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Liebe & Psychologie

Zu nett? Warum wir das Interesse an Menschen verlieren, die uns nachlaufen

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 23. Juli 2017
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Mach dich rar, sei ein Star, heißt es so schön. Was ist dran an dem Phänomen, dass wir Menschen, die zu nett sind, weniger interessant finden als solche, die unerreichbar wirken?

Es ist leider ein altbekanntes Phänomen: Wir wollen immer das, was wir nicht haben oder bekommen können. Wer sich unnahbar gibt, den finden wir toll und anziehend. Wer uns hinterherrennt, den finden wir wiederum nicht erstrebenswert. Kranke Welt, oder?

Dabei fragt man sich ernsthaft wie ein Mensch "zu nett" sein kann. Geht sowas überhaupt? Die traurige Antwort: In Sachen Liebe ist genau das eben möglich.

Investition zeigt den Wert der Sache

Es ist unfair, aber in dem Moment, wo wir um jemanden kämpfen und Einsatz zeigen müssen, haben wir auch das Gefühl, dass der Andere uns das wert ist. Studien haben gezeigt: Wenn wir in jemanden viel investieren, dann hat das rein psychologisch den Effekt, dass wir den Wert des Anderen höher einstufen. Umgekehrt heißt das eben: Da sich die "zu Netten" von Anfang an lieb und umsorgend zeigen, wir also selbst kaum etwas investieren müssen, brennen wir nicht so sehr für sie und stufen ihren Wert niedriger ein.

Und: Wer mehr für die Beziehung tut, bindet sich auch stärker. Ganz anders für den Umworbenen: Er fühlt sich durch den eifrigen Einsatz des Anderen eher bedrängt und überrumpelt.

Keine Auszeichnung

Von jemandem sehr aufmerksam behandelt zu werden, der alle Menschen sehr nett und aufmerksam behandelt, ist nichts, was uns das Gefühl gibt, dass wir etwas besonderes sind. Er ist ja zu allen nett. Ganz anders, wenn der unnahbare Kerl nett zu uns ist. Das sehen wir als Auszeichnung und fühlen uns geschmeichelt.

Unsicherheit und Hoffnung lautet das Zaubermittel

Der US-Psychologe Paul Eastwick von der Northwestern University unternahm einen Versuch mit Probanden, die sich zu einem Date treffen sollten. Es stellte sich heraus: Die Probanden empfanden ihr Gegenüber als besonders anziehend, wenn es ihnen kein klares Signal darüber gab, ob Interesse an mehr besteht.

Es sei eben diese Mischung aus Unsicherheit und Hoffnung, so Eastwick, die uns so fasziniere. Warum? Nun, zeigt das Gegenüber nicht genau, was es will, sind wir verunsichert und das wurmt uns. Das wiederum führt dazu, dass wir uns gedanklich verstärkt mit dieser Person auseinandersetzen. Unsere Gedanken kreisen deutlich mehr um die Person als normal. Und schon ist das Interesse geweckt.

Was heißt das für uns?

Was ist also die Konsequenz? Sollen wir jetzt alle unser Pokerface aufsetzen und zu eiskalten Taktierern werden, die sich durch kühles Verhalten interessant machen? Natürlich nicht! Und bei vielen Menschen ist das auch nicht nötig, weil sie den Wert eines Menschen klar erkennen, auch wenn er sich aufgeschlossen und womöglich "zu nett" zeigt.

Natürlich gibt es die Typen, bei denen wir uns in unserem verliebten Übermut zügeln müssen. Bei denen wir zumindest am Anfang aufpassen müssen, nicht zu direkt und verliebt zu sein und bei denen wir uns mit unseren Gefühlsbekundungen zurückhalten sollten. Weil sie diese "3-Tage-Regel"-Typen sind. Die, die sich rar machen, damit du sie toll findest und das gleiche auch an dir reizvoll finden. Und wenn du deine Gefühle auspackst, gehen sie auf Abstand.

Aber mal ganz im Ernst: Das sind dann auch meist die Typen, mit denen eine Beziehung eh nicht klappt. Also macht euch nichts draus und bleibt nett und verliebt.

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