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Generation Z: Aktuelle Jugendstudie zeigt, wie sie wirklich tickt

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 16. Oktober 2019

Die 18. Shell Jugendstudie ist da und sie zeigt, dass die heutige Jugend anders ist als gedacht. Während die einen auf die Straße gehen und lautstark Politik und Gesellschaft anklagen, liebäugeln andere eher mit konservativen Lebensmodellen. Hier die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie.

Wie ticken die heute 12- bis 25-Jährigen in Deutschland? Dieser Frage geht alle vier Jahre die Shell Jugendstudie* auf den Grund – und das seit nunmehr 66 Jahren. Dabei geht es darum, wie die Jugend sich ihre Zukunft wünscht, welche Ängste sie hat, was sie über Politik, Familie und Gesellschaft denkt.

Gestern wurden die Ergebnisse der diesjährigen Studie vorgestellt und es zeigt sich ein doch eher uneinheitliches Bild der heutigen Generation. Pragmatisch, leistungsbereit, tolerant und werteorientiert sei die heutige Jugend, so die Studie – aber eben nur in Teilen.

Hier die einzelnen Ergebnisse der Studie:

Politik und Polulismus

Eine einheitliche "Generation Greta Thunberg", die für ihre Belange auf die Straße geht, gibt es laut Studie nicht. Auch wenn die Bilder von skandierenen Schulklassen derzeit unser Bild der Jugend sehr prägen. Vielmehr, das zeigt die Studie, sind eben jene Jugendliche, die eh schon politisch interessiert und aktiv waren, noch aktiver geworden, während ein sehr großer Teil der Jugendlichen immer noch wenig politisch interessiert ist.

Erschreckend ist, dass die Jugendlichen, die kein Vertrauen darin haben, dass sie etwas ändern können und die sich von der Politik ignoriert, missverstanden und betrogen fühlen, durchaus empfänglich für Populismus und Verschwörungstheorien sind. So stimmten 68 Prozent der Befragten der Aussage zu: "In Deutschland darf man nichts Schlechtes über Ausländer sagen, ohne gleich als Rassist beschimpft zu werden".

Grundsätzlich sind jedoch mehr als drei Viertel der Jugendlichen mit der Demokratie zufrieden. Auch die EU wird als Garant für Wohlstand und soziale Sicherheit wahrgenommen und steht für Freizügigkeit, kulturelle Vielfalt und Frieden.

Ängste und Sorgen

War die größte Sorge vor einigen Jahren noch die Angst vor Terror, so sorgen sich die heutigen Jugendlichen vor allem um die Umweltzerstörung – das jedoch vor allem in den eher gebildeten Schichten.

Und noch ein anderes Thema beschäftigt die Jugendlichen: So zeigt sich die aktuelle Debatte um Flucht und Migration in einer gestiegenen Angst vor Ausländerfeindlichkeit. Bei einigen äußert sich diese Sorge auch in Angst vor Zuwanderung. Zwar sagen 57 Prozent, sie fänden es gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen habe, aber gleichzeitig würden 20 Prozent ungerne neben einer Flüchtlingsfamilie wohnen, 18 Prozent auch nicht neben einer türkischen.

Kuschelkurs mit den Eltern statt Rebellion

Wütend skandierende Jugendliche bei den "Fridays For Future"-Demos, die den Erwachsenen vorwerfen, ihnen ihre Zukunft gestohlen zu haben – das ist ein Bild der heutigen Jugendlichen. Dennoch lässt sich über genau diese Jugend auch sagen, dass sie eher auf Stabilität und Sicherheit setzt und dass sie – anders als viele vorherige Generationen von Jugendlichen vor ihnen – eben nicht auf Konfrontation zu ihren Eltern gehen.

Alles, nur nicht so werden, wie die eigenen Eltern? So scheinen die Jugendlichen heute nicht mehr zu ticken. Vielmehr sehen sie ihre Eltern als Erziehungsvorbilder (69 Prozent), 84 Prozent der 12 bis 21-Jährigen leben mit ihren Eltern unter einem Dach und 90 Prozent sagen, dass sie mit ihren Eltern gut "klar kommen".

Sicherheitsdenken im Job

Auch die Generation Z weiß, dass eine gute Ausbildung der Türöffner für eine gute Zukunft sein kann. Deshalb strebt auch sie einen hohen Bildungsabschluss ab. Das Abi ist dabei der am häufigsten angestrebte Abschluss. Unter den heutigen Mädchen ist das Gymnasium auch die Schulform, die von der absoluten Mehrheit besucht wird. Auch eine Ausbildung mit akademischen Grad nimmt zu.

Gleichwohl zeigt sich auch hier die soziale Schere: So ist es für Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern nur halb so realistisch, das Abi zu schaffen, wie Kinder aus gebildeten Elternhäusern. Hier ist also auch weiterhin großer Handlungsbedarf.

Toleranz und Miteinander

Ein großes Kompliment muss man der jungen Generation in Sachen Toleranz machen. Unsere Gesellschaft ist heute offener und bunter. Die Akzeptanz von Minderheiten ist für die Jugendlichen heute ganz normal und selbstverständlich.

So zeigt die Studie, dass die Jugendlichen Menschen, die anders sind und aus der sogenannten "Norm" fallen, mit sehr großer Mehrheit positiv gegenüberstehen. Weniger als 20 Prozent sind hier eher ablehnend.

Das wünscht sich die Jugend für die Zukunft

Hieß es früher noch "Not Future", so sieht die Generation der heute 12 bis 25-Jährigen optimistisch in ihre Zukunft. Sie sind sich sicher, dass sie mit einer guten Ausbildung auch einen Job bekommen. Bei der Berufswahl steht dennoch das Thema Sicherheit ganz oben.

Zudem steht ein harmonisches Privatleben mit Freunden, Partnerschaft und Familie ganz oben auf der Wunschliste. Deshalb sind auch beim Job Dinge wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Work-Life-Balance wichtig – wichtiger sogar als ein hoher Lebensstandard.

Der Kinderwunsch ist nach wie vor stabil. Dennoch überrascht, dass sich Männer und Frauen (vor allem im Westen) noch an das traditionelle Modell halten, also der Mann als Haupt- bzw. Alleinverdiener und die Frau als Erziehende lediglich mit Teilzeitjob.

Wobei man sich natürlich fragen muss, was hier ausschaggebend ist: Die Realitäten, die es Frauen immer noch extrem erschweren, Beruf und Kindererziehung unter einen Hut zu bekommen, oder der wirkliche Wunsch, die Kindererziehung über die eigene berufliche Karriere zu stellen.

Viele gute Ansätze, aber auch einige Sorgenthemen: Man darf gespannt sein, was die nächste Umfrage in vier Jahren bringt.

* Die aktuelle Shell-Jugendstudie wurde von einem Forscherteam um den Bielefelder Politikwissenschaftler Mathias Albert erarbeitet. Für die repräsentative Umfrage wurden 2.572 Jugendliche im Alter von zwölf bis 25 Jahre durch das Münchner Meinungsforschungsinstitut Kantar Public befragt.

-> Mehr Infos zur Shell Jugendstudie findet ihr auch hier.

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