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Liebe & Psychologie

Unsichtbare Gefahr KO-Tropfen: Das solltet ihr darüber wissen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 17. Juli 2019

KO-Tropfen sind eine verdammt üble Sache. Wie ihr euch vor KO-Tropfen schützen könnt und wie das miese Zeug wirkt, erfahrt ihr hier.

Vielleicht rollt jetzt der ein oder andere von euch mit den Augen und denkt sich: "Das passiert mir nicht. Ich passe immer auf mein Getränk auf, wenn ich unter Leuten bin." So hab ich auch gedacht, bis ich eines Besseren belehrt wurde. Vielleicht kennt ihr aber auch bereits üble Geschichten über KO-Tropfen aus eurem Freundeskreis oder habt es selbst schon mal erleben müssen.

Eins ist jedenfalls klar: Das passiert nicht nur Frauen, die betrunken, unachtsam oder sonst was waren, sondern kann jedem passieren – und eben auch Männern. Deshalb hier die wichtigsten Fakten, damit ihr euch besser schützen könnt:

Was sind KO-Tropfen?

KO-Tropfen sind farb-, geruchs- und geschmackslos. Ihr merkt also nicht, wenn man euch etwas ins Glas getan hat.

Für KO-Tropfen werden verschiedene Betäubungsmittel verwendet. Es gibt nicht die eine Substanz. Verwendet werden z.B. GHB (Gammahydroxybuttersäure) und GBL (Gamma-Butyrolacton), besser bekannt unter dem Namen Liquid Ecstasy. Weitere mögliche Substanzen sind z.B. Valium, Ketamin, Rohypnol, Benzodiazepine und Barbiturate.

So wirken KO-Tropfen:

Meist denkt man ja, KO-Tropfen würden einen direkt ausknocken und bewusst- und/oder willenlos machen. Das kommt aber auf die Dosis an. Kleine Dosen wirken durchaus "nur" enthemmend und berauschend. Und das macht es so fatal. Man selbst merkt nicht, dass man komplett out of order ist, und das eigene Umfeld denkt, man hätte einfach zu viel getrunken.

Dennoch ist man in dieser "noch harmlosen" Phase schon nicht mehr wirklich Herr seiner selbst und ein leichtes Opfer für jeden Täter - egal ob er dich ausrauben will oder sexuelle Absichten hat.

Es soll ein paar Dinge geben, an denen du merken kannst, dass du eine der Substanzen intus hast. Das kann Schwindel, Benommenheit und Schläfrigkeit sein, aber auch Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen und der Verlust der Muskelkontrolle. Die Herzfrequenz kann runtergehen, bis zur Bewusslosigkeit, dir ist übel und dein Erinnerungsvermögen setzt aus.

Das Problem ist nur: Du selbst bist meist nicht in der Lage, diese körperlichen Symptome richtig zu deuten und die Situation richtig einzuschätzen. Du bist wie ausgeknipst und deine Kontrollinstanz ist halt einfach weg.

Außenwirkung und Blitzerinnerungen:

Deshalb ist es so wichtig, dass dein Umfeld ein Auge auf dich hat. Leider ist es oft so, dass auch das Umfeld nichts mitbekommt. (Bei Fällen, wo das Opfer bewusstlos wird, natürlich schon, aber vorher eben nicht). Auch meine Begleitung dachte, ich hätte einfach zu viel getrunken. Scheinbar wirkte ich aufgekratzt, wild, kommunikationsfreudig und enthemmt.

Ich selbst weiß davon nichts mehr. Mir fehlen circa fünf Stunden komplett und das Gefühl ist verdammt mies. Es ist wie ein schwarzer Vorhang, der runtergeht. Zum Glück haben mich meine Freundinnen irgendwann gut nach Hause gebracht.

Am nächsten Morgen fühlt man sich komplett zerscheppert. Das einzige, was man noch weiß, sind extrem kurzen Blitzerinnerungen, also dass du dich plötzlich an ein Bild oder eine kurze Miniszene erinnern kannst. Von diesen Blitzerinnerungen haben mir auch andere Betroffene erzählt. Sonst aber hast du einen kompletten Filmriss und weißt einfach nichts mehr.

Deshalb ist es so wichtig, dass ihr euch um eure Freunde kümmert, wenn ihr unterwegs seid. Auch wenn sie nervig und betrunken wirken und ihr euch den Abend anders vorgestellt habt. Klar ist es blöd, den Babysitter für eine Freundin zu spielen, die sich scheinbar grundlos abgeschossen hat. Aber lasst sie nicht allein in dem Moment. Egal, ob es "nur" Alkohol war oder eben KO-Tropfen: Hilflos ist man in beiden Fällen.

So könnt ihr euch schützen:

1. Achtet auf euer Getränk
Auch wenn es ausgelutscht klingt, aber es ist der beste Schutz: Achtet auf euer Getränk, lasst es nicht allein irgendwo stehen. Es geht schnell, euch etwas ins Glas zu tun. Auch wenn euch jemand auf ein Getränk einlädt, den ihr nicht kennt, achtet darauf, dass ihr bei offenen Getränken seht, wie sie zubereitet wurden oder dass es ein geschlossenes Getränk ist, das ihr selbst öffnet. Sich beispielsweise auf einer Party an einer offenen Flasche Sekt zu bedienen, ist nicht immer eine gute Idee.

2. Lasst Freunde nicht allein – feiert nicht allein
Achtet aufeinander, wenn ihr unterwegs seid. Vor allem Frauen sollten das tun – wobei auch Männer Opfer von KO-Tropfen werden können. Und ihr solltet immer schauen, dass alle heil nach Hause kommen und niemand alleine verschwindet oder zurückbleibt.

3. Macht den Test: Schnelltests für die Handtasche

Es gibt eine paar gute Erfindungen, die euch helfen, im Zweifelsfall Gewissheit zu haben. Zum Beispiel ein Armband, mit dem ihr euer Getränk auf KO-Tropfen hin testen könnt. Einfach etwas Flüssigkeit auf das Testfeld tröpfeln und nach zwei Minuten zeigt euch die Farbe an, ob es sich um KO-Tropfen handelt.

Das Armband heißt Xantus-Drinkcheck. Hier gibt's mehr Infos zum Testbändchen. (Hier ist das Bändchen im 4er-Pack online bei DM erhältlich)

Wer keine Lust auf ein sichtbares Armband hat (das allerdings auch Täter abschrecken kann): Es gibt auch einen Tropfen-Schnelltest in Form von kleinen Teststreifen, die du in der Tasche aufbewahren kannst und auf die du bei Bedarf einen Tropfen deines Getränks gibst. Das Ergebnis wird dir meist schon nach zwei Minuten angezeigt. Hier kannst du den TDD-KO-Tropfen-Schnelltest direkt auf Amazon kaufen.

Ein weiteres Produkt dieser Art sind diese Teststreifen: KO-Tropfen Drogentest für Getränke von Bavarian Lifescience (hier auf Amazon erhältlich).

Vorsicht: Wer sich unsicher ist, ob sein Getränk gepanscht ist, der sollte diese Teststreifen immer dabei haben. Dennoch muss man dazu sagen: Viele dieser Produkte können nur GHB, also die gängigste Form von K.O.-Tropfen erkennen. Viele andere Substanzen werden nicht erkannt. Die sicherste Methode im Zweifelsfall ist also immer, das Getränk stehen zu lassen.

Das solltet ihr im Ernstfall tun:

1. Nicht zögern, den Notarzt rufen
Wenn ihr selbst das Gefühl habt, dass mit euch etwas nicht stimmt oder bei jemandem in eurer Umgebung, dann scheut euch nicht, Hilfe zu holen – unter 112. Vor allem wenn jemand droht bewusstlos zu werden oder bewusstlos ist, solltet ihr den Notarzt rufen (der im übrigen unter Schweigepflicht steht). Nicht selten kann es unter KO-Tropfen gemischt mit Alkohol zu einem Atemstillstand oder Herzstillstand kommen.

2. Macht einen Test
Leider kann man K.O.-Tropfen (je nach Substanz) nur 6 bis 8 Stunden lang im Blut nachweisen. Im Urin 12 bis 14 Stunden nach der Einnahme. Deshalb reagiert schnell, wenn ihr Schlimmes vermutet und macht einen Test. Seid ihr zum Zeitpunkt des Geschehens nicht in der Lage, einen Test bei einem Arzt oder einer Ambulanz zu machen, nehmt eine Urinprobe und stellt sie im Kühlschrank kalt.

Leider sind Krankenhäuser nicht verpflichtet, Urin- oder Blutproben zu nehmen und gerichtlich verwertbar zu sichern. Macht man keine Anzeige bei der Polizei, muss man den Test zudem oft aus eigener Tasche bezahlen. Ist es jedoch unter dem Einfluss von KO-Tropfen zu einer sexuellen Straftat gekommen, solltet ihr diesen Weg dennoch gehen und die Beweise unbedingt sichern.

3. Bei sexuellen Straftaten: Geht zum Arzt
Ist es unter Einfluss von KO-Tropfen zu einer sexuellen Straftat gekommen, solltet ihr zudem einen Gynäkologen konsultieren, um Verletzungen zu versorgen und zu dokumentieren, evtl. die Pille danach zu nehmen und sich über evtl. Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten zu informieren. Ein HIV-Test ist zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sinnvoll.

Hier bekommt ihr Rat und Hilfe:

Wichtige Infos findest du auch hier auf der Seite vom Weissen Ring.

Hier auf der Seite Frauen-gegen-Gewalt findest du Telefonnummern, unter denen du Rat und Hilfe bekommst.

Fehlen euch etliche Stunden, die ihr nicht rekonstruieren könnt, solltet ihr zudem darüber nachdenken, einen Aids-Test beim Gesundheitsamt oder bei Stellen der Deutschen Aidshilfe in eurer Stadt zu machen. Hier kennt man sich auch mit dem Thema aus und kann euch weiter beraten. Dieser Test macht jedoch erst nach sechs Wochen Sinn, da sich vorher keine Antikörper im Blut nachweisen lassen.

Video-Tipps zur taktischen Selbstverteidigung:

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