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Liebe & Psychologie

Warum wir aufhören sollten, andere ständig nach dem Kinderwunsch zu fragen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 20. Juni 2017

"Und, wann ist es bei euch soweit?" Warum diese Frage echt unmöglich ist.

Sobald man ein gewisses Alter erreicht hat und einen Partner an seiner Seite hat, ist es soweit. Plötzlich fühlen sich Krethi und Plethi dazu ermuntert, einen intimste Dinge zu fragen. Oder ist es etwa nicht eine der persönlichsten Fragen, ob und wann man Kinder haben möchte?

Es ist schlichtweg ein sehr sensibles Thema und noch dazu eins, das niemanden etwas angeht - außer das Paar selbst. Und dennoch ist das Thema Kinderwunsch für den Großteil der Frager scheinbar partytauglich und wird in regelmäßigen Abständen abgefragt, als wäre es ein ganz normales Smalltalkthema, direkt nach "Wie geht's?" und dem Wetter.

Der Sprung in einen metertiefen Fettnapf

Was sich der Fragensteller leider nicht vorher klar gemacht hat: Nicht jeder ist freiwillig kinderlos und seine Frage somit mitunter ein Sprung in einen metertiefen Fettnapf. Allein ich kenne etliche Paare, bei denen es mit dem Kinderkriegen auf natürlichem Weg lange Zeit nicht geklappt hat. Und auch einige, die ihren Wunsch trotz künstlicher Befruchtung letztlich begraben mussten. Will man so ein Paar allen Ernstes auf einer Party auf die Schulter klopfen und fragen: "Und, Nachwuchs schon unterwegs?" Wenn man Glück hat, bricht derjenige nicht direkt in Tränen aus.

Niemand kann ahnen, was er in dem Moment lostritt. Vielleicht ist der Wunsch nach einem Kind groß, aber kein Partner in Sicht. Vielleicht gibt es einen Partner, aber der will partout keine Kinder und es ist DAS große Streitthema in der Beziehung. Oder man würde gerne ein Kind bekommen, darf es aber aus gesundheitlichen Gründen nicht. Es gibt so viele Gründe - würde man sich die alle klar machen, würde man sich seine ständige Abfragerei nach dem Familienstand sicherlich sparen.

Und wenn nichts tickt?

Als Mann ist man vor dieser Art übergriffiger Fragen gefeit. Schließlich kann ein Mann auch noch mit 70 ein Kind zeugen. Als Frau hat man diese Möglichkeit aber leider nicht. Und somit wird man spätestens mit 30 darauf hingewiesen, dass doch "langsam mal die biologische Uhr ticken würde". Und was, wenn nichts tickt?

Es gibt eben auch jene, die gar keinen Kinderwunsch hegen. Auch das ist vollkommen legitim, geht nur leider nicht in die Köpfe vieler Menschen. Denn nicht jede Frau muss den Sinn ihres Lebens darin sehen, ein Kind großzuziehen. Tut ja auch nicht jeder Mann. Manche Menschen sind nicht dafür geschaffen, Kinder zu bekommen, sie sind nicht dazu bereit, sie würden an dieser Aufgabe scheitern oder schlichtweg nicht glücklich werden. Und wenn das so ist, dann sollte die Umgebung das respektieren.

Diese dummen Bemerkungen

Einzige Ausnahme: Wenn die eigenen Eltern fragen, die Geschwister und der Partner natürlich. Schließlich teilt man mit diesen Menschen auch die eigenen Ängste und Sorgen. Aber danach ist Schluss. Es ist bekanntermaßen nicht OK, dass der Chef im Bewerbungsgespräch das Thema Kinderwunsch anspricht. Es ist aber genauso nicht in Ordnung, wenn die Frauenärztin wiederholt danach fragt und vor allem, wenn sie ungefragt Folsäure verschreibt und sagt: "Jetzt sollten Sie aber mal schleunigst loslegen", sobald man die 30 überschritten hat - alles schon passiert.

Und schon gar nicht OK ist es, wenn andere entrüstet sagen: "Das ist ja ziemlich egoistisch, keine Kinder zu bekommen". Oder wenn sie "weise" Ratschläge geben wie: "Nicht lang nachdenken: Einfach machen." Denn wer ein Kind in die Welt setzt, sollte sich durchaus vorher ein paar Gedanken machen. Zum Wohle des Kindes. Schließlich übernimmt er die Verantwortung für ein Menschenleben.

Und jeder, dem die Frage nach dem Kinderkriegen dennoch auf den Lippen brennt: Trotzdem besser die Klappe halten. Man sollte seinem Gegenüber nämlich nicht absprechen, dass sie (oder er) sich nicht schon selbst Gedanken zum Thema Kinder gemacht hat. Und auf einen penetranten Fragensteller auf einer Party hat mit Sicherheit niemand gewartet, um ein Kind in die Welt zu setzen.

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