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Trennungsphasen: 4 Schritte auf dem Weg in ein neues Leben

von Julia Windhövel Erstellt am 29. August 2014
© Getty Images

Gestern schien die Welt noch in Ordnung. Doch dann wird sie innerhalb von Sekunden aus den Angeln gehoben. Wer von seinem Partner verlassen wird, fühlt sich ohnmächtig und verzweifelt. Wir haben mit Diplom-Psychologe Markus Ernst über Trennungsphasen und über Hilfe für Betroffene gesprochen.

"Wahrscheinlich hat er das gar nicht so gemeint, sondern braucht einfach nur ein bisschen Zeit für sich. Abstand. Freiraum. Und dann ist alles wieder gut."

Die gute Nachricht: Dass Menschen so etwas direkt nach einer Trennung denken, ist normal. Das 'Nicht-Wahrhaben-Wollen' ist eine der typischen Trennungsphasen.

Die schlechte Nachricht: Er hat das mit der Trennung sehr wahrscheinlich genau so gemeint und es ist unwahrscheinlich, dass er "nur ein bisschen Abstand" braucht und danach alles wieder gut ist.

​"Die Trennung von einem geliebten Menschen belegt in der Rangliste belastender Lebensereignisse einen der oberen Plätze", sagt 'Parship'-Psychologe Markus Ernst. Jeder Mensch reagiert anders in so einer schwierigen Situation. Während die einen die Augen vor der Realität verschließen und, wie im Beispiel oben, einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Beziehung zu Ende ist, lassen andere es gar nicht erst zu, dass Verzweiflung die Oberhand gewinnt. "Manche Menschen benötigen Jahre, um eine Trennung zu verarbeiten, andere wiederum sind nach einem Monat wieder bereit, sich auf eine Beziehung einzulassen", sagt Markus Ernst.​

Allerdings haben Psychologen und Soziologen bei ihrer Forschungsarbeit zum Thema 'Erleben und Verhalten von Menschen bei und nach einer Trennung' festgestellt, dass ein bestimmtes Verhalten in Trennungssituationen immer wieder beobachtet werden kann. Daraus haben die Experten das Modell der vier Trennungsphasen entwickelt, das folgendermaßen aussieht:

Phase 1 der Trennungsphasen: Nicht-Wahrhaben-Wollen

"Charakteristisch für diesen Zeitabschnitt ist das Leugnen des Geschehenen", sagt Markus Ernst. Die Trennung werde so gut wie möglich ignoriert und nicht selten komme es zu dem Versuch, den Partner zurückzugewinnen. Mit anderen Personen aus dem Umfeld werde eher noch nicht über die eigenen Gefühle gesprochen.

Phase 2 der Trennungsphasen: Aufbrechende Gefühle

In dieser Phase macht sich Verzweiflung breit. "Die Dimension der Trennung wird dem Betroffenen nach und nach klar", sagt Markus Ernst. "Typisch für diese Phase sind Gedanken wie 'Ich werde nie wieder glücklich sein' oder 'Ich bin Schuld, dass die Beziehung zerbrochen ist!'"

Phase 3 der Trennungsphasen: Neuorientierung

Nach dem Durchleben der zweiten Phase wird der Blick wieder mehr nach vorne gerichtet. Bei dieser Neuorientierung suchen die Betroffenen verstärkt den Kontakt nach außen und beginnen, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. "Die Gedanken an den Ex-Partner nehmen in dieser Phase ab", so Markus Ernst.

Phase 4 der Trennungsphasen: Erstellung neuer Lebenskonzepte

Am Ende der Trennungsphasen, also in der vierten Phase, ist es den Betroffenen endlich möglich, mit Abstand auf die vergangene Beziehung zu blicken. "Die Gründe für das Scheitern können jetzt objektiv erfasst werden, gleichzeitig gewinnt man an Selbstvertrauen", sagt Markus Ernst. Die Bereitschaft und die Offenheit für eine neue Partnerschaft seien nun auch wieder vorhanden.



Aber: Dieses Trennungsphasen sollten keinesfalls als festes Prinzip verstanden werden. Jeder Mensch reagiert anders und die Übergänge können fließend sein. "Trauer", sagt Markus Ernst, "muss nicht immer nach dem gleichen Schema ablaufen." Die Verarbeitung einer Trennung ist von sehr vielen Faktoren abhängig: Wie intensiv war die emotionale Bindung? Wie lange hat die Partnerschaft gedauert? Wie groß ist der Kreis meiner Bezugspersonen? "Je nachdem wird auch der Prozess der Trennungsverarbeitung sehr unterschiedlich verlaufen."

Wer während der einzelnen Trennungsphasen über einen längeren Zeitraum das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten und mit der Situation nicht allein fertig zu werden, sollte sich professionelle Hilfe holen. "Ein wichtiges Signal ist es, wenn Trauer und negative Gedanken die berufliche Leistung beeinträchtigen oder Alltagspflichten nicht mehr nachgekommen werden kann", sagt Markus Ernst. "Umgehend Hilfe holen sollte man sich, wenn man Selbstmordgedanken hegt und dauerhaft den Sinn des Lebens infrage stellt."​

Schnelle Hilfe gibt es zum Beispiel hier:

  • 'TelefonSeelsorge', bundesweit organisiert (kostenfrei und rund um die Uhr): 0800 - 111 0 111 oder 0800 - 111 0 222
  • ​Per Mail oder Chat: www.telefonseelsorge.de

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