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Minimalismus: Der Weg mit weniger glücklich sein

von Fiona Rohde Erstellt am 04.03.19 um 17:00, geändert am 25.06.21 um 17:00
Minimalismus: Der Weg mit weniger glücklich sein © pexels

Minimalismus lebt von der Überzeugung, dass weniger mehr ist und dass uns Besitztum nicht glücklich macht. Für alle Einsteiger hier die wichtigsten Tipps.

Ballast abzuwerfen, sein Hab und Gut mal zu reduzieren tut gut. Diese Erfahrung habe ich genauso gemacht wie viele andere Menschen. Vollgestopfte Keller, Abstellkammern und Wohnungen, in denen man sich kaum mehr wohlfühlt, vor lauter Zeugs, sind Minimalisten ein Graus.

Und ganz im Ernst: Wenn das Schlafzimmer voll ist mit Krempel wie Bügelbrett, Wäschekorb, Klamottenbergen und riesigen Schrankwänden, die überquellen, dann soll das der Ort sein, wo man abends zur Ruhe kommt? Ganz zu schweigen davon, dass man hier Romantik und Erotik erleben soll? Aber minimalistisch zu leben bedeutet noch mehr als mit wenig Besitz zu leben. Es ist eine Lebenseinstellung.

Video von Justin Amaral

Was genau ist Minimalismus?

Beschränkung auf das Wesentliche, also das, was man zum Leben auch wirklich braucht. Aber minimalistisch zu leben bedeutet eben auch hier und da Verzicht. Minimalismus ist also ein bewusst gewählter Lebensstil, der sich gegen Materialismus und Konsumwahn stellt. Es geht darum, seine Wertvorstellungen im Leben zu hinterfragen. Es ist nämlich ein himmelweiter Unterschied zwischen etwas, was wir wirklich zum Leben brauchen und etwas, was wir meinen zu brauchen.

Wie genau man Minimalismus lebt, ob mit einer Beschränkung von Besitz auf 500 Dinge, oder eben nur mit einem kritischen Konsumverhalten entscheidet jeder selbst. Allen Minimalisten gemein ist jedoch, dass sie sich von ihrer Art zu leben mehr Zufriedenheit und Selbstbestimmung wünschen. Denn das ist das Ziel. Sich frei machen von gesellschaftlichen Erwartungen und Automatismen, hin zu bewusstem Handeln und Leben.

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Woher kommt Minimalismus?

Minimalismus, oder auch Minimal Art: Ursprünglich stammt der Begriff aus der Kunst, die sich in ihrer Reduziertheit vom Abstrakten Expressionismus absetzen wollte. Sie entstand in den frühen 1960er Jahren in den USA und strebte nach mehr Klarheit, Objektivität, und Logik in der Darstellung. Schnörkellos, geometrisch und ohne jedes schmückende Beiwerk.

Dieser Begriff wurde später adaptiert für eine Lebensweise, die bestehendes Konsumverhalten hinterfragt und neue Wege für sich findet, den Alltag sinnvoller zu gestalten, indem man dem Konsum abschwört. Wie genau das aussieht, ist sicher für jeden anders geartet. Jeder sollte hier für sich aus freien Stücken entscheiden, was für ihn genug ist. Allen gemein ist jedoch, dass sich Minimalisten die Frage stellen: Was will ich einfach nur haben und was brauche ich wirklich?

Oftmals haben wir uns nämlich angewöhnt, bestimmten Dingen eine emotionale Bedeutung zuzusprechen. Und dann haben wir aufgehört uns weiter nach dem Sinn dahinter zu fragen. Allein schon der von mir so gehasst Satz "Eine Frau kann nie genug Schuhe besitzen." Das ist nicht nur sexistisch und ein altes Klischee, davon mal ganz abgesehen ist es auch das Gegenteil von nachhaltigem Leben und sinnvollem Konsumverhalten. Auf Kosten unseres Planeten und somit auf Kosten der nachfolgenden Generationen. Denn der Klimawandel ist bereits in vollem Gange und letztlich nur noch zu verlangsamen.

Man kann sehr wohl einen emotionalen Bezug zu Dingen haben, zum Beispiel zu Erbstücken oder Dingen, mit denen wir Erinnerungen verbinden. Und die sollte auch niemand weggeben, wenn es ihm schwerfällt. Aber es gibt eben auch viele Dinge, z.B. so genannte Statussymbole, die wir mit einer Bedeutung aufladen, die wir durchaus mal hinterfragen sollten. Warum muss ein Auto so viel wie ein ganzes Reihenhaus kosten, nur weil es eine bestimmte Marke ist, mit der wir ein bestimmtes Bild verbinden?

Und dieses Beispiel Konsumgüter kritisch zu beäugen, sollten wir in unserem Alltag Tag für Tag tun und danach Entscheidungen treffen, ob etwas für uns wirklich wichtig, in Ordnung oder tragbar ist oder eben nicht.

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Beweggründe für Minimalismus als Lebensstil

Gründe, minimalistisch zu leben gibt es viele. Einer ist natürlich, etwas gegen den Klimawandel zu tun und den nachfolgenden Generationen einen bewohnbaren Planeten zu hinterlassen oder zumindest die Chance darauf. Ein anderer ist sicher ein gutes Gewissen zu haben, weil man sich eben nicht ständig zum blinden Konsum verleiten lässt.

Vielleicht tut es dir aber auch im tiefsten Inneren gut, materielle Dinge loszulassen und zu beginnen, das Schöne in kleinen Dingen zu sehen. Oder du wirst durch weniger Besitz das Gefühl haben, nicht gebunden zu sein, ein Gefühl der Flexibilität und der Freiheit, weil du jederzeit deine Zelte abbrechen und woanders neu aufschlagen kannst.

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Tipps, um minimalistisch zu leben

1. Mach dir dein eigenes Ziel klar

Warum willst du minimalistischer leben? Weil dich deine vollgestopfte Wohnung irgendwie unterbewusst belastet? Weil du das ständige Aufräumen und Suchen leid bist oder weil du für dich festgestellt hast, dass der ewige Konsum nichts gegen den Klimawandel tut und wenig nachhaltig ist? Mach dir das zunächst einmal klar, denn genau das wird in Zukunft dein Antrieb sein, die Kraft, die dich leitet und stark in deiner Haltung als Minimalist sein lässt.

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2. Der erste, große Schritt: Ausmisten und Platz schaffen

Anfangs braucht man schon Energie und Wille, um erst einmal Platz für das Wesentliche zu schaffen. Das ist zunächst einmal ein Akt, weil sicher die meisten von uns sehr viel im Laufe der Jahre an Besitz angehäuft haben. Wer gerade erst von daheim ausgezogen ist, hat da bessere Karten. Auch wer gerade umziehen muss, wird sich sicher für einen radikalen Schnitt begeistern können.

Für alle anderen gilt: Wenn ihr euch reduziert und plötzlich Platz und Luft in eurer Bude habt, dann wird das ein sehr gutes Gefühl sein. Versprochen. Wichtig: Klein anfangen – Groß enden. Beginne erstmal mit einem Schrank oder einem kleinen Raum und arbeite dich dann langsam vor.

Nimm dir einen großen Korb oder Karton und gehe deinen Besitz Stück für Stück durch. Überleg bei jedem Gegenstand, ob du ihn wirklich brauchst. Mach es in dem Tempo, wie es für dich richtig erscheint und steigere dich dann langsam. Kleidung, Gegenstände des täglichen Gebrauchs, Kosmetikartikel: Alles sollte für dich sinnvoll sein. Wenn nicht, ab in den Korb.

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3. Nutz das Prinzip von Marie Kondo

Sicher stolpert jeder, der sich für einen minimalistischen Lebensstil interessiert über ihren Namen: Marie Kondo. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, wie äußere Ordnung eine innere Ordnung bedingen kann. Dafür hat sie ein Prinzip entwickelt, wie man Ordnung in seiner Wohnung und somit in seinem Leben schaffen kann, beispielsweise wie man seinen Kleiderschrank ganz einfach ausmisten kann.

Ihr Kredo dabei: Wer weniger besitzt, hält leichter Ordnung und hat den Überblick. Das spart letztlich Zeit, Nerven und Geld in einem. Sie hat dafür die KonMari-Methode entwickelt, die besagt: Behalte nur Dinge, die dich auch glücklich machen und trenn dich von allem anderen (den Link zu ihrem Buch findest du weiter unten).

In neunundneunzig Fällen von hundert lohnt es sich nicht, ein Ding aufzubewahren. Es nimmt nur Raum fort, belastet dich; hast du schon gemerkt, dass du nicht die Sachen besitzt, sondern dass sie dich besitzen? (Kurt Tucholsky, 1890 – 1935)

4. So erhältst du dir die neue Leichtigkeit des Minimalismus

Wenn man sich die Mühe gemacht hat, seinen Besitz zu reduzieren und sein Zuhause zu entrümpeln, denkt man meist, das Gröbste sei geschafft. Und ja, es ist sicherlich die erste große Kraftanstrengung auf dem Weg zum minimalistischen Leben. Dennoch ist es ebenso eine Herausforderung, diesen neuen Status auch zu halten. Deshalb erfordert das schon im Alltag eine gewisse Disziplin, um nicht in alte Muster zu rutschen.

Ein Tipp: Statt Dinge, die du brauchst, neu zu kaufen oder alte, reparaturbedürftige auszuwechseln, solltest du den alten Gedanken des Networking für dich nutzen. Man kann sich gegenseitig aushelfen, Dinge leihen oder tauschen und vor allem kann man Altes reparieren lassen. Tipp 2: Überlege dir vor jeder Neuanschaffung, ob es nicht auch anders geht. Und wenn du dir neue Dinge kaufst, überleg, ob es dafür etwas gibt, was du hergibst, also z.B., dass du dir einen neuen Mantel für den Winter kaufst und dafür ein altes Modell, das du kaum mehr trägst, Second Hand verkaufst.

Tipp 3: Sei bitte kein Meister in Sachen Wegsortieren und Verstauen. Das führt meist dazu, dass man sich selbst belügt, indem man das Wegpacken so perfektioniert, dass man meint, wenig zu besitzen, weil man die Dinge aus dem Blickfeld geräumt hat. Stichwort Keller oder vollgestopfter Kleiderschrank. In diesen Falle solltest du nicht tappen. Also sei kein Wegräum-Weltmeister – sondern ehrlich zu dir.

Übrigens: Echte Anhänger des Minimalismus legen für sich sogar eine Anzahl von Dingen fest, die sie besitzen dürfen und nicht mehr, seien es 100, 500 etc. Das ist natürlich eine krasse Ansage, das musst du als Minimalismus-Neuling noch nicht können, aber eine Überlegung ist es wert.

5. Minimalismus: Die Leichtigkeit des Seins spüren

Der wichtigste Punkt ist jedoch das, was du aus all dem machst. Für dich und letztlich auch deine Gesundheit. Horch in dich hinein und du wirst merken, ob die minimalistische Lebensweise dich freier macht als vorher. Oftmals fühlen wir uns, wenn wir dem Konsumdruck und dem Druck Geld und Warenwert anzuhäufen, entsagen, auf einmal unfassbar leicht und unbeschwert. Du sparst Geld, du sparst Zeit (nämlich die, in der du das Geld verdienen musst, das du ausgibst) und du hast den Kopf plötzlich frei für Wesentliches.

Aufräumen, putzen, ordnen, Dinge suchen, Dinge kaufen und zurückschicken, Dinge im Kopf haben, die wir noch brauchen: All das kannst du deutlich reduzieren. Und es macht zudem absolut Sinn. Nutze die Zeit bewusst für schöne Dinge. Zeit mit der Familie, mit Freunden, für Gespräche und - auch wichtig - für Zeit nur für dich allein.

Video: Ja zu Second Hand! Diese Dinge solltest du immer gebraucht kaufen

Video von Sarah Glaubach

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