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Liebe & Psychologie

Couch-Potato-Club: Warum am Wochenende zuhause bleiben total ok ist

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 11. August 2019

Es ist Wochenende und alle gehen auf die Rolle. Was aber, wenn einem an den heiligen zwei Ausgehtagen so gar nicht nach Ausgehen zumute ist?

Irgendwie scheint Wochenende automatisch zu bedeuten, dass man sich verabredet, in Gesellschaft ist, in einer Bar, einem Club, einem Restaurant oder mit Freunden chillt.

Der typische Ablauf: Es ist Freitagabend. Die Freundin meldet sich. Sie will ausgehen. Erstmal was trinken und dann mal schauen, ob man später noch einen drauf machen kann. Tanzen oder so.

Dumm nur, dass bei dir gerade das Kopfkissen angerufen hat, und behauptet, dass es dich lange nicht gesehen hat. Dass du im Jogginganzug auf der Couch liegst und dich exakt nach allem fühlst, nur nicht nach in Schale werfen und ausgehen.

"Du, ich fühl mich irgendwie kränklich" lügst du deiner besten Freundin dann vor, um nur ja nicht als Wochenend-Langweiler zu gelten. Aber warum nicht einfach mal ganz offen dazu stehen, dass du exakt Null Komma Null Bock hast, dich aus deinen eigenen vier Wänden herauszubewegen?

Freitagabend, Saturday Night Feeling hin oder her. Du willst eine heiße Schokolade statt Gin, Pantoffeln statt High Heels, seliges Nichtstun statt Party und Action. Du bist raus. Nicht mit dir. "JOMO" lautet der neue Trendbegriff dafür und steht für "joy of missing out" - also die Freude am Verpassen.

Werden wir etwa alt?

Sind wir deshalb jetzt alt geworden? Gehören wir nicht mehr zu der "sei wild und gefährlich" Jugend, weil wir so empfinden? Ist das der Anfang vom Ende?

Wäre es jetzt besser, einfach weiter auszugehen und in Aktionismus zu verfallen, obwohl wir (kinderlos) uns ähnlich erschlagen fühlen, wie unsere Freundin mit den drei Kindern? No way. Ein bisschen Zeit nur für uns. Nur ein bisschen. Einfach mal nicht reden. Nichts tun. Her​rlich.

Und mal ganz ehrlich: Das ist doch absolut ok. Wer kennt sie nicht, diese uninspirierten Abende, an denen einfach keine Stimmung aufkommen will und man apathisch nebeneinander am Tresen hockt oder sich im Club die Beine in den Bauch steht? Nicht immer kommt die ersehnte "Endlich frei"-Magie auf, von der wir wochentags im Büro geträumt haben.

Stattdessen: Ein fader, öder Abend im Club. Und am nächsten Morgen sind wir müde, verkatert und denken uns, den Abend hätten wir uns echt sparen können. Man fühlt sich irgendwie leer und betrogen. Das Wochenende ist doch so kurz. Da muss doch jeder Abend sitzen wie eine Eins.

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Ein Date mit der Couch

Und wieder nehmen wir uns vor, dass wir beim nächsten Mal eben zuhause bleiben, wenn uns danach ist. Uns nicht überreden lassen. Zu unserem Couch-Potato-Dasein offen stehen. Und der Freundin sagen: "Du, ich will meinen Abend lieber mit meiner Couch verbringen, als mit dir." So in der Art oder etwas charmanter.

Oder man macht die riskante Variante: "Ich versuche zu kommen". Klappt aber nur, wenn noch andere dabei sind, die dich ersetzen, wenn du dann doch nicht mitgehst (was du ja eigentlich von Anfang an nicht vorhattest). ​

Wir haben oft nicht mehr die Hummeln im Hintern, die man früher noch so hatte. Als man noch zuhause bei den Eltern gewohnt hat und das Wochenende die Möglichkeit zur Flucht war, um mal nicht unter der Fuchtel der Eltern zu stehen.

Aber mittlerweile ist doch die Macht mit uns. Wir können selbst entscheiden, was wir wollen und was nicht. Dumm nur, dass dennoch die Erwartungshaltung irgendwie da ist und man sich bei dem Gedanken erwischt: Bin ich jetzt langweilig, wenn ich am Wochenende lieber auf der Couch bleibe? Verpasse ich irgendwas?

Donnerstag ist der neue Freitag

... oder Dienstag der neue Samstag oder Montag der neue irgendwas. Natürlich muss man unter der Woche oft früh aufstehen, fit sein. Aber Ausgehen muss ja nicht immer an unserer Gesundheit knabbern. Ausgehen kann ja auch mal ohne Kater, Augenringe und Schlafmangel daherkommen. Spaß haben kann man auch so.

Also warum nicht just an dem Abend, an dem wir uns danach fühlen, auf die Rolle gehen? Der Flow, der so gerne beschworenen magischen Abende, entfaltet sich nämlich immer nur genau dann, wann er es will und nicht zwangsläufig Freitag bis Samstag. Also gar nicht so falsch, der gute alte Spruch: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Und das ist ja gerade das Schöne, am Älterwerden. Man wird nicht langweilig. Man wird nicht spießig. Man bekommt nur den Mut, auf sich selbst zu hören. Auch mal Nein zu sagen. Anders zu sein, egal was die anderen denken. ​

In diesem Sinne: Go for it! Sei faul, wenn dir gerade danach ist und feier, wenn du es willst.

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