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Graphologie: Was Schrift über uns verrät

von der Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008
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Wissen Sie noch, wie sie als Kind oder Jugendliche ihre Unterschrift geübt haben? Viele von uns haben mehrere Zettel mit den unterschiedlichsten Schriftzügen versehen - mal schwungvoll, mal statisch, mal raumgreifend, mal zierlich kam der eigene Name dabei zum Vorschein. Lange hat es gedauert, bis eine passende Unterschrift gefunden war, ist man allerdings erst einmal älter, hat sich ein ganz eigenes Schriftbild herausgebildet, welches einzigartig und charakteristisch für unsere Persönlichkeit ist. Kein Wunder also, dass zahlreiche Psychologen von einer regelrechten Schriftpsychologie ausgehen und die Meinung vertreten, dass man anhand der Handschrift eines Menschen auch auf dessen Charaktereigenschaften schließen kann. Graphologie nennt sich die Kunde, die sich mit dem Zusammenhang von Handschrift und Charakter beschäftigt und viele Menschen neugierig macht - zumal die Methoden der Schriftpsychologie auch zunehmend Anwendung finden, wenn es um unser berufliches Fortkommen geht.

Was untersucht die Graphologie?

Im Grunde hat die Graphologie viel mit Körpersprache zu tun: Unbewusste Informationen übertragen sich durch Bewegungen beim Schreiben auf das Schriftbild. Genau hier setzen Graphologen, die die vielen kleinen Details unserer Handschriften deuten, bei der Analyse an: Sie achten zum Beispiel auf die Größe und Lage, Verbindung und Bewegung, Länge, Einheitlichkeit und Klarheit der Buchstaben und der gesamten Schrift.

Anhand der beobachteten Merkmale und ihrer Ausprägung kann die Graphologie die Schreiber bestimmten Persönlichkeitstypen zuordnen: Beachtet jemand zum Beispiel sehr die gerade Zeilenführung, kann das für die Zielstrebigkeit des Schreibers sprechen.

Neigung und Schnörkel in der Schriftpsychologie

Auch was die Neigung der Schrift angeht, lassen sich in der Graphologie einige Rückschlüsse auf den Urheber ziehen: Eine nach links geneigte Schrift spricht eher für Zurückhaltung, während eine nach rechts geneigte Schrift die Offenheit des Schreibers suggeriert, die allerdings in Extremfällen auch zur Impulsivität tendieren kann. Gerade Buchstaben, bei denen sich weder eine Neigung nach rechts noch nach links feststellen lässt, sprechen dafür, dass man es mit einem Kopfmenschen zu tun hat. Aber auch hier kann es eine Kehrseite der Medaille geben: Auch wenn der Schreiber „nur“ ein bedachter Mensch ist, so kann er doch auch auf andere Personen kühl und unnahbar wirken.

Viele Schnörkel können in der Schriftpsychologie als ein Indiz für Selbstverliebtheit oder Wichtigtuerei gedeutet werden, klare Schriftbilder hingegen sprechen in der Graphologie eher für die Unkompliziertheit und Umgänglichkeit eines Menschen, dem Egoismus und Rücksichtslosigkeit fern liegen.

Die Zusammenfassung: graphologische Gutachten

Hat ein Graphologe die vielen Details einer Handschrift unter die Lupe genommen und verschiedene Eindrücke gewonnen, muss er in einem abschließenden Schritt diese Beobachtungen im Rahmen eines graphologischen Gutachtens zu einer Beurteilung des Schreibers zusammenfließen lassen. Denn: Nur die Summe der Details ergibt das Gesamtbild. Das Ergebnis der graphologischen Analyse kann kriminalistisch genauso helfen wie bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters.

Graphologie im Job

Während manche Unternehmen ihre Bewerber in Assessment Centern auf die Probe stellen, sind andere von der Graphologie angetan, verlassen sich auf diese alte Wissenschaft und lassen anhand handschriftlich verfasster Bewerbungen oder Lebensläufe graphologische Gutachten über die Bewerber anfertigen. Gerade wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht, wird die Schriftpsychologie bei der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber häufig zu Rate gezogen.

Aber nicht immer wenn eine Probe der Handschrift verlangt wird sind bei der Deutung derselben echte Graphologie-Experten am Werke, zumal wenn es sich um kleinere Unternehmen handelt. Oftmals wird die Handschrift auch lediglich von Personen graphologisch beurteilet, die psychologisch zwar erfahren sind, dennoch mehr intuitiv beurteilen und sich einen erste Eindruck über den Bewerber verschaffen wollen.

Wenn auch Sie aufgefordert sind, ihrer Bewerbung einen handschriftlich verfassten Lebenslauf beizulegen, sollten Sie in jedem Fall auf die Ordentlichkeit des Schriftstückes achten. Tintenkleckse, durchgestrichene Wörter oder überkritzelte Passagen sind natürlich tabu. Für einen guten Stil spricht, wenn Sie das Schreiben mit einem Füllfederhalter verfassen - ein Kugelschreiber hingegen wird die Vorzüge Ihrer Schrift eher zunichte machen und somit das Ergebnis des graphologischen Gutachtens eher negativ beeinflussen.

Darüber hinaus sollten Sie sich über die möglichen Rückschlüsse, die Experten oder Laien aus ihrer Handschrift ziehen können, nicht allzu sehr den Kopf zerbrechen: Die Graphologie ist nicht dafür da, Menschen zu verurteilen, sie soll nur für diejenigen, die an die Aussagekraft der Schriftpsychologie glauben, eine erste Einschätzung liefern. Wer sich allerdings zu sehr verstellt, hat dabei keine guten Karten. Bedenken Sie aber auch, dass die Graphologie nicht unumstritten ist: Sollte es also mit der Bewerbung nicht klappen, bedeutet dieses nicht, dass die Rückschlüsse, die über Sie gezogen wurden, auch stimmen müssen.

von der Redaktion