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Liebe & Psychologie

Die Gestalttherapie

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 22. November 2007
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Die Gestalttherapie wurde in den 50er Jahren von dem deutschen Ehepaar Fritz und Laura Perls und dem Amerikaner Paul Goodman entwickelt. Die erlebnisorientierte Psychotherapie agiert im "Hier und Jetzt" und beschäftigt sich mit dem Umweltkontakt der ganzheitlichen Person und mit dem individuellen Verantwortungsbereich.

Was ist die Gestalttherapie?
Die Gestalttherapie geht davon aus, dass die sozialen Kontaktprobleme einer Person darauf zurückzuführen sind, dass sie die Entwicklung ihrer Gestalt (Körper+Psyche) aufgrund bestimmter Störungsfaktoren nicht voll abschließen konnte. Der Patient soll sich in der Therapie seiner Kontaktschwierigkeiten, aber auch seines Kontaktbedürfnisses bewusst werden und dadurch lernen seine Beschwerden selbst zu bewältigen.
Das Ziel der Therapie besteht also darin, den Spielraum unserer Möglichkeiten
zu erweitern, das Verantwortungs- und Autonomiebewusstsein zu steigern, die emotionale Gefühlswelt wieder herzustellen (die in der westlichen Kultur oft vernachlässigt wird) und die Anpassungsfähigkeit an die Mitmenschen bzw. an unterschiedliche Umweltbedingungen zu verbessern.

Anders als viele andere Strömungen, die versuchen, die Psyche in statischen Begriffen
zu erklären ("Ich" und "Es" in der Psychoanalyse, oder die "Ich-Zustände" in der Transaktionsanalyse) geht die Gestalttherapie von einer dynamischen Sichtweise aus. Sie konzentriert sich auf den permanenten Anpassungsprozess zwischen dem Individuum und seiner sich ständig verändernden Umwelt. Für die Gestalttherapie ist es wichtig zu begreifen, dass der menschliche Organismus untrennbar mit seiner Umwelt verbunden ist. Außerdem wird die Zeitachse in der Gestalttherapie verändert: Das Problem wird nur im Rahmen des "Hier und Jetzt" betrachtet.

Für wen eignet sich diese Methode?
In der Psychotherapie wird die Gestalttherapie bei Personen eingesetzt, die unter psychologischen oder psychosomatischen Störungen leiden oder eine momentane Krise (Trauer, Trennung) bewältigen möchten. Die Gestalttherapie kann auch für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung oder im Unternehmen für die Weiterbildung, Beratung oder das Coaching eingesetzt werden. Die Methode ist allerdings ungeeignet für Personen mit dissoziierten Störungen, denen es schwer fällt zwischen "Inszenierung" und "tatsächlicher Handlung" zu unterscheiden.

Wie verläuft eine Sitzung?
Eine typische Einzel- oder Gruppensitzung lässt sich in drei Abschnitte aufteilen:
- Der Patient drückt eine Schwierigkeit oder ein vorhandenes Empfinden aus.
- Der Therapeut registriert die unbewussten Gesten des Patienten. Dann schlägt er vor, diese Gesten zu übertreiben und spielerisch zu inszenieren. Diese Gesten machen auf gewisse Verhaltensweisen aufmerksam. Durch das Bewusstwerden dieser Verhaltenmechanismen können diese korrigiert werden, die Probleme unter einem anderen Blickwinkel zu betrachten und verborgene Emotionen wieder zu entdecken.
-Anschließend folgt der Handlungsabschnitt: Der Patient kann mit Hilfe des Therapeuten neue Möglichkeiten erkunden um in schwierigen Situationen besser zu reagieren. Es geht darum seine Kontaktgewohnheiten mit der Umwelt zu verändern. Der Patient lernt wie er das, was er gerade in der Sitzung erlebt hat, auf die reale Außenwelt anwenden kann.

Wie viel kostet eine Sitzung?
Eine individuelle Therapie dauert durchschnittlich zwei Jahre bei je einer einstündigen Sitzung pro Woche. Das Honorar beträgt zwischen 50 und 80 €.
In der Gruppenarbeit kostet ein Seminar durchschnittlich 100 bis 150 € pro Tag.

Die Begriffe der Gestalttherapie
- Das Hier und Jetzt
Manche, sog. ursachenorientierte Therapieformen konzentrieren sich darauf zu erforschen, warum ein Trauma vorliegt. Wirkungsorientierte Therapien versuchen hingegen das Verhalten zu "befreien“ und, bildlich gesprochen, das Ufer zu reinigen, damit der Fluss leichter fließt. Die Gestalttherapie ist so eine fließende Therapie,
die immer in Bewegung bleibt: Der Prozess ist wichtiger als das "Warum". Die Schwierigkeit wird im gegenwärtigen Kontext behandelt.

- Der Kontaktzyklus
Der Begriff Kontaktzyklus bezeichnet die Etappen, die wir durchlaufen wenn wir,
von einem Bedürfnis oder einer Emotion geleitet, eine Beziehung zu einer Person aufbauen. Es handelt sich um den Kontakt-Rückzugs-Kreislauf, d.h. um die Art
und Weise, wie ein Bedürfnis in unserem Bewusstsein entsteht, sich entwickelt, befriedigt wird und schließlich verschwindet um einem neuen Bedürfnis zu weichen.

von Linda Chevreuil