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"Ich habe mein Aussehen gehasst": YouTube-Star NikkieTutorials im Interview

von Sophia Karlsson Veröffentlicht am 27. Juli 2019

Millionen Fans feiern ihre krassen Make-up-Verwandlungen im Netz. Doch hinter der Fassade ihrer Beauty-Videos war Nikkie de Jager ein unsicherer Teenager, der mit seinem Aussehen auf Kriegsfuß stand. Wir haben die Youtuberin zum Interview getroffen.

Schön, authentisch und mega talentiert: YouTube-Star Nikkie de Jager, alias "Nikkie Tutorials" begeistert mehr als 12 Millionen Follower mit ihren Beauty-Videos. Geliebt wird die Niederländerin vor allem für ihre Make-up-Tutorials, in denen sie ihren Look Step-by-Step so extrem verändert, dass man sie kaum wiedererkennt. Der Hype um die 25-Jährige hat selbst Superstars wie Kim Kardashian und Drew Berrymore erreicht, die bereits für Nikkies Vorher-Nacher-Videos Modell gestanden haben.

Doch so stark und sicher, wie Nikkie sich in ihren YouTube-Videos zeigt, war sie nicht immer. Wir haben Nikkie im Rahmen einer Shop-Eröffnung von Sephora in Köln getroffen und mit ihr über die Bedeutung von Selbstwahrnehmung, Selbstakzeptanz und natürlich Make-up gesprochen.

"Wer Make-up liebt, trägt es nicht, um von der Gesellschaft anerkannt zu werden."

Warum bedeutet Make-up zu tragen nicht, seine natürliche Schönheit zu verstecken?

Ich denke, dass Leute, die Make-up nicht mögen, es eben genau so sehen. Und glauben, Make-up verstecke nur das natürliche Aussehen. Was ich mir wünsche, ist, dass mehr Menschen Make-up einfach als etwas sehen, das unser Selbstbewusstsein pusht. Als Leidenschaft. Und als eine Form von Kunst.

Wer Make-up liebt, trägt es nicht, um von der Gesellschaft anerkannt zu werden oder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Man macht es, weil man sich selbst liebt. Ich persönlich fühle mich durch Schminke stärker. Mit Make-up entdeckt man eine ganz neue Seite an sich, die man davor vielleicht noch gar nicht kannte.

Body-Make-up ist gerade in. Setzt dieser Trend junge Frauen nicht unter Druck, weil sie glauben, dass alles an ihrem Körper perfekt sein muss?

Nicht unbedingt. Wer Probleme mit seiner Haut hat, die er nicht zeigen will, für den kann es die perfekte Lösung sein. Ich habe zum Beispiel mit Rötungen zu kämpfen und habe mich riesig gefreut, dass es endlich etwas gibt, mit dem ich die roten Flecken abdecken kann. Aber eben nur dann, wenn ich es will.

Am Ende des Tages entscheidet doch jeder für sich selbst, ob und was er an Make-up tragen will. Es ist toll für alle, die sich damit wohler fühlen, aber niemand wird dazu gezwungen.

Was würdest du zu Frauen sagen, die sich nicht ohne Make-up aus dem Haus trauen?

Als ich jünger war, habe ich ganz genauso gedacht. Wenn meine Mutter mich mit 17 gefragt hätte, ob ich auf der anderen Straßenseite beim Bäcker Brötchen holen könnte, hätte ich gesagt: "Ja, klar! Gib mir nur anderthalb Stunden, damit ich mich vorher schminken kann." Das hat vermutlich einfach mit dem Alter zu tun. Mit der Zeit sieht man das auf einmal entspannter.

"Ich habe mein Aussehen gehasst."

Wie hat sich dein Selbstbild in den letzten Jahren verändert?

Sehr viel auf jeden Fall! Ich habe meinen YouTube-Kanal mit 14 gestartet und für mich ist es schon lustig, wenn ich mir heute meine allerersten Make-up-Tutorials ansehe. Damals habe ich mich in meinen Videos nämlich ganz anders gezeigt, als ich in Wirklichkeit war. Auf meinem Kanal war ich die selbstbewusste, starke Make-up-Liebhaberin, die anderen ihre Looks beibringt. Aber im echten Leben war ich super unsicher und ich habe mein Aussehen gehasst.

Irgendwann ist mir das selbst aufgefallen, und ich habe mich gefragt, warum ich nicht einfach diese starke Person aus meinen Videos sein kann. Von da an habe ich mich auf einmal in einem ganz anderen Licht gesehen. Ich wollte privat genauso zufrieden und selbstbewusst sein, wie die Nikkie aus dem Internet. Und ich habe angefangen, mich weiterzuentwickeln und meine Unsicherheit abzuschütteln.

Gibt es einen Make-up-Trend, mit dem du nichts anfangen kannst?

Nicht wirklich! Aber klar, Geschmäcker sind verschieden und jeder hat andere Make-up-Vorlieben. Ich bin mit schwarzem Lippenstift vorsichtig, weil meine Haut so blass wie Papier ist. Das sieht dann gleich so super dramatisch aus. Doch im Grunde finde ich alle Trends derzeit toll.

Auch Lipliner, der gerade aus den Nineties wieder zurückkommt. Bei eisblauem Lidschatten würde ich aber wahrscheinlich passen, den können wir von mir aus für immer in die 90er verbannen.

Was ist deiner Meinung nach der größte Make-up-Fehler, den fast alle Frauen machen?

Solange man mit seinem Look selbst zufrieden ist, ist alles fein! Allerdings gab es in meiner Schule ein Mädchen mit sehr langen, verklumpten Wimpern. Mit jedem Tag sahen ihre Wimpern dicker und klumpiger aus.

Da habe ich sie gefragt: "Was ist da los? Was machst du mit deinen Wimpern?" Und sie antwortete mir: "Ich schminke meine Augen nur einmal in der Woche ab." Ich wollte wissen, was sie in der Zwischenzeit macht und sie erklärte mir: "Da trag ich einfach eine neue Schicht Mascara über die andere."

Das schreit nach einer Augenentzündung, oder? Deshalb, Mädels: Bitte immer brav abends vor dem Schlafengehen abschminken.

Du bist aktuell Markenbotschafterin von Marc Jacobs Beauty. Welches ist dein Lieblingsprodukt aus der aktuellen Kollektion?

Ich liebe den 'Cream & Sugar' Lipgloss! Er hat einen wunderschönen champagnerfarbenen Schimmer und kann sowohl allein, als auch über dem Lippenstift getragen werden.

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