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Sexualität darf kein Gossip sein: Warum Coming-outs "out" sind

von Busenfreundin Erstellt am 30. Dezember 2020
Sexualität darf kein Gossip sein: Warum Coming-outs "out" sind© Getty Images

Vor einigen Tagen outete sich Schauspieler Jannik Schümann. Ricarda Hofmann beschäftigt sich deshalb mit der Frage: Braucht es heutzutage überhaupt noch ein Coming-out?

Ein Bild, ein schwarzes Herz-Emoji – das war’s. Als der Schauspieler Jannik Schümann vor einigen Tagen das erste Mal ein Bild von seinem Partner und ihm postete, griffen es die Boulevard-Medien auf, als wäre er zusätzlich auf dem Mond gelandet. Das, was selbstverständlich sein sollte, ist offenbar immer noch ein Klick-Garant.

In den vergangenen Tagen stellte ich mir die Frage: "Braucht es heutzutage überhaupt noch ein Coming-out?" Und falls ja, sollte man den offenen Umgang der eigenen Sexualität oder Identität überhaupt noch als "Coming-out" bezeichnen?

"Outing" ist nicht gleich "Coming-out"

Aber lasst uns einen Schritt zurück gehen. "Coming-out" und "Outing" werden oft in einem Atemzug genannt und stehen insbesondere für das Öffentlichmachen der eigenen sexuellen Orientierung. Dennoch sind die Begriffe auch sehr verschieden.

Während "Coming-out" durch einen selbst erfolgt (hier kann man wiederum zwischen dem inneren und äußeren Coming-out unterscheiden), wird "Outing" laut Definition durch einen Dritten – meistens ohne vorherige Erlaubnis – vorgenommen.

Der "Outing"-Begriff etablierte sich übrigens in den 1990er Jahren im deutschen Sprachgebrauch. Also vor über 30 (!) Jahren. 1991 outete der Filmemacher Rosa von Praunheim beispielsweise den Moderator Alfred Biolek sowie den Comedian Hape Kerkeling in der RTL-plus-Sendung "Explosiv – Der heiße Stuhl" öffentlich als homosexuell.

In den USA wurden Jodie Foster und Boy George öffentlich geoutet. Auf perverse Art und Weise war das Ziel des Outings einer prominenten Person, das Thema zu enttabuisieren und Vorbilder zu schaffen.

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Wir sollten nicht das Konzept, aber die Begrifflichkeit hinterfragen

Ich denke, dass wir uns heutzutage einig sind, dass Fremd-Outings – so wie es bei Biolek und Kerkeling der Fall war – ein absolutes No-Go darstellen. Jeder Mensch sollte selbst entscheiden, ob, wann und wo die öffentliche Thematisierung der eigenen Sexualität stattfinden sollte.

Was ist aber mit dem Coming-out? Ich finde nicht, dass man das Konzept eines Coming-outs in Frage stellen sollte, sondern vielmehr die Begrifflichkeit.

Neugierig, wie es weitergeht?
Lest hier die ganze Kolumne auf busenfreundin-magazin.de!

Unsere Gastautorin Ricarda Hofmann
ist Podcasterin und Comedy-Autorin. Ihr Podcast "Busenfreundin" ist der reichweitenstärkste LGBTIQ-Podcast für Frauen in Deutschland. Wöchentlich führt sie hier emotionale und unterhaltsame Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten.