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20 Jahre gofeminin & Empowerment: Sind wir eigentlich weitergekommen?

von Fiona Rohde Erstellt am 09.11.21 um 09:25
20 Jahre gofeminin & Empowerment: Sind wir eigentlich weitergekommen? © Getty Images

gofeminin begleitet Frauen seit nunmehr 20 Jahren. Wir haben uns in all den Jahren weiterentwickelt. Wir haben alte Denkweisen revidiert und etliche Schubladen über Bord geschmissen. Aber wir müssen uns dennoch fragen: Hat es was gebracht? Sind wir Frauen wirklich da, wo wir sein wollen, im Jahr 2021?

Video von Aischa Butt

Eine wirkliche Gleichberechtigung ist leider immer noch ein nicht erreichtes Ziel. Hier bei uns in Deutschland und Europa, aber natürlich vor allem, wenn man weltweit schaut. Das hat auch unsere Umfrage recht klar und erschreckend gezeigt: 60 Prozent der gofeminin-User*innen sagten, die alten Klischees hätten sich ein wenig, aber nicht genug geändert, 5 % sehen sogar gar keine Veränderung. Somit äußern 65 % der Frauen Kritik an den derzeitigen Rollenmustern in unserer Gesellschaft.

Den Kopf jetzt in den Sand zu stecken wäre allerdings nicht unser Ding. gofeminin bemüht sich seit nunmehr 20 Jahren darum, Frauen zu unterstützen, sie selbstbewusster und stärker zu machen. Die Tatsache, dass es noch immer viel im Sinne von Empowerment und Gleichberechtigung zu tun gibt, spornt uns eher noch mehr an bei unserer täglichen Arbeit.

Denn natürlich gibt es auch Erfolge zu vermerken: Es hat sich sehr wohl etwas getan, wenn es um Diversität und Toleranz geht. Und das ist der Verdienst von allen, die sich für andere starkmachen. Allen, die die Überzeugung haben, dass man jedem Menschen vorurteilsfrei begegnen sollte und die Andersartigkeit anerkennen und als Bereicherung sehen.

20 Jahre gofeminin: Wir haben nicht ausgelernt

Neben vielen anderen sind auch wir hier bei gofeminin diesen Weg gegangen und können durchaus sagen, dass sich Dinge zum Positiven geändert haben. gofeminin wurde vor 20 Jahren von einer Frau gegründet, die während ihrer Schwangerschaft keine Informationen im Internet finden konnte. Es gab einfach keine Webseiten, die sich an Frauen richteten. gofeminin begann als Community, in der Frauen sich austauschen konnten. Später wurde daraus ein Frauenportal, das sich um Mode, Beauty, Ernährung, Fitness, Familie und Beziehung drehte. Das sind wir auch heute noch – doch wir sind noch viel mehr.

Wir wollen Frauen inspirieren, ihnen Denkanstöße geben und Hilfestellungen für den Alltag, um den Kopf und den Terminplan freizuhaben für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Und natürlich sind wir nicht allein, wenn wir für Empowerment sind. Und das ist gut so. In vielen Medien hat sich mittlerweile die Sprache gewandelt, nimmt Rücksicht auf kleine, aber feine Unterschiede ebenso wie auf eklatante. Es gibt das Gender-Sternchen und mehr Sensibilität in den Medien heute. Auch wenn der Streit darüber groß ist, ob gendern nötig, unnötig oder sogar ärgerlich ist: Er ist wichtig. Weil eine Diskussion über ein Thema Dinge zur Sprache bringt und eine Debatte anregt, die in dem Fall mehr als überfällig war. Oder hat es euch erfreut, immer nur „mitgemeint“ zu sein?

Was uns täglich bei unserer Arbeit antreibt

Genau deshalb haben wir uns auch von einer heteronormativen Denkweise verabschiedet. Unsere Beziehungsthemen z.B. sind nicht nur mehr für Paare, die aus Mann und Frau bestehen, sondern für jeden, der liebt. Unser Denken reduziert sich nicht auf Klischees und Geschlechterrollen und auf zwei Geschlechter.

Wir erklären nicht, was man tun sollte, um der Norm zu entsprechen, also genormt schön zu sein, genormt schlank, genormt gestylt. Wir geben Tipps, wie man es schafft, sich in seiner Haut wohlzufühlen. Und wie genau das aussieht, entscheiden unsere User*innen ganz allein für sich. Wir versuchen aufzuklären über Themen, die junge Menschen heute beschäftigen, sei es der Kinderwunsch, Karrierefragen oder wichtige Bewegungen wie #metoo und #BlackLivesMatter. Wir sind uns unserer Vorbildfunktion hier sehr bewusst.

Glücklicherweise hat sich in Bezug auf Toleranz und Achtsamkeit einiges in unserer Gesellschaft getan. Heute wächst eine Jugend heran, für die kein Umdenken mehr nötig ist, sondern die bereits mit den Gedanken an Diversität und neue Rollenmuster aufwächst. Denen Themen wie Nachhaltigkeit und Klimawandel am Herzen liegen. Die insgesamt einen scharfen Blick haben.

Hier zu begleiten und mitzugestalten, das ist unser Anliegen und Antrieb. Schaffen wir das immer so perfekt, wie wir uns das wünschen? Nun, ganz sicher nicht. Auf gofeminin.de ist nicht alles perfekt, aber wir lernen und wachsen daran. Und mit Sicherheit haben sich in 20 Jahren etliche „Leichen“ angesammelt, die noch unentdeckt vor sich hin schlummern. Inhalte, die heute nicht mehr zu uns passen. Aber wir arbeiten daran, diesen Content nach und nach aufzuspüren und zu überarbeiten.

Empowerment: Weil Selbst-Liebe nicht selbstverständlich ist

Dass es wichtig ist, Menschen zu empowern, egal welchen Geschlechts und welchen Alters, zeigt sich immer wieder. Wie sehr sind wir doch noch alle gefangen in Ansprüchen, die andere oder wir selbst an uns stellen. Wie hart wir selbst mit uns ins Gericht gehen, zeigte auch das Ergebnis einer Befragung an euch. Wir wollten, dass ihr auf einer Skala von 1 (wenige Selbstbewusstsein) und 100 (viel Selbstbewusstsein) angebt, wie ihr euer Selbstbewusstsein einschätzt. Hier kam ein Mittelwert von lediglich 67 von 100 raus. Nur 5 % gaben sich mit 100 Prozent die volle Punktzahl. Jede Fünfte gab sich nur 50 Punkte und weniger.

Das zeigt: Empowerment ist immer noch enorm wichtig. Die wenigsten Menschen sind mit großem Selbstbewusstsein gesegnet, viel zu viele kennen ihre eigenen Stärken nicht und lieben sich nicht so, wie sie es eigentlich sollten. Stattdessen sind wir gefangen in einem Hamsterrad aus Ansprüchen, Anforderungen und falschen Erwartungen an uns selbst.

Sei einfach du selbst, liebe dich und fühl dich gut. Mach Karriere, verwirkliche dich, geh nicht den ausgetretenen Weg. Sei, was du willst. Grundsätzlich alles schön und lobenswert, aber wie immer ist es eine Frage des Maßes. Denn wenn der Wunsch nach Selbstoptimierung und Eigenbestimmung überhandnimmt, wird aus dem guten Gedanken schnell ein ungesunder Druck, den wir uns selbst machen.

Bei unserer Arbeit setzen wir allerdings längst nicht mehr nur auf Female Empowerment, sondern auf – nennen wir es mal so – Human Empowerment. Jeder Mensch, egal ob weiblich, männlich oder divers, soll gestärkt werden. Das und nicht weniger ist zumindest unser Anspruch.

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