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Liebe & Psychologie

Checkliste & Kopf statt Herz: Finden wir so unseren Traumpartner?

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 3. Mai 2019

Es ist eine echt mutige These: Wir sollen unseren Kopf und nicht unser Herz entscheiden lassen, wenn es um die Liebe geht. Denn nur dank Logik und Vernunft würden wir letztlich das wahre Glück finden. Was ist dran an diesem Ansatz und führt er uns wirklich ins Liebesglück?

Es ist ja so eine Sache mit der Liebe: Es ist und bleibt ein Mysterium, warum wir uns mal Hals über Kopf in den einen verlieben - und bei dem anderen höchstens schwesterliche Gefühle aufkommen. Irgendwie ist es ja auch schön, dass sich die Forscher in der Hinsicht die Zähne ausbeißen. Und uns nicht logisch erklären können, wieso es diesen einen Menschen gibt, der uns als der beste auf dem Erdplaneten erscheint.

Das sagt die Wissenschaft zur Partnerwahl

Klar gibt es die wissenschaftliche These, dass wir uns "riechen" können müssen. Was ja bedeutet, dass wir uns von Männern angezogen fühlen, deren Immunsystem größenteils anders gestrickt ist als unser eigenes - alles dem lieben gesunden Nachwuchs zuliebe, den wir dann zeugen können. Unser Instinkt sagt uns sozusagen: "Nimm den! Der passt für unsere Fortpflanzungspläne."

Aber wenn die Natur uns in Sachen Partnerwahl angeblich so im Griff hat, warum gibt es dann immer wieder diese absoluten Fehlgriffe? Wer ständig an die Nieten gerät, der schießt doch alle wissenschaftlichen Thesen irgendwann in den Wind und denkt sich: Der Traummann muss anders zu finden sein. Nur wie?

Warum wir die Partnersuche logisch angehen müssen

Hier kommt die Psychologin und Autorin Ingrid Strobel (Ingrid Strobel: Entscheide, wen du lieben willst – In der Vernunftehe das wahre Glück finden, mvgverlag -> auf Amazon ansehen.) ins Spiel. Ihre These: Unser Kopf sollte das Sagen haben in Sachen Partnersuche - nicht unser Herz, unser Bauchgefühl oder unser Instinkt.

Die Autorin erklärt diese These: "Der Verstand sagt: 'Es hat keinen Sinn, dieser Mensch passt nicht zu mir.' Das Gefühl schreit: 'Ich will aber, dass er passt!' Dann versuchen wir, es passend zu machen und wundern uns, wenn wir dabei kläglich scheitern, weil sich das Gegenüber nicht aufs eigene Wunschbild zurechtstutzen lässt."

Die Lösung: Wir müssen uns vorher überlegen, was wir uns von unserem Partner wünschen, wie er sein sollte und wie nicht. Die Partnerwahl soll logischen Überlegungen folgen, denn - so Strobel - verlieben tun wir uns schnell, wirklich lieben jedoch ist weitaus schwerer.

Eine mögliche Checkliste für den Traumpartner

Jeder legt auf andere Dinge in einer Beziehung wert. Und diese Dinge sollten wir uns einmal notieren. Eine mögliche Checkliste laut Ingrid Strobel wäre z.B. diese hier:

Achtsamer Umgang
Akzeptanz meiner Schwächen
Bedingungslose Liebe
Ehrlichkeit
Einfühlungsvermögen
Respekt
Sexuelle Erfüllung
Streitkultur
Treue
Vertrauen
Gemeinsame Ziele
Zärtlichkeit
Zuverlässigkeit
Kinderwunsch

Natürlich wird niemand allen Punkten deiner Liste entsprechen können - und das soll er auch gar nicht. Aber sich einmal aufzuschreiben, was einem absolut wichtig bei einem Partner ist, ist keine schlechte Idee.

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Kommt die Liebe mit der Zeit?

Sollen wir uns ab jetzt gegen die Leidenschaft, die großen Gefühle, die Gefühls-Achterbahnfahrt entscheiden, für eine schnöde Kopfentscheidung? Das klingt schon ein bisschen freudlos. Und was, wenn die neue Bekanntschaft mit allen unseren Vorstellungen eines Superpartners übereinstimmt, es aber einfach nicht funkt? Abwarten und Tee trinken?

Ja und nein. Vielleicht hilft es in diesem Fall noch ein bisschen länger zu daten und sich näher kennenzulernen. Klar gibt es Männer, die uns beim ersten Treffen und beim ersten Blick in die Augen aus den Socken hauen. Aber es gibt eben auch Liebe auf den zweiten Blick. Menschen, die wir erst nach und nach in unser Herz schließen.

Schließlich, so die Autorin, geht es ja auch nicht um das Verliebtheitsgefühl, sondern um Liebe. Also das, was später kommt, wenn sich die Schmetterlinge mit den Rosa Wolken verzogen haben. Und dann macht es durchaus Sinn, ruhig und logisch zu bleiben, statt direkt die Flinte ins Korn zu werfen, nur weil uns der neue Mann nicht komplett die Sinne raubt.

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Liebe ist mehr als wilde Gefühle und Leidenschaft

Liebe ist nicht das wilde, stürmische Gefühl des Anfangs, sondern hat ganz viel mit einem entspannten, respektvollen Umgang zu tun. Das Zauberwort heißt eben, dass wir uns gut miteinander fühlen. Ständige Grabenkämpfe, wilder Versöhnungssex, kurzzeitige Trennungen und reumütiges Wiedervereinen - das alles ist spannend. Aber langfristig sind es andere Dinge, die uns glücklich machen.

Für eine dauerhafte Beziehung ist es eben so, dass gleich und gleich sich gern gesellt und der Typ zu uns passt, der Ähnliches im Leben sucht. Und schon sind wir wieder bei der Checkliste.

Deshalb sollte man sich überlegen: Würde ich mir zutrauen, mit ihm meinen Weg durchs Leben zu gehen? Mit ihm alt zu werden sogar? Wäre er jemand, auf den ich mich verlassen könnte? Und dann merkt man eben, dass zu einem super Partner mehr als glühende Leidenschaft, mega Sex und wilde Gefühle gehören, sondern auch tieferliegende Gefühle, Dinge, die leiser sind - aber dafür umso wichtiger auf lange Sicht.

Denkt mal über die These nach, wenn ihr das nächste Mal einen Mann trefft, der euch gefällt, aber nicht umhaut. Vielleicht entspricht er ja etlichen Punkten auf eurer Wunschliste.

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