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Liebe & Psychologie

Gutes Benehmen lernen: Kleiner Knigge für den Alltag

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 7. März 2018
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Im Restaurant, beim Business-Meeting oder bei den Schwiegereltern: Es ist nicht immer einfach, sich in jeder Lebenssituation richtig zu verhalten. Hier ein kleiner Auffrischungskurs bezüglich Knigge und den lieben Manieren.

Knigge, Benimm-Regeln, gutes Benehmen - Manieren sind toll, aber leider nicht flächendeckend bekannt. So klappt uns mindestens einmal am Tag die Kinnlade runter, weil sich irgendjemand in der Bahn bemüßigt fühlt, lauthals sein Sexleben zu besprechen, sich im Supermarkt dreist vordrängelt oder grußlos an uns vorbeizieht. Auch wenn es spießig wirken mag, aber schlechtes Benehmen ist letztlich gar nicht spießig. Es geht hier schließlich um gegenseitigen Respekt und einen guten Umgang miteinander.

Sicher, irgendwann haben wir alle schon mal was von Knigge und guten Manieren gehört. "Sag brav danke!" "Gib der Tante schön die Hand!" Diese und ähnliche Sätze haben wir als Kind von unseren Müttern, Vätern oder Lehrern gehört. Soweit alles brav gelernt und beherzigt. Aber wie oft kommen wir auch heute noch in Situationen, sei es im Job oder beim ersten Treffen mit seinen Eltern, in denen wir unsicher sind, was jetzt richtig oder falsch ist. Und dann steht niemand hinter uns und souffliert uns die richtige Lösung.

Deshalb hier ein kleiner Alltags-Knigge zum Auffrischen, welche Gepflogenheiten und No-gos es gibt, wie ihr schwierige Situationen ohne Fauxpas übersteht und wie gutes Benehmen im Alltag laut Knigge aussieht:

Im Restaurant

Ein No-go im Restaurant: Zahnstocher, Lipgloss und Handy, die auf dem Tisch rumliegen und auf ihren Einsatz warten. Geht gar nicht.

Weder Restaurierungsarbeiten mit Lippenstift & Co. noch das Warten auf eine spannende Ablenkung via SMS, Anruf oder Facebook sind bei Tisch höflich. Zumindest wenn dein Gegenüber auch nur irgendein Interesse an einem netten Abend mit dir zeigt. (Es gibt ja leider auch Paare, die synchron auf ihrem Smartphone rumtippen und sich ignorieren).

Das Rucolablatt, das zwischen deinen Zähnen hängt, darfst du ebenfalls gerne auf der Toilette entfernen, aber nicht am Tisch, weder hinter vorgehaltener Hand noch unterm Tisch oder sonstwo. Und wenn die Tante aus Amerika überraschend anruft, am besten kurz entschuldigen und zum Telefonieren rausgehen. Aber auch nur, um der Tante mitzuteilen, dass man später zurückrufen wird. Das wäre der Königsweg.

Zu Tisch

Die Serviette scheint ein Überbleibsel aus alten Zeiten zu sein. Nicht jeder weiß damit umzugehen. Fakt ist: Man steckt sie sich nicht in den Kragen, das funktionierte nur bei Loriot. Die Serviette hat exakt einen Platz: auf dem Schoß. Das mag für viele komisch sein, ist aber laut Etikette das Richtige. Wer bei einem heißen Date jetzt trotzdem seine schönen Minirock-Beine zeigen möchte, muss sich natürlich keine Serviette über die Schenkel legen.

Hast du zu Ende gegessen, verschwende einen kurzen Gedanken an den Kellner und knüll die Stoffserviette nicht mitten in die Bratensauce. Das gute Stück gehört locker gefaltet neben den Teller. Eine Papierserviette hingegen legt man gefaltet auf den leeren Teller.

Noch weitere Regeln im Restaurant: Das Brot niemals in die Suppe tunken, auch wenn das so lecker ist. Auch gut zu wissen: Den Kaffee- oder Teelöffel leckt man nach dem Umrühren nicht ab, sondern legt ihn nass auf die Untertasse (klar, Milchschaum ablöffeln ist super, aber es gehört sich nun mal nicht). Und man fasst das Glas, das einen Stiel hat, auch an selbigem an und knallt die Gläser nicht lautstark aneinander, wenn man sich zuprostet.

Das liebe Smartphone

Es ist immer wieder verblüffend, mit welchen Klingeltönen die Menschen ihre Umwelt nerven. Die meisten sind arg scheußlich und zudem so laut, dass sie nicht nur dem Besitzer einen Anruf anzeigen, sondern auch noch die gesamte Umgebung im Umkreis von mehreren Metern erschreckt zusammenzucken lassen.

Es gilt: Möglichst einen dezenten Klingelton wählen. Es sein denn, man wird nie angerufen. Und auch nicht jede SMS oder Chatnachricht muss mit einem Pippi-Langstrumpf-Song angekündigt werden. Das gilt vor allem im Büro, im Restaurant aber auch gerne in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Wir sind nicht spießig, aber wir haben auch nur Nerven.

Öffentliches Telefonieren

Mit dem Telefonieren in der Öffentlichkeit ist das so eine Sache. "Hallo, ich bin gerade in der Bahn" oder "Du, ich steige in fünf Minuten aus" sind Informationen, die weder von politischem Interesse sind, noch so wichtig, dass sie dem halben Adressbuch mitgeteilt werden müssen.

Noch schlimmer ist es, wenn fremde Menschen lauthals am Telefon streiten, ihr Sexleben zum Besten geben oder mit sonst einer privaten Angelegenheit die Geduld ihrer Mitmenschen auf die Probe stellen. Deshalb: nicht jede Bahnfahrt und jeden Aufenthalt im Wartezimmer dazu nutzen, Telefonate zu führen. Jeder weiß mittlerweile, wie sehr das nervt.

Niesen

Es passiert immer wieder. Ohne Vorwarnung niest einem ein fremdes Gegenüber ins Gesicht und man fühlt sich ein wenig wie im Sprühregen. Grausig. Dabei ist es doch gar nicht so schwer: Wer niesen muss, wendet sich zur Seite und hält vielleicht noch die Hand vor den Mund, damit niemand die gesammelte Ladung abbekommt.

Geniest wird in ein Taschentuch, wenn das so schnell zur Stelle ist, sonst in die linke Hand. Mit links, weil du der netten Dame, die dir gegenüber sitzt, sicherlich gleich noch die Hand zum Abschied geben wirst.

Noch was: "Gesundheit" wünscht man laut Knigge nicht mehr, sondern man übersieht das Niesen geflissentlich. Auch "Hatschi, Schatzi" oder "Verrecke" sind nicht wirklich passend. Sich entschuldigen muss der Niesende jedoch auch nicht.

Körperkontakt

Wer mit jemand anderem nicht per du ist, sollte immer einen gewissen Mindestabstand einhalten. Oder magst du es, wenn sich ein aufdringlicher Kerl direkt vor deinem Gesicht aufbaut? Experten zufolge braucht jeder einen bestimmten Sicherheitsabstand, der im Idealfall ungefähr 60 Zentimeter beträgt. Das sind immerhin zwei Lineallängen! Näher kommen dürfen uns nur vertraute Menschen. Wer, das bestimmen wir.

Dieses Wissen solltest du auch beherzigen, wenn du einer alten Dame oder einem Blinden über die Straße hilfst. Nur weil die Dame unsicher auf den Beinen und der Mann sehbehindert ist, heißt das nicht, dass sie nicht gerne auf den 60 Zentimetern Mindestabstand bestehen. Also erst fragen, dann unterhaken.

Begrüßung

Gib der lieben Tante die Hand – so haben wir es als Kind gelernt. Wer und wie und in welcher Reihenfolge, musste sich uns später erschließen. Wer nicht aufgepasst hat, hier noch mal in aller Kürze. Auch in Zeiten von Alice Schwarzer und der Emanzipation gilt: Man gibt zuerst der Dame die Hand. Diese darf dabei sitzenbleiben.

Trifft man eine große Gruppe von Leuten mit mehreren Männern und Frauen, kann man auch der Reihe nach gehen. Ausnahme: Im Job gelten Stellung und Rang. Der Ranghöhere wird zuerst begrüßt. Heißt also: Zuerst sollte der Chef begrüßt werden und dann die Sekretärin oder Empfangsdame. Dabei sollte man sich auch von seinem Stuhl erheben.

Aber keine Ausnahme ohne Ausnahme: Im Privatleben gilt das nicht. Solltest du also deinen Chef bei einem Stelldichein mit seiner Sekretärin treffen, gibst du zuerst ihr die Hand.

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von Fiona Rohde