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Kognitive Verhaltenstherapie

von der Redaktion Veröffentlicht am 20. Februar 2008
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Phobien, Bulimie, Suchtverhalten… Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) wird immer häufiger empfohlen um bestimmte alltägliche Verhaltensstörungen zu behandeln. Das Leitmotiv lautet dabei: schnelles Erlernen positiveren Verhaltens und aktive Teilnahme des Patienten.

Die Arbeit an den Symptomen
Die kognitive Verhaltenstherapie wird als "aktive Therapie" bezeichnet, da sie sich auf einen wissenschaftlichen Ansatz und auf die Theorie des aktiven Lernprozesses stützt um bestimmte psychologische Störungen zu verstehen und zu behandeln.
Im Gegensatz zur Psychoanalyse (analytische Therapie), die vor allem darauf abzielt die tief liegende Ursache einer Störung zu ermitteln, will die kognitive Verhaltens-therapie dysfunktionale Denkmuster (unlogische, irrationale, verallgemeinernde Denkschemata und Bewertungen) bzw. negative Verhaltensmuster verändern: Sie stützt sich auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Angst erlernt wird und wieder verlernt werden kann. Das fehlerhafte Denkmuster, das der Entstehung und Aufrechterhaltung der psychischen Störungen (z.B. Angstzustände) zu Grunde liegt, soll durch verhaltenstherapeutische Techniken durchbrochen werden um dann konkret das Verhalten zu beeinflussen.

Das Prinzip
Die kognitive Verhaltenstherapie basiert auf zwei komplementären Ansatzpunkten: Verhalten und Kognitionen (Gedankenprozesse, Bewertungen, Überzeugungen und Wahrnehmung des Umfeldes). Ziel ist, kognitive und verhaltensorientierte Verfahren (praktische Übungen, konkrete Konfrontation mit kritischen Situationen) einzusetzen um eine Veränderung kognitiver Muster und bestimmter Verhaltensweisen zu bewirken.
- Bei der verhaltenstechnischen Methode wird der Patient progressiv mit für ihn beängstigenden Situationen konfrontiert.
- Die kognitive Methode zielt darauf ab, langfristig die Denkweise des Patienten zu beeinflussen, die sich seiner Kontrolle bzw. seinem Willen entzieht und jeglicher rationalen Logik entbehrt.
Die Effizienz der kognitiven Verhaltenstherapie resultiert aus dem simultanen Einsatz von kognitiven und verhaltenstechnischen Methoden um die Schemata aufzubrechen, die der affektiven Störung zu Grund liegen.
Es wird dabei davon ausgegangen, dass ein gestörtes Verhalten durch die Bewusstwerdung der Störung und das konkrete Erlernen neuer Gewohnheiten korrigiert werden kann. Der Therapeut spielt eine Modellrolle, die den Patienten anleitet und von diesem letztendlich imitiert werden soll.
Häufig angewendete Techniken sind die systematische Desensibilisierung und Konfrontationstechniken (anhand konkreter Situationen), aber auch die operante Konditionierung und das Erlernen sozialer Fähigkeiten.

Welche Störungen können geheilt werden?
Die kognitive Verhaltenstherapie hat sich vor allem bei der Behandlung der folgenden Leiden als effizient erwiesen: Phobien (Agoraphobie, Claustrophobie, Arachnophobie, soziale Phobie), Zwangserkrankungen, Angstattacken, Bulimie, Depressionen, post-traumatischer Stress, sexuelle Störungen, Suchtverhalten, Tabakentwöhnung...

Wie läuft eine Sitzung ab?
Eine Therapiesitzung dauert oft 45 bis 60 Minuten. Sie wird vom Therapeuten als Einzel- oder Gruppensitzung (Rollenspiele bei sozialen Phobien, Konfrontation mit einer Menschenmasse bei Agoraphobie, Muskelentspannung bei Angstattacken...) durchgeführt.
Die Prozeduren sind objektiv und können damit bei allen unter denselben Störungen leidenden Patienten angewendet werden.
Der Patient beschreibt sein Leiden (seine Störung) sowie dessen Symptome damit der Therapeut anschließend das Gedankenschema, das zu diesem "Fehlverhalten" führt, analysieren und seinem Patienten ein anderes Denkmuster suggerieren kann. Die größte Schwierigkeit besteht für den Patienten dann darin, sich die gefürchtete Situation vorzustellen oder sich mit ihr zu konfrontieren. Doch genau darin liegt auch die Effizienz dieser Therapiemethode.
Das Gehirn des Patienten wird sich progressiv eine andere Denkweise einprägen um seine Denkfehler durch diese zu ersetzen. Resultat: Eine einst gefürchtete Situation ist nach erfolgreicher Therapie nicht mehr beängstigend, der Patient kann sich der ehemaligen Angstquelle mühelos stellen.
Natürlich sind die Sitzungen nur effizient, wenn der Patient auch anhand gezielter individueller Übungen zu Hause an sich arbeitet. Die Verhaltensveränderung findet nur allmählich, im Verlauf der fortschreitenden Therapie, statt. Der Patient ist zum Beispiel nach und nach fähig in einer Versammlung das Wort zu ergreifen, den Aufzug nehmen, eine Spinne zu berühren...

Muss die Therapie medikamentös unterstützt werden?
In gewissen Fällen ist es empfehlenswert, die kognitive Verhaltenstherapie mit bestimmten Medikamenten zu unterstützen um die Symptome zu lindern (z.B. bei Zwangserkrankungen kann der Psychiater ein Antidepressivum verschreiben).

In der Praxis
Die kognitive Verhaltenstherapie wird von einem zum Verhaltenstherapeuten ausgebildeten Psychotherapeuten durchgeführt. Verhaltenstherapeuten können als Grundberuf den Arzt-, Psychologen oder Pädagogenberuf ausüben. Die Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten wird mit einem Abschlusszertifikat beglaubigt, das von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie ausgestellt wird.
Generell erstreckt sich die kognitive Verhaltenstherapie über 20 bis 30 Sitzungen a 50 Minuten, die meist in einem Wochenrhythmus durchgeführt werden.
Die Kosten einer Sitzung können stark variieren und belaufen sich auf 40 bis 100 €. In Deutschland kann die Verhaltenstherapie auf Antrag des Therapeuten bei der gesetzlichen Krankenkasse zurückerstattet werden.

von der Redaktion

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