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Die Körperpsychotherapie

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 20. November 2007
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Die meisten Psychotherapien behandeln psychische Beschwerden mit einer Gesprächstheraphie. Im Gegensatz dazu versucht die körperorientierte Psychotherapie psychische Krankheiten über den Körper zu heilen und Körper und Geist wieder in Einklang zu bringen.

Was ist die Körperpsychotherapie?
Psychotherapien sind in erster Linie verbal, das heißt sie gehen davon aus, dass man eine Krankheit mit Worten heilen kann. Aber der psychische Heilungsprozess kann auch umgekehrt vom Körper, dem Ort der Affekte, Emotionen und Beziehungen, ausgehen. In diesem Fall spricht man von der Körperpsychotherapie oder körperorientierten Psychotherapie. Es gibt zahlreiche Therapien, die den Körper als Mediator, d.h. als Vermittler für eine Kommunikation mit dem Geist betrachten. Die Behandlungsarten sind breit gefächert und zielen alle darauf ab, die körperlichen und geistigen Aspekte besser zu vereinen. Sie möchten die Beziehung des Patienten zu sich selbst verbessern, indem sie sich an den Körper wenden.

Es ist vielleicht anfangs etwas überraschend, dass man den Körper dazu benutzt, um den Geist, d.h. die Psyche zu erreichen, aber es hilft dem Patienten, seine eigenen Antworten zu finden, auch wenn dies zu Beginn völlig unbewusst geschieht. Die Tatsache, dass man sich auf ritualisierte Art und Weise an den Körper adressiert kann als angenehmes Gefühl des Rückschritts empfunden werden, das Geborgenheit spendet, weil die Situation ein vergangenes Erlebnis in Erinnerung ruft. Da der Patient zuversichtlich ist, kann er sich sicher auf den Weg der Selbstfindung begeben. Die Sitzungen schaffen die nötigen Rahmenbedingungen um sich gut zu entspannen und locker zu lassen und geben dem Patienten die Möglichkeit, sich den Anderen aber auch sich selbst gegenüber zu öffnen und seinen Körper sowie die damit zusammenhängenden Empfindungen wieder zu entdecken.

Die unterschiedlichen Methoden der Körperpsychotherapie
Die Relax-Methoden werden von Physiotherapeuten angewendet und zielen darauf ab, psychische Spannungen zu reduzieren. Dazu soll der Patient lernen seine Muskeln zu entspannen.

Das autogene Training nach Schultz basiert auf dem Erlernen der Muskel-entspannung und der Konzentration auf die eigenen Empfindungen. Der Patient wird durch Auto-Suggestionsübungen dazu angeregt, verlorene Empfindungen wieder zu erleben und dadurch seine Körperbeherrschung wieder zu finden.

Massagen helfen, den Körper zu entspannen und (häufig stressbedingte) Anspannungen zu lösen, besonders im Hals- und Rückenbereich. Die beruhigende Wirkung sorgt für ein ganzheitliches Wohlbefinden. Massagen sind ein gutes Mittel, um den Patienten bei seiner persönlichen Entwicklung zu begleiten. Eine der bewährten Methoden ist die Shiatsu-Massage, die bestimmte Körperstellen mit Fingerberührungen oder Druck entkrampft.

Die Hydrotherapie behandelt den Körper mit Wasser, zum Beispiel mit Duschen, Bädern, Güssen oder Wassertreten (Kneipp-Kur), Sauna bzw. Dampfbädern. Das Wasser wird also in allen Formen eingesetzt: als sanfter oder starker Wasserstrahl, kalt oder lauwarm, in langen oder kurzen Anwendungen... Die Hydrotherapie wirkt sich beruhigend und vitalisierend auf den Organismus aus!

Die Bioenergetik bietet Yoga-ähnliche Übungen an und versucht damit, Anspannungen zu reduzieren und emotionale Blockaden zu lösen.

Die Sophrologie verändert den Bewusstseinszustand ohne eine Hypnose zu bewirken. Der Patient wird in einen Zustand der "Sinnes-Isolation" versetzt, der dazu beitragen soll, die Einbildungskraft zu stimulieren und dadurch das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Die Reflexologie geht davon aus, dass sich alle Körperteile mit Reflexpunkten auf der Fußsohle wiederspiegeln. Die Spannungen werden durch eine Massage der Reflexpunkte gelöst.

Die analytische Körperpsychotherapie gibt dem Patienten die Möglichkeit, bewusst zu spüren, was in seinem Körper vorgeht und dies anschließend zu beschreiben.
Der Patient lernt somit, seine Gefühle und Emotionen wahrzunehmen, sie auszudrücken und zu beherrschen. Bei der analytischen Körperpsychotherapie wird auch mit der Sprache und der "Übertragung" (zentrales Element der Psychotherapie) gearbeitet.

Für wen eignet sich diese Therapiemethode ?
Die Körperpsychotherapie wird bei Stress, Angstzuständen und den damit verbundenen körperlichen Folgen angewendet. Die Therapiemethode wird auch bei Patienten eingesetzt, die unter Hemmungen, Selbstabwertung, Problemen in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen oder körperlicher Abschottung von der Außenwelt leiden. Die Therapie eignet sich ebenfalls für Personen, die sehr angespannt sind bzw. psychosomatische Beschwerden, leichte Depressionen oder sexuelle Störungen aufweisen.

Wie läuft eine Sitzung ab?
Es ist oft ein Vorgespräch nötig, um über den Behandlungsplan zu sprechen, sich gegenseitig kennen zu lernen und um den Ablauf der Sitzungen zu erklären. Eine Sitzung dauert zwischen ½ und 1 Stunde. Der Verlauf hängt von der jeweiligen Therapiemethode ab, aber unabhängig davon muss eine Vertrauensbasis zwischen dem Patienten und dem Psychotherapeuten geschaffen werden: das erfordert ein vertrauensvolles Klima, Sicherheit, sanfte Gesten, ein aufmerksames Gespür für die Reaktionen des Patienten und die Einhaltung der Distanz, die der Patient schafft.
Der Therapeut achtet besonders auf nicht-verbale Zeichen und versucht herauszuhören, wie das Unterbewusstsein im oder durch den Körper zum Vorschein kommt. Das Ende der Sitzung dient im Allgemeinen dazu, die Mitschriften noch einmal durchzulesen und sich über das Erlebte in der Sitzung auszutauschen.

Praktische Hinweise zur Sitzung
Eine Sitzung kostet durchschnittlich zwischen 40 und 80 €, wobei meistens eine Behandlung pro Woche anberaumt wird. Die Sitzungen müssen über mehrere Monate hinweg wiederholt werden.
Weitere Informationen dazu finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Körperpsychotherapie.

von Linda Chevreuil

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