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Der Psychoanalytiker

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 21. November 2007
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Psychoanalyse ist die Wissenschaft von unbewussten Vorgängen im Seelenleben. Sie ist aber auch eine psychotherapeutische Methode, eine klinisch-psychologische Theorie und eine darauf aufbauende allgemeine psychologische Theorie.
Ihr Begründer, Sigmund Freud, definierte die Psychoanalyse selbst wie folgt: "Psychoanalyse
ist der Name erstens eines Verfahrens zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche sonst kaum zugänglich sind, zweitens einer Behandlungsmethode neurotischer Störungen, die sich auf diese Untersuchung gründen, drittens eine Reihe von psychologischen, auf solchem Wege gewonnenen Einsichten, die allmählich zu einer neuen wissenschaftlichen Disziplin zusammenwachsen
" (Freud 1923)

Die Ausbildung
Ein Psychoanalytiker ist ein ein Arzt, Psychologe oder Psychotherapeut, der sich in seiner Vorgehensweise am Konzept des Begründers der Psychoana-lyse, Sigmund Freud, orientiert.
Es gibt keine direkte Ausbildung zum Psychoanalytiker und daher auch kein staatliches Diplom als "Psychoanalytiker": Entweder man spezialisiert sich während des Studiums auf das Fachgebiet Psychoanalyse oder man wählt im Anschluss an ein abgeschlossenes Hochschulstudium eine Weiterbildung zum Psychoanalytiker, die auch berufsbegleitend durchgeführt werden kann. Die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) e.V. legt allerdings folgende Aufnahmebedingungen für die Teilnahme an einem Weiterbildungsseminar fest:
- Man muss eine Approbation als Arzt oder ein Diplom als Psychologe vorweisen können.
- Man muss den studierten Beruf mindestens 2 Jahre ausgeübt haben.
Mit der Ausbildung erwirbt man den Titel als Psychoanalytiker und kann sich einer Schule zuordnen (Freud, Jung, Lacan...).

Bei welchen Beschwerden geht man zum Psychoanalytiker?
Sie möchten mehr über sich selbst erfahren? Sie möchten Ihre Vergangenheit aufarbeiten? Sie möchten sich selbst beobachten? Dann könnte sich für Sie die Psychoanalyse als interessant erweisen.
Diese von Sigmund Freud, Carl G.Jung und Jacques Lacan gegründete Methode hilft Ihnen, Ihr Unterbewusstsein zu erkunden um die tieferliegenden Ursachen für Ihre aktuellen Beschwerden und Neurosen aufzudecken. Die Psychoanalyse ist besonders bei familiären Problemen und Angstzuständen erfolgreich. Wenn Sie allerdings unter Depressionen leiden, eine schwierige Lebensphase bewältigen oder ein präzises Problem lösen möchten kann Ihnen der Psychoanalytiker nicht helfen, denn die Heilung gehört nicht zu seinen Aufgaben. Wenn Sie sich auf eine Psychoanalyse einlassen möchten, sollten Sie vorher wissen, dass es sich um einen sehr langen, anstrengenden und schmerzlichen Prozess handelt. Labile Personen sollten davon Abstand nehmen.

Die Behandlungsmethoden
Sie haben es sicher schon geahnt: Ja, beim Psychoanalytiker legt man sich auf das berühmt berüchtigte Sofa. Denn die liegende Position soll angeblich die Entspannung und die Gelöstheit begünstigen. Diese Position wird von manchen Personen als unangenehm empfunden, aber man muss sich zum Glück immer systematisch aufs Sofa legen: Der Psychoanalytiker schlägt auch manchmal vor, sich zum Gespräch gegenüber zu sitzen.
Liegt der Patient auf dem Sofa, sitzt der Psychoanalytiker neben oder hinter ihm und fordert ihn dazu auf, seine Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und andere Fantasien frei auszudrücken. Währenddessen greift der Analytiker kaum ein. Er beschränkt sich darauf, den Patienten bei der Entdeckung des Unterbewusstseins zu leiten und betont dabei die Aspekte, die ihm wichtig erscheinen. Diesen Vorgang nennt man Übertragung: Der Patient projiziert eigene Beziehungserlebnisse auf den Analytiker. Die Antwort auf die Probleme liegt aber nicht beim Analytiker, sondern beim Patienten selbst. Eine psychoanalytische Therapie kann Jahre dauern, bis der Psychoanalytiker im Einvernehmen mit dem Patienten beschließt, die Sitzungen zu beenden. In der Regel werden ein bis zwei Behandlungsstunden pro Woche angesetzt. Die Rahmenbedingungen sind sehr aufwändig, aber notwendig um die Arbeit gewinnbringend zu einem Ergebnis zu bringen.

Praktische Infos
Der Psychoanalytiker arbeitet meistens in einer freien Praxis oder in einem Institut. Eine Sitzung dauert 20-45 Minuten und kostet zwischen 20 und 120 €. Oft legen Psychoanalytiker und Patient das Honorar in der ersten Sitzung gemeinsam fest.
Die Psychotherapie wird nicht von der Krankenkasse erstattet, es sei denn der Psychoanalytiker ist ebenfalls als Arzt tätig. Wichtig: Der Patient muss alle Sitzungen bezahlen, auch wenn er die Termine nicht wahrnimmt. Weitere Informationen finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse.

von Linda Chevreuil