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Liebe & Psychologie

Das Phänomen "Hate-Follow": Warum wir gerade unsere Feinde so ausgiebig im Netz stalken

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 24. Januar 2017

Warum scrollen wir uns die Finger wund, obwohl wir jemanden überhaupt nicht mögen?

Eigentlich umgeben wir uns auf Social Media Kanälen wie Facebook und Instagram ja mit Menschen, die wir mögen. Aber eben nicht nur. Denn wir folgen unsinnigerweise auch Menschen, die wir eigentlich alles andere als mögen. Menschen, auf die wir sauer sind, die wir fürchten oder gegen die wir eine ausgeprägte Abneigung haben. Warum nur vergeuden wir derart unsere Zeit?

Klar. Da gibt es den Ex, den wir heimlich beobachten. Hat er eine neue Frau in seiner Freundschaftsliste? Geht er viel aus? Zu viel oder zu wenig? Oder die unsympathische Überflieger-Kollegin, die andere mobbt: Hockt die jeden Abend zuhause oder was macht die eigentlich privat? Und die viel zu gut aussehende Ex von unserem Liebsten - die wird natürlich auch mit Argusaugen beobachtet.

So weit, so logisch. Aber wir folgen auch Menschen, die wir überhaupt nicht kennen. WAS hat der alles, was ich nicht habe? Ist Fashion Bloggerin XY wirklich so stilsicher? Sieht die Promi-Tochter, die mit süßen 18 bereits Millionen auf dem Konto hat, nicht irgendwie arrogant und dumm aus? Man glotzt und gafft in der Hoffnung, die ungeliebte Person möge doch nicht so toll sein, sich eine Blöße geben, alt aussehen oder einen dummen Post machen. Eigentlich eine eher kontraproduktive Beschäftigung, sollte man meinen.

Total bescheuert?

Aber das, was wir da freiwillig (oder unter Zwang) tun, ist gar nicht so unlogisch, wie man denkt. Es ist sogar ziemlich verbreitet und hat einen Namen: Hate-Follow. Denn während wir andere Menschen argwöhnisch stalken und ihre Fehler suchen, können wir uns selbst besser fühlen. Wir sind anders. Das haben wir nicht nötig.

Denn leider liegt es in unserer Natur, dass wir uns weniger dadurch hervorheben, dass wir etwas besonders toll machen, sondern indem wir unser Umfeld klein und schlecht machen. Wir sehen jemanden, dessen Lebensinhalt es ist, sich die Fingernägel mit bunten Kügelchen zu verschönern und denken: "Gut, dass ich mehr auf dem Kasten hab, als die da". Und so hart es klingen mag: Wir fühlen uns besser, weil wir den anderen mies bis mittelmäßig finden.

Mit schlechter Laune stalkt sich besser

Eine Studie der Ohio State University zeigt, dass vor allem Menschen, denen es selbst nicht so gut geht, dazu tendieren, Hate-Follow zu betreiben. Für die Studie absolvierte eine Test-Gruppe eine Prüfung, anschließend wurde einem Teil der Gruppe erklärt, sie hätte sehr gut abgeschlossen, dem anderen Teil, sie hätte katastrophal abgeschnitten. Dann sollten sich die Teilnehmer Fake-Profile auf einem extra für die Studie konzipierten Social Media-Netzwerk ansehen.

​Und siehe da: Im Großen und Ganzen sahen sich die Teilnehmer der Studie am liebsten die Profile der Schönen und Reichen an. Anders jedoch diejenigen, denen vorher ein schlechtes Prüfungsergebnis mitgeteilt worden war. Sie sahen sich vor allem Profile von Menschen an, die vermeintlich hässlicher und ärmer dran waren als sie selbst. Die Schlussfolgerung der Studie: Unsere eigene schlechte Laune sorgt also dafür, dass wir das Leben der Anderen misstrauisch beobachten und darin nach Fehlern oder Misserfolgen suchen.

Kein Wunder, dass all die passiv-aggressiven Hate-Follower sehnsüchtig auf den Dislike-Button warten. Indem man sich jemanden sucht, der schlechter ist als man selbst und den man niedermachen kann, geht es einem selbst besser.

Hier sind 8 Menschen, bei denen du sicherlich auch zum Hate-Follower wirst:

  • dein Ex-Freund
  • die Neue von deinem Ex-Freund
  • dein ehemaliger Chef
  • die intrigante Kollegin, der du den Erfolg nicht gönnst
  • das Mädchen, das zu Schulzeiten einfach immer toller und besser war als du
  • der Mistkerl, der sich nach dem Date mit dir nie wieder gemeldet hat
  • die alte Freundin, die noch immer in deiner Geburtsstadt hängen geblieben ist
  • Fashion-Blogger und erfolgreiche, schöne, reiche Menschen, denen man den Erfolg so in der Größe nicht unbedingt gönnt

​Aber kein Grund, dich jetzt total mies zu fühlen, wenn auch du dich ab und an dabei ertappst, dass du andere stalkst. Wir sind auch einfach diebisch neugierig, vor allem, wenn es um Menschen geht, denen wir einen Fehler oder auch zwei gönnen.

Dennoch sollten wir schon versuchen, abstinenter zu werden. Wir verbringen schon genug Zeit auf den Social Media Kanälen. Das Leben ist doch wahrlich zu kurz, um unsere Zeit dann noch mit Menschen zu verbringen, die uns schlechte Laune machen. Und sei es nur virtuell. In diesem Sinne: Stop Hate-Following!

von Fiona Rohde