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Paula Lambert über den Schönheitswahn: "Körperfett stellt einen Schutz für die Seele dar"

von Nadine Jungbluth Veröffentlicht am 15. Oktober 2014
© Paula Lambert

Sex-Expertin und Buchautorin Paula Lambert (40) spricht ganz offen über Figurprobleme, Selbstzweifel und falschen Schönheitswahn. Und sie verrät, was eine Frau WIRKLICH sexy macht.

Warum sind so viele Frauen so unzufrieden mit ihrem Körper? Und wie können wir das endlich ändern? Paula Lambert hat sich genau diese Frage gestellt und ein Projekt gestartet, das Frauen (und Männern) helfen soll, sich endlich wohlzufühlen in ihrer Haut. Wir haben mit Paula über ihre Kampagne gesprochen.



gofeminin: Was genau ist das Projekt #paulaliebtdich?

Paula Lambert: #paulaliebtdich ist eine Kampagne mit dem Ziel, Menschen zu mehr Selbstliebe und einem gesunden Körpergefühl zu verhelfen. Durch die Resonanz weiß ich, dass es höchste Zeit ist. Ich schließe mich da selbst nicht aus. Mangelnde Selbstliebe wirkt sich ja auf jeden Lebensbereich aus: Partnerschaft, Sexualität, Job und vor allem, wie ich mit mir selbst umgehe, wie ich mich fühle. Mein Ziel ist es, dass die Menschen lernen, Glück mit sich selbst zu empfinden und so in der Lage sind, ein gelungenes Leben zu führen.


Was hat dich zu der Kampagne bewogen?

Ein Video, das ich gesehen habe, in dem es um Selbstzweifel ging. Ich war sehr bewegt davon. Und als ich das Thema auf meiner Facebook-Seite angesprochen habe, war das Feedback riesig! Offenbar leiden sehr viele Menschen unter einer schlechten Beziehung zu sich selbst.


Welche Erfahrungen hast du bis jetzt gesammelt?

Das alles ist eigentlich sehr überraschend für mich. Wie groß die Sprachlosigkeit bei diesem Thema ist, wie sehr die Menschen darunter leiden und wie stark das inzwischen auch Männer betrifft. Ich habe viele Zuschriften von Männern bekommen - die sich allerdings in der Öffentlichkeit bislang sehr zurückhalten.


Wie sind die Reaktionen?

Durchweg positiv, bis vielleicht auf ein paar dumme Kommentare wie "Sollen jetzt alle dick werden, oder was?" Es geht überhaupt nicht um dick oder dünn. Auch sehr schlanke Menschen leiden, wenn sie sich selbst überhaupt nicht annehmen können. Der Körper ist ja immer nur das Symptom. Die wirklichen Probleme sitzen viel tiefer.

Was glaubst du, ist der Grund, weshalb Frauen so selbstkritisch mit sich sind?

Ich glaube, das liegt zum großen Teil daran, dass Frauen immer noch hauptsächlich über ihr Äußeres bewertet werden. Um gesellschaftlich akzeptiert zu werden, muss oder sollte eine Frau bestimmte Standards erfüllen. Das Schlimme ist, dass es bei den Männern inzwischen auch schon anfängt. Er ist zu breit, zu dünn, zu dick, irgendwie nicht gut. Und bei Frauen erst recht. Ich gebe zu bedenken, dass zu viel Körperfett nahezu immer einen Schutz für die Seele darstellt. Genauso wie der Mangel daran.


Im Fernsehen machst du immer einen sehr selbstbewussten Eindruck und wirkst sehr zufrieden mit dir – ist das nur eine Fassade?

Nein, aber dahin zu kommen, war ein langer Kampf. Ganz zweifelsfrei bin ich bis heute nicht. Doch ich arbeite daran!


Hat sich dein Verhältnis zum eigenen Körper verändert, je älter du geworden bist?

Naja, die Endlichkeit des Lebens wird einem schon irgendwann klar. Der Mensch welkt eben. Seelisch finde ich das Älterwerden toll, aber dass der Körper nicht mehr so leistungsfähig ist wie mit Anfang 20, das nervt mich an manchen Tagen. Meine Knie zwicken und ich fürchte, ich brauche bald eine Lesebrille.


Die Medien vermitteln uns oft das Gefühl, dass nur derjenige schön ist, der jung, schlank und makellos ist. Was bedeutet Schönheit für dich?

Es sind nicht nur die Medien. Auch Freunde, Familie oder Kollegen bestimmen, ob ein Mensch sich angenommen fühlt oder nicht. Schönheit ist immer das Strahlen des Lebens. Ich kenne äußerlich wunderschöne Menschen, deren Seele aber so langweilig oder numb ist, dass sie nach einiger Betrachtung einfach hässlich werden. Dann kenne ich Menschen, die aussehen wie Höhlentrolle, aber so wundervoll sind, dass sie für mich die schönsten Menschen der Welt werden. Alles, was mit Liebe betrachtet wird, ist schön. Aber natürlich gucke ich auch gerne Filmstars an und freue mich an ihrer oberflächlichen Eleganz. Gegen Ideale ist nichts zu sagen, nur gegen den Perfektionswahn, der Überhand genommen hat. Grundsätzlich finde ich, dass man das Beste aus sich herausholen sollte. Aber nicht für die anderen, sondern für sich selbst!

Du bist auch als Sex-Expertin bekannt. Was sind deine Erfahrungen – wie sehr spielt das Äußere beim Sex eine Rolle? Was macht eine Frau sexy?

Die innere Haltung macht eine Frau sexy. Männern fällt die eigentliche Figur einer Frau viel seltener auf, als Frauen denken. Abgesehen von den Männern natürlich, die eine Frau nur als Statussymbol haben wollen. Die achten auf nichts anderes als das Äußere.


Was planst du als nächstes?

Zunächst werde ich die Bewegung noch bekannter machen. Dann biete ich Hilfsangebote, Wohlfühlprogramme und den Weg zur inneren Gesundung an. Mit glücklichen Menschen wird die Welt ein besserer Ort. Okay, das klingt jetzt sehr einfach. Aber es ist doch so! Wer sich lieben gelernt hat, führt bessere Beziehungen, hat den schöneren Sex und einen Job, der ihn ausfüllt. Das wünsche ich jedem.

Ehrliche Worte gibt es auch im Video zur Kampagne #paulaliebtdich

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von Nadine Jungbluth