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Zeichnungen: Bilder der Seele

von der Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008
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Haben Sie sich auch schon einmal dabei ertappt, wie Sie bei Telefongesprächen, in Sitzungen oder Vorlesungen vor sich hin gekritzelt haben? Mal Spiralen, mal Sterne, Fantasiefiguren und Portraits, alles ist vertreten. Eine Analyse dieser Zeichnungen kann Interessantes zutage bringen, selbst wenn Sie sie für noch so klein und unbedeutend halten. Der Grund dafür: Wenn wir „so nebenbei“ zeichnen, spricht unser Unterbewusstsein, während unser Bewusstsein mit etwas anderem, zum Beispiel Zuhören, beschäftigt ist. Graphologen, also Menschen, die sich mit dem individuellen Schriftbild eines Menschen beschäftigen, sind in der Lage, die Zeichnungen zu analysieren und aufgrund dieser Zeichnungen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit eines Menschen zu ziehen.

Was wird bei Zeichnungen analysiert?

Beim Kritzeln geschieht genau das, was bei einer bewussten Zeichnung nicht unbedingt erreicht wird: Das Fenster zur Seele öffnet sich. Im Gegensatz zum Gestalten einer bewussten Zeichnung entspringen diese Kritzeleien dem Unterbewusstsein und genau das macht diese Zeichnungen so wertvoll für eine Analyse. Entscheidend bei dieser Kritzelei sind nicht die technische Finesse, mit der sie ausgeführt wurde oder die Zeichenutensilien, die zur Verfügung standen. Was zählt ist lediglich der abgebildete Gegenstand.

Was verrät die Analyse von Zeichnungen?

Bestimmte Motive in Zeichnungen lassen durchaus Rückschlüsse auf das Innenleben des Zeichnenden zu. Ein Optimist, der sich gerne seinen Tagträumen hingibt, holt sich beispielsweise die Sterne vom Himmel, indem er sie zeichnet. Eine Vorliebe für spitze, zackige Muster deutet auf einen Menschen hin, der seine Freiheit schätzt und Bevormundung jeglicher Art ablehnt. Gleichwohl schlummert in ihm eine latente Aggressivität. Wer Leitern und Pfeile bevorzugt, zeigt ganz klar an, welchen Weg er bevorzugt: Den nach oben. Hinter diesen Zeichnungen stecken sehr ehrgeizige Charaktere, die nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen.

Von Blümchen und Spiralen

Blumenmuster in Zeichnungen werden von all jenen bevorzugt, die sich gut in eine Gruppe integrieren können und die Geselligkeit schätzen. Ein humorvoller und geselliger Zeitgenosse verbirgt sich gleichfalls hinter Portraitzeichnungen. Besonnene Denker mit einem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis bevorzugen geometrische Muster. Wer tendenziell sehr ruhig und ängstlich ist, zeichnet runde oder kreisförmige Muster wie Spiralen oder Kurven.

Zeichnungen Anderer analysieren

Es ist durchaus unterhaltsam, seine eigenen kleinen Kunstwerke einer spielerischen Analyse zu unterziehen. Nicht ratsam ist es allerdings, diese analytische Betrachtung auf Kritzeleien oder Zeichnungen von Anderen anzuwenden. Es ist wenig Erfolg versprechend, etwas in die Zeichnung eines unbekannten Urhebers hineinzuinterpretieren, womöglich ohne zu wissen, in welcher Verfassung er sich gerade befand. Dies sollte einem erfahrenen Therapeuten vorbehalten bleiben. Der weiß nämlich, dass die halbwegs zuverlässige Analyse einer Zeichnung nur möglich ist, wenn sie mit weiteren Zeichnungen verglichen werden kann. Gleichwohl ist es hilfreich, sich mit dem Urheber der Zeichnung zu unterhalten und seine Beweggründe näher zu erforschen. Also: Keine Bange, wenn der Partner gedankenverloren eine Südseeinsel nach der nächsten zeichnet. Er muss sich deshalb nicht gleich mit Fluchtgedanken tragen. Vielleicht ist er einfach nur urlaubsreif.

Eine Zeichnung als Hilferuf der Seele

Was ist, wenn zwanghaft immer wieder die gleichen Motive gemalt werden? Nicht nur lustige, kleine Kritzeleien entstehen, sondern düstere Zeichnungen? Die möglicherweise sogar bedrohlich wirken? Wer selber immer wieder den Drang verspürt, bestimmte Zeichnungen anzufertigen, sollte seiner inneren Stimme Gehör schenken. Gibt es etwas, das sich wie ein Schatten auf die Seele legt? Vielleicht sogar das alltägliche Leben beeinflusst?

Ein behutsames Erforschen der Motivation, die diesen Zeichnungen zugrunde liegt, ist ratsam. Vielleicht mit der Hilfe eines Vertrauten, der sehr gut zuhören kann. Oft ist in einer schwierigen Situation der Blick für das Wesentliche versperrt und erst einer neutralen Person gelingt es, genau die Hilfestellung zu geben, die zu einer Änderung des Blickwinkels führt.

Was ist, wenn Angehörige oder Freunde immer wieder Zeichnungen anfertigen, die für einen Außenstehenden bedrohlich und trübsinnig wirken? In dieser Situation ist größtes Fingerspitzengefühl nötig. Die verlässliche Analyse einer Zeichnung ist für einen Laien schier unmöglich! Berücksichtigt werden darf keinesfalls nur das Gezeichnete. Andere Aspekte müssen unbedingt miteinbezogen werden: Wie verhält sich die Person im Alltag? Ist sie fröhlich? Benimmt sie sich so wie immer? Oder zieht sie sich zurück, wirkt melancholisch oder aggressiv?

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Zuerst durch eine behutsame Kontaktaufnahme und einfühlsames Zuhören. Spitzt sich die Situation zu, sollte ein Therapeut zu Rate gezogen werden, dem im Rahmen des Gesprächs auch die angefertigten Zeichnungen vorgelegt werden können. Vielleicht stellt es sich heraus, dass die Zeichnungen lediglich dem Stressabbau dienten und völlig harmlos sind.

von der Redaktion

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