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Liebe & Psychologie

FOMO: Über die Panik, etwas zu verpassen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 24. November 2019

FOMO ist die Abkürzung für das englische "Fear of missing out", also die Angst etwas zu verpassen. Was genau steckt dahinter? Und was kann man gegen das ungesunde Gefühl tun?

FOMO ist so ein bisschen wie früher, als man Teenie war, wenn die Eltern einem am Wochenende verboten haben wegzugehen. Wie hundeelend konnte man sich fühlen, bitte? Alle anderen konnten zur Party und man selbst hat die Zimmerdecke angestarrt und sich gefühlt, als würde die Welt zeitnah untergehen.

Was, wenn man etwas Entscheidendes verpassen würde? Auch wenn es nur darum ging, ob der Schwarm auf der Party auftauchen würde oder X Y ein Küsschen bei Wahrheit oder Pflicht geben musste: Das Gefühl nicht dabei zu sein, während andere dort gemeinsam Spaß hatten, war schlichtweg grottig. Ihr kennt das Gefühl? Nun, dann kennt ihr auch FOMO.

FOMO als Forschungsobjekt

Wie so oft bei Dingen, Gefühlen, Situationen, die viele von uns kennen, kommt irgendwann jemand Kluges daher und verpasst dem Ganzen einen Namen. FOMO steht für das englische "Fear of missing out": Die beklemmende Angst, etwas zu verpassen, ein gesellschaftliches Ereignis, ein tolles Erlebnis, eine spannende Erfahrung.

Dank der digitalen Medien, unserer Dauerpräsenz in den sozialen Netzwerken und der ständigen Erreichbarkeit hat FOMO heute ganz neue Züge angenommen. Kein Wunder, dass längst auch Psychologen und Mediziner ein Auge auf das Phänomen geworfen haben.

Denn was als Teenie für Frust und lange Gesichter gesorgt hat, ist ein ernstzunehmendes Problem. Viele Menschen sind tatsächlich völlig fixiert auf das Internet und Social Media. Die Folgen sind nicht nur soziale Isolation im realen, nicht-virtuellen Leben, sondern auch ernsthafte Depressionen. FOMO macht letztlich krank, wenn wir nicht aufpassen.

FOMO ist wieder da – auch als Erwachsener

Dass einem FOMO auch noch jenseits des Teenageralters passieren könnte, hätte man damals sicher nicht gedacht. Obwohl man heute gelassener ist und auch mal ein gepflegtes Nichtstun kultiviert, so ist das FOMO-Gefühl nicht aus der Welt.

Gerade wenn man sich dazu entschlossen hat, dem Freizeitterror zu entgehen und am Wochenende einfach mal zuhause auf der gemütlichen Couch zu bleiben, statt feiern zu gehen, gerade dann ertappt man sich dabei, wie man (zunächst noch) entspannt auf Instagram und Co. guckt, was so los ist.

Und ploppen dann all die wunderbar mit Filter versehenen "Schau-her-wie-bunt-mein-Leben-ist"-Bilder auf, dann passiert es plötzlich wieder: Wir fühlen uns außen vor. Wir sind nicht dabei. Wir verpassen etwas, wo andere gerade den Gaudi ihres Lebens abfeiern. FOMO.

Und auch wenn wir es besser wissen: Die virtuelle Erlebniswelt täuscht uns dennoch immer wieder. Wir sehen ein paar Bilder und denken, dass jede noch so langweilige Freundin, Kollegin, Verwandte oder Bekannte ein mega tolles Leben hat – und schon wirkt das eigene Leben trist und fad.

Zumal wir ständig damit konfrontiert werden, was für eine Vielfalt an tollen Möglichkeiten es im Leben gibt. Zu viele, um sich wirklich einmal klar für eine zu entscheiden. Und wie soll man sich gut fühlen, wenn vielleicht Variante B noch toller gewesen wäre?

Was es noch schlimmer macht: Gerade wer sozial isoliert ist und wenig Kontakte im realen Leben hat, zieht sich gerne in die virtuelle Welt zurück. Und die geballte Ladung an perfekten Körpern, Style, Reisen, Lust und Leben muss man eben auch erstmal vertragen können. Und das kann eben nicht jeder.

Müssen wir uns Sorgen machen, wenn wir unter FOMO leiden?

Letztlich muss man sich natürlich fragen: Warum genau erwischt mich das jetzt so eiskalt? Habe ich wirklich Angst, etwas Wichtiges zu verpassen? Würde es mir besser gehen, wenn sich auch alle anderen zeitgleich mit mir mit der Chipstüte auf die Couch legen?

Letztlich kann FOMO doch nur dann so derbe zuschlagen, wenn wir selbst mit uns und unserem Leben unzufrieden sind. Wäre ich rundum zufrieden mit mir, würde ich mir doch sagen: "Was kümmert es den Mond, wenn ihn ein Hund anbellt."

Das können wir gegen FOMO tun

Somit ist auch klar, was gegen das miese FOMO-Gefühl hilft: Sich auf sich selbst konzentrieren, statt immer nur auf die Anderen zu schauen. Und das bedeutet auch Digital Detox, also weniger Zeit in den sozialen Netzwerken verbringen und dafür mehr Zeit im realen Leben, mit echten Freunden und Erlebnissen.

Man muss seinen Kopf einschalten und sich klar sagen: All die perfekten Filter-Schönheiten da am Strand, die sich im Sonnenuntergang auf Bali ablichten lassen, mögen ja vielleicht glücklich aussehen. Was man dabei vergisst: Hinter jedem perfekten Selfie steht womöglich ein genervter Freund mit Kamera und hinter ihm tausend andere Instagram-Schönheiten, die sich ebenfalls am gleichen Spot knipsen lassen. Und wer ständig fotografieren und posten muss, kann sich ja nicht gerade amüsieren, oder?

Letztlich war ich auf einer Party. Und am nächsten Tag schrieb eben die Freundin, die nicht dabei sein konnte: Schickt doch mal Bilder, wie es war. Und siehe da: Niemand hatte auch nur ein einziges Bild gemacht. Wir hatten uns nämlich einfach zu gut amüsiert, um auch nur einen Moment an Posen und Posten zu denken.

Wie wäre es mit JOMO?

Wer sich klar macht, dass die schöne neue Welt des Internets von Facebook, Instagram, Snapchat bis Twitter eine gepimte Scheinwelt abbildet, kann sich viel mehr entspannen. Und auf sich selbst schauen und gucken: Brauche ich das wirklich? FOMO und den Neid auf das Leben der Anderen?

Statt FOMO sollten wir deshalb JOMO praktizieren. "Joy of missing out" - also die Freude daran, etwas zu verpassen. Keine Generation vor uns war solch einer Informationsflut via Internet und Social Media ausgesetzt, wie wir heute. Wir können also gar nicht anders, als immer mal wieder den Stecker zu ziehen und uns zu sagen: Ich verpasse jetzt was. Und das ist gut so.

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