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Liebe & Psychologie

Minimalismus & Zero Waste: Warum du 2019 dein Leben umkrempeln solltest

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 4. März 2019

Alle haben in diesen Tagen ihre guten Vorsätze. Kein Alkohol, weniger Smartphone, mehr Sport. Meist hält das dann vier Wochen und danach geht man zur Tagesordnung über. Warum also nicht mal einen Vorsatz nehmen – und dann einfach für immer beibehalten? Über Minimalismus und Zero Waste und wie du ein besseres Leben führen kannst – zumindest mit besserem Gewissen.

Nehmen wir das neue Jahr zum Anlass, uns ein paar Regeln aufzuerlegen, an die wir uns ab jetzt halten. Und wir meinen nicht, sich Backhendl und Bier für 31 Tage zu verkneifen, sondern – ja, unser Ernst – ein besserer Mensch zu werden, nachhaltiger und bewusster zu leben. Und auch nicht nur für einen Monat, sondern für immer.

Nicht, weil wir uns gerne kasteien, sondern weil wir es diesem hübschen blauen Planeten namens Erde schulden, endlich ein wenig nachhaltiger und bewusster zu leben. Oder möchte man seinen Kindern irgendwann mal erklären, warum die Welt zu einem Planeten voll Müll und Gestank geworden ist, wir aber zu bequem waren, etwas dagegen zu tun?

Was ändern: ja. Aber wo anfangen?

Viele von euch würden sicherlich gerne was tun, waren aber bislang zu bequem oder wissen einfach nicht, wo sie anfangen sollen. Es gibt so viel, was man anders und besser machen müsste: Seriöser Müll trennen, häufiger fair und nachhaltig hergestellte Produkte kaufen, sich kundig machen, wo was herkommt, grundsätzlich weniger konsumieren.

Und egal, wo du anfängst und sei es nur ein kleiner Aspekt: Es macht Sinn. Die Weltpolitik sieht derzeit nicht gerade danach aus, als würde sie sich um die Folgegenerationen scheren. Deshalb ist jeder einzelne von uns gefragt.

Und wenn du jetzt denkst: "Was hab ich mit Weltpolitik zu tun? Wenn die "da oben" nichts ändern, was kann ich dann schon ausrichten?" - Das ist ein Irrglaube. Jeder von uns kann im kleinen dafür sorgen, dass die Welt ein Stück besser wird. Auch du. Einfach, indem du diesen Artikel liest und dir danach Gedanken machst über Dinge wie Minimalismus und Zero Waste. Erde und Karma, wir kommen!

Minimalismus: Was brauche ich wirklich?

Zum Thema Besitz sagt Brad Pitt, im Film 'Fightclub', zu Edward Norton: "Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich." Fakt ist: Wir besitzen viel zu viel und kaufen ständig mehr. Um uns dann wieder zu wundern, dass unsere Schränke und Wohnungen aus allen Nähten platzen und wir uns nicht wohl fühlen und Dinge wegwerfen müssen.

Und das ist ein reines Luxusproblem, das nur Menschen kennen können, die im Überfluss leben und die den Bezug zum richtigen Maß verloren haben. Wer kaum weiß, was er am nächsten Tag essen soll, der muss sich sicherlich nicht Gedanken über Minimalismus machen.

Die Tatsache, dass Menschen wie The Minimalists oder die japanische Bestsellerautorin Marie Kondō mit ihren Büchern über Wegwerfen und Aufräumen als Ausgangspunkt einer inneren Ordnung Millionen von Menschen geradezu angefixt hat, zeigt, dass hier ein Bedürfnis da ist. Das Bedürfnis, sich zu fragen, was man wirklich braucht und was nicht. Weil wir längst nicht mehr konsumieren, weil wir etwas brauchen, sondern letztlich ohne Sinn und Verstand.

Ziel: Nur 100 Dinge besitzen

Auch der aktuelle Film mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer ("100 Dinge") dreht sich um das Thema Minimalismus und der Prämisse, nur 100 Dinge zu besitzen. Und wer sich die Mühe machen mag, und mal zählen möchte, wie viel er wirklich so in seiner Wohnung anhäuft, der wird merken: Wir besitzen unfassbar viele Dinge.

Bei den meisten Dingen können wir gar nicht sagen, warum wir sie haben. Oder wir glauben, dass wir sie "irgendwann vielleicht doch noch mal brauchen werden". Auch ein "das ist doch noch gut" gibt vielem Besitz in unseren Augen ein Daseinsrecht. Fakt ist: Wir brauchen sie nicht.

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Marie Kondō: Das große Magic-Cleaning-Buch: Über das Glück des Aufräumens, gebunden, 15,- €, März 2019, Jetzt hier direkt auf Amazon ansehen

Der Klamottenberg als Inititalzündung

Zugegeben: Es ist nicht einfach, sein Leben zu entmüllen und minimalistisch und nachhaltig zu leben. Das weiß ich selbst zu gut. Ich gehöre auch zu den Anhängern des Minimalismus und bekomme in regelmäßigen Abständen einen Rappel und entrümpel meine Bude, gebe Sachen weg, verkaufe oder spende sie.

Der Moment, in dem ich realisiert habe, wie unnatürlich viel man so besitzt, war, als ich eine Zeit lang jedes Jahr umgezogen bin. Dieser Moment, als ich meine Schränke ausgeräumt habe und merken musste: 'Krass, war das alles gut verstaut und weggepackt!' Seine Schränke komplett Ausräumen und den Klamottenberg auf sich wirken lassen, ist übrigens ein Tipp von Marie Kondō. Denn dann wird einem erstmal bewusst, wie unfassbar viel man besitzt und dass man eigentlich nur einen Bruchteil davon braucht.

Bei mir gibt es zum Beispiel keinen Keller mehr. Denn was da landet, vermisst niemand. Zack, Wohlfahrts-Organisation angerufen und den gesamten Inhalt gespendet. Und ich kaufe auch nicht mehr jeden Mist, nur weil es gerade Trend ist, sondern überlege immer dreimal, ob ich das wirklich brauche. Und ich kaufe vieles gebraucht - sei es Kleidung, Möbel, mein Fahrrad oder Haushaltsgegenstände.

Ich kann voll und ganz unterschreiben, was Milena Glimbovski in ihrem Buch 'Ohne Wenn und Abfall' schreibt: "Minimalistisch leben kostet nicht viel Zeit, im Gegenteil, weniger Zeug bedeutet weniger Zeitverschwendung. Man lernt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und herauszufinden, was das Wesentliche überhaupt ist." Konsum betäubt uns, lenkt uns ab - und zwar von weitaus wichtigeren Dingen im Leben.

Alle, die sich für Faire Mode interessieren, Marie Nasemann stellt regelmäßig stylische nachhaltige Labels auf ihrem Blog vor.

Zero Waste: Weniger Konsum, weniger Müll

Das Thema Minimalismus ist eng gekoppelt mit der Idee von Zero Waste. Alles, was wir kaufen, wird eben auch produziert und landet irgendwann auch wieder im Müll. Und so produziert jeder von uns 617 Kilo Abfall pro Jahr, wie ​Milena Glimbovski in ihrem Buch schreibt.

Wenn wir z.B. jedem Modetrend nachlaufen, merken wir auch schnell, dass wir immer mehr Klamotten anhäufen (billigst hergestellt in Ländern, in denen Mindestlohn womöglich ein Fremdwort ist und am besten noch mit Pestiziden veredelt), und kaum ist der Trend vorbei, landet das gute Stück wenn es hochkommt in der Altkleidersammlung - oder direkt im Müll.

Man muss sich auch ehrlich fragen, warum wir erst jetzt darauf kommen, Plastikstrohhalme EU-weit zu verbieten? Oder Plastiktüten abzuschaffen? Und warum jede Tube und jedes Lebensmittel doppelt und dreifach in Plastik eingepackt ist. Selbst die Bio-Gurke beim Discounter gibt es nur im Plastikmäntelchen. Das alles braucht kein Mensch, verunreinigt aber unsere Weltmeere und Kontinente.

Wer etwas ändern möchte: Autorin und Zero-Waste-Aktivistin Milena Glimbovski hat ein Buch über Zero Waste geschrieben, wie man in allen Lebensbereichen dem Verpackungswahn entgehen und Müll vermeiden kann. Und sie ist Gründerin des Berliner Lebensmittelgeschäftes Original Unverpackt, wo Waren ohne Einwegverpackungen verkauft werden. Entsprechende Läden gibt es sicher auch in deiner Stadt.

Buchtipp zum Thema:
Milena Glimbovski: Ohne Wenn und Abfall: Wie ich dem Verpackungswahn entkam, Kiwi, 12,90,- €, 2017,
Jetzt hier direkt auf Amazon ansehen.

Das kannst auch du tun:

Und, auch angefixt? Es gibt viel, was du ändern kannst. Such dir das raus, was du für dich gut umsetzen kannst und fang an. Hier ein paar Ideen:

  • eigenes Konsumverhalten bei jedem Produkt hinterfragen: Brauche ich das wirklich?
  • ausmisten und Dinge weggeben, die man nicht mehr braucht
  • bei Dingen, die man kauft, auf die Herstellung achten (Fairtrade Produkte, Bio- und Öko-Siegel beachten, keine Waren aus Massentierhaltung etc.)
  • bei Waren auf die Verpackung achten, z.B. Unverpackt-Läden in deiner Nähe ausfindig machen
  • Plastikverpackung vermeiden, Tupperdosen und Jute-Beutel ersetzen Plastiktüten etc. (Zero Waste: 5 geniale Produkte für weniger Plastik im Alltag)
  • sich eine Capsule Wardrobe zulegen (Capsule Wardrobe: Im Kleiderschrank ist weniger jetzt mehr!)
  • statt gedruckten Büchern, E-Books kaufen oder in die städtische Bücherei gehen und sie ausleihen
  • Kinderklamotten weitergeben und selbst Second Hand kaufen
  • ein jährliches Flugkonto für sich anlegen: Wie viele Flüge pro Jahr sind noch ökologisch vertretbar, welche entbehrlich, wie z.B. Inlandsflüge?
  • ​alles, was geht, mit dem Rad oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln machen
  • sich über Zero Waste kundig machen, Milena Glimbovski gibt in ihrem Buch Tipps zu jedem einzelnen Lebensbereich, von Ernährung, Körperpflege über Reisen bis zur Kleidung.
  • Themen wie Nachhaltigkeit, Zero Waste und Konsum zum Unterhaltungs-Thema bei Freunden und Bekannten machen

Egal, welchen Aspekt du dir rauspickst und wo du anfängst: Mach es! Es gibt wenig, was so viel Sinn macht.

Buchtipp zum Thema:
Anneliese Bunk / Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik,oekom verlag, 13,- €, Februar 2016, broschiert,
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Für diese Styling-Tricks brauchst du nichts Neues kaufen!

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