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Wenn’s zu Hause nur noch kracht: Familientherapie und -beratung

von der Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008
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Die Probleme, die in einer Familie auftreten können, sind vielfältig: Jedes Familienmitglied ist eine eigenständige Persönlichkeit und es ist häufig nicht einfach, im Familienverbund den Ansprüchen aller Familienmitglieder gerecht zu werden.

Ob und welche Hilfe von Außen notwenig ist, ist maßgeblich davon abhängig, wie die Familienprobleme im Einzelfall konkret geartet sind. Sowohl Familienberatungsstellen als auch Familientherapien, die mithilfe von Psychologen durchgeführt werden, können Optionen sein, um einen Weg aus der familiären Krise zu finden.

Familienberatungsstellen

Bei der Beratung angesichts von Familienproblemen sollen in erster Linie die Selbsthilfepotenziale von Familien angeregt und gegebenenfalls weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Innerhalb der Familienberatung durch öffentliche, gemeinnützige und kirchliche Organisationen kann es mitunter um ganz konkrete Dinge gehen: Etwa um Erziehungsfragen, sexualpädagogische Fragen, Möglichkeiten der Kinderbetreuung, Fragen der Familienplanung und viele andere Familienprobleme. Beratungsstellen, die in diesem Feld tätig sind, arbeiten kostenlos, sodass jeder die Möglichkeit hat, sich unterstützen zu lassen. Auch in ganz konkreten Notsituationen sind solche Organisationen Anlauflaufstellen für Familien oder einzelne Familienmitglieder und bieten Beratung an.

Wie hilft eine Familientherapie?

Allzu oft gibt es diese Situation: Die Beziehung zwischen Mann und Frau stimmt nicht mehr, Spannungen und Auseinandersetzungen sind an der Tagesordnung. Klar, dass darunter alle Familienmitglieder leiden und das Zusammenleben so gar keinen Spaß macht. So manches Kind wird vielleicht auch verhaltensauffällig, Ehepartner gehen fremd. In solchen Extremsituationen hilft eine Familientherapie, eine genau auf die Familie und ihre Probleme abgestimmte psychologische Beratung.

In der so genannten systemischen Familientherapie wird die Familie als ein System betrachtet, das sowohl aus unterschiedlichen Elementen – wie Mutter, Vater, Kind – und unterschiedlichen Subsystemen – wie der Beziehung zwischen den Eheleuten – besteht. Ganz entscheidend für das Funktionieren des gesamten Systems ist, dass die Kommunikation der Familienmitglieder aufrechterhalten wird. In dem System Familie wird jede Person durch die anderen Familienmitglieder beeinflusst, ist allerdings selbst auch ein Faktor, der die anderen Familienmitglieder in ihrem Handeln und Denken bestimmt. Auf diese Weise entstehen in dem familiären System eigenen Dynamiken und Regeln, die für Störungen verantwortlich sein können.

Eine systemische Familientherapie hilft dabei, die Ursachen für die Familienprobleme zu ergründen. Häufig sprechen Familienmitglieder viel zu wenig miteinander, schon mehr Gespräche helfen, den anderen besser zu verstehen und Krisen aus dem Weg zu gehen. Was immer beachtet werden sollte: Niemals ist nur ein Familienmitglied schuldig an einer Fehlentwicklung, immer spielen unterschiedliche Faktoren, die von allen Familienmitgliedern beeinflusst werden können, eine Rolle.

Systematische Familientherapien sind immer Langzeit-Therapien: Die Probleme, die sich über Jahre angesammelt haben, lassen sich nicht einfach in einigen Sitzungen wegfegen. In der Therapie muss immer wieder kontrolliert werden, welche Fortschritte gemacht wurden und an welchen Punkten noch zu arbeiten ist.

Familienaufstellungen – Die Visualisierung in der Familientherapie

Familienaufstellungen können in der Familientherapie angewendet werden, um familiäre Beziehungsstrukturen optisch sichtbar und für den Betroffenen verständlich zu machen. Bei einer Familienaufstellung wird erkennbar, wie von einem Familienmitglied die unterschiedlichen Bindungen innerhalb der Familie wahrgenommen werden. Jedem Familienmitglied werden in der Aufstellung während der Familientherapie ganz bestimmte Positionen zugewiesen. Dabei stehen den Betroffenen zahlreiche Varianten offen: Wird eine Person zum Beispiel an einer weit entfernten Stelle positioniert, kann das emotionale Distanz und fehlende Festigkeit in der Beziehung symbolisieren. Abgewandte oder zugewandte Positionen sagen in der Familienaufstellung ebenfalls einiges darüber aus, wie die aktuelle familiäre Situation wahrgenommen wird.

Familienaufstellungen werden im Rahmen einer Familientherapie zumeist mit einer ratsuchenden Person durchgeführt. Diese positioniert fremde Personen, denen die jeweiligen Rollen zugewiesen werden. Für die Person, die eine Familienaufstellung durchführen lässt, ergeben sich Chancen, Ordnung in die familiären Verflechtungen zu bringen und für sich mithilfe der Beratung durch den Therapeuten neue Wege zu suchen.

Wer führt Familientherapien?

Die Familientherapie ist vor allem aufgrund von Doku-Soaps wie „Die Supernanny“ salonfähig geworden. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, eine Familientherapie in Anspruch zu nehmen, als die Bewerbung als Problemfall bei einem privaten Fernsehsender. Hilfreich sind neben öffentlichen Stellen, gemeinnützigen Vereinen oder kirchlichen Organisationen beispielsweise auch psychotherapeutische Praxen oder die Psychosomatik-Abteilungen größerer Kliniken.

Am wichtigsten ist, dass die internen Probleme angegangen werden. Ob dieses im Rahmen einer allgemeinen Familienberatung oder aber einer auf die jeweiligen Probleme individuell zugeschnittene Familientherapie geschieht, entscheidet der Einzelfall.

Was kostet eine Familientherapie?

Während die Beratung bei Familienberatungsstellen in der Regel kostenlos ist, können für eine umfassende Familientherapie durchaus Kosten anfallen. Es besteht allerdings in Einzelfällen auch die Möglichkeit, dass die anfallenden Kosten für eine Familientherapie und Beratung zum Beispiel vom Jugendamt oder Sozialamt übernommen werden. Auch Krankenkassen können unter Umständen die Kosten für eine Familientherapie übernehmen – Voraussetzung ist hier allerdings zumeist, dass die Behandlung in einer psychologischen oder psychotherapeutischen Praxis oder eine Psychosomatik-Abteilung einer Klinik stattfindet. In jedem Fall sollte man sich über eine mögliche Kostenübernahme im Vorfeld erkundigen.

Hat man die Frage der Kostenübernahme geklärt und konnte keine positiven Ergebnisse verbuchen, kann es hilfreich sein, Aussicht nach einen Therapeuten zu halten, der seine Leistung einkommensabhängig in Rechnung stellt. Auf diese Weise belasten die entstehenden Kosten die Familien nur in dem Maße, wie sie es auch stemmen können.

von der Redaktion

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