermehrt auf seine psychische Gesundheit und den Zusammenhalt mit seinen Liebsten zu achten, statt zum hamsterkaufenden Egoisten zu mutieren. Wir sollten Zusammenhalt und Optimismus statt Panik verbreiten. Denn das, war hier gerade los ist, wird leider nächste Woche noch nicht vorbei sein, sondern Durchhaltevermögen ist gefragt.

Deshalb: Auch wenn wir innerlich gestresst sind: Wir sollten das nicht an dem auslassen, der mit uns durch diese Krise marschiert, unserem Lebenspartner oder -partnerin. Und das bekommen wir alle hin – vorausgesetzt, wir beachten ein paar Dinge.

1. Seht euch als Team

In guten wie in schlechten Zeiten sagt sich so leicht. Jetzt sind genau diese schlechten Zeiten, die nicht einfach sind für alle Beteiligten. Jetzt können wir einander beweisen, dass wir es ernst meinen und dass wir ein Team sind. Versucht deshalb, euren Partner nicht als Blitzableiter zu sehen, sondern als denjenigen, der euch den Rücken stärkt und dem ihr beisteht. Und macht euch klar, was für ein Geschenk das ist.

Diese gegenseitige Hilfe und Stärke hat nämlich nicht jeder. Es gibt viele Menschen, die jetzt allein da durch müssen. Singles aber auch zum Beispiel die älteren Menschen, die, weil sie zur Risikogruppe gehören, keinen Besuch mehr bekommen. Wie mag es sich da anfühlen, ohne Kontakt zur Außenwelt zu sein? Deshalb nehmt eure Partnerschaft als das, was sie ist: ein großes Geschenk.

2. Andere Themen als Corona und andere Regeln

Auch wenn sich die Schlagzeilen gerade überschlagen und jeden Tag neue Infos, Grafiken und Zahlen auftauchen: Man darf das Thema Corona nicht ignorieren, das wäre arg dumm und fahrlässig, aber es muss auch Platz geben für andere Themen. Sonst dreht man ja irgendwann am Rad.

Deshalb bemüht euch, auch mal thematisch abzuschalten und über weniger ernste Themen zu reden. All das eben, worüber ihr früher geredet habt. Klar, man kommt weniger raus, alle Hobbies und außerhäuslichen Aktivitäten sind auf Null gefahren, aber ihr habt ja dennoch Gedanken, Interessen und vor allem: Ihr habt hoffentlich euren Humor nicht verloren.

Legt zur Not Regeln fest, dass nicht tagesfüllend über Corona geredet wird. Das hebt die Stimmung und das ist wichtig. Schließlich dauert die Quarantäne bzw. der Lockdown noch eine Weile.

3. Findet Wege, euch auszupowern

Derzeit rennen die Leute wie wild durch den Park, um sich nur irgendwie sportlich zu betätigen. Schließlich sind Fitnessstudios, Tanzschulen und Sportvereine dicht. Wer jedoch in Quarantäne ist oder in einer Stadt, in der Ausgangssperre herrscht, dem ist das leider verwehrt.

Um jedoch nicht dem Lagerkoller zu erliegen, solltet ihr auch indoor dafür sorgen, euch sinnvoll auszupowern. Das bedeutet jetzt nicht, dass ihr einen Ikea-Schrank dreimal auf- und abbauen solltet. Aber auch zuhause kann man sportlich sein. Sicherlich ist das weit weniger spannend wie mit anderen im Studio, aber tut es trotzdem. Dieses körperliche Auspowern macht euch automatisch ausgeglichener und weniger aggro.

Zudem macht ihr – egal wie eng ihr derzeit aufeinander hockt – noch mal etwas alleine für euch, ohne euren Partner. Auch das ist auch in Krisenzeiten wichtig.

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4. Sucht euch Input

Wenn sich die Unterhaltungen nur noch um fehlende Klopapierrollen und Handseife drehen, dann ändert das. Klar, wer nicht mehr rauskommt und viel erlebt, hat sich auch nicht mehr so viel zu erzählen.

Aber geistigen Input bekommt man auch anders – indem man sich informiert, sich mit anderen austauscht – anderen, die man vielleicht nicht live treffen, aber sehr wohl anrufen kann. Egal, ob Chat oder Telefonat, mit Bild oder ohne: Ich glaube, schon lange haben nicht mehr so viele Leute miteinander telefoniert wie jetzt.

Freunde, die man lange nicht gesprochen hat, einfach weil man abends immer spät von der Arbeit zuhause war oder eben noch beim Sport, beim Einkauf oder einer Verabredung. Jetzt fällt das weg und es ist mal wieder Zeit für gute Gespräche.

Deshalb: Ruft sie an, all die Herzensmenschen, mit denen ihr schon länger nicht gesprochen hat. Diese zusätzlichen sozialen Kontakte nehmen auch ein wenig die Last von den Schultern eures Partners und ihr werdet merken, dass euch diese (telefonische oder virtuelle) Nähe zu anderen Menschen gut tut.

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5. Make Love – not Stress

Wer jetzt auf Notstromaggregat umschaltet und nur noch funktioniert, statt auch mal Liebe, Zärtlichkeit und Zuneigung zuzulassen, der wäre echt dumm.

Gerade jetzt, wo wir andere nur noch mit dem Ellbogencheck begrüßen oder aus 1,5 Metern Entfernung am besten, ist es doch genial, dass wir eben einen Menschen haben, den wir immer noch antatschen, küssen und in den Arm nehmen dürfen (Es sei denn, einer von euch beiden ist an Corona erkrankt, dann natürlich nicht).

Deshalb schenkt euch die Nähe und Liebe, die in euch ist. Es gibt keinen Grund, sich jetzt wie ein Roboter durch sein Leben zu bewegen, nur weil uns ständig gesagt wird, dass überall Viren und Gefahren lauern. Seid weiterhin vorsichtig, um euch und andere zu schützen, aber relaxed da, wo ihr es dürft: Zuhause mit eurem bzw. euren Liebsten.

In diesem Sinne: Passt auf euch auf, bleibt friedlich und geschmeidig und haltet durch!

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Hilfsangebote für Notfälle

Wem die derzeitige Situation wirklich auf die Stimmung schlägt, der sollte nicht zögern, sich Hilfe zu suchen. Hier einige erste schnelle Hilfsangebote für Menschen in Not:

Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

Hilfe im Chat
Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge.
Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

Hilfe per E-Mail
Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge meldet ihr euch an und könnt eure Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in euren normalen Postfächern auf.

Wenn du unter einer Depression leidest oder Selbstmordgedanken hast, dann such dir Hilfe. Zum Beispiel über die Telefonseelsorge – die ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.