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Liebe & Psychologie

Nomophobie: Wenn die Hölle Funkloch heißt

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 29. März 2019

Es gibt ja viele Phobien. Eine davon ist die Nomophobie. Und wir lehnen uns jetzt nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass sicherlich viele von uns unter Nomophobie leiden. Wir verraten euch, was es damit auf sich hat.

Sicherlich geht es vielen so wie mir: Wenn ich das Haus ohne mein Smartphone verlasse, fühle ich mich nackt. Total nackt. Da kann ich eher meine Handtasche komplett zuhause lassen, aber das Phone muss mit.

Wie konnten wir bloß "ohne" leben?

Dabei bin ich noch in einer Zeit aufgewachsen, in der ein Telefon eine Schnur hatte, das in der Wand verschwand und das einem einen ähnlich erfreulichen Bewegungsradius beim Telefonieren erlaubte wie eine Gummizelle im Knast.

Dennoch frage ich mich heute: Wie konnte man damals Verabredungen einhalten, ohne die Möglichkeit sich von unterwegs kurz zu melden? Wie konnte man ohne Smartphone im Alltag überleben? Wie viele Kilometer lang musste ein Notizzettel sein, der auch nur annähernd all die Informationen umfasste wie heute unsere geliebtes Smartphone?

Nomophobie und POPC (Permantly Online, Permantly Connected)

Diese kleine Panik, wenn man merkt, dass das Smartphone nicht da ist, wo es sein sollte, nämlich an der eigenen Seite - kommt euch das auch bekannt vor? Dann seid willkommen in der Welt der Nomophobie. Denn für das Phänomen gibt es diesen feschen Namen. Nomophobie ist ein Kofferwort aus dem Englischen (genauer gesagt eine vom UK Post Office geprägte Abkürzung) und bedeutet soviel wie "Kein-Mobiltelefon-Angst" (No-Mobile-Phone-Phobia).

Was witzig klingt, ist durchaus ernst zu nehmen. Denn unsere Kinder wachsen ja bereits mit der digitalen Dauerpräsenz auf. Und so wundert es nicht, dass laut einer Pisa-Studie 41 Prozent der Digital Natives Nomophobiker sein sollen.

Eine Studie der DAK und des Hamburger Uniklinikums besagt, dass 2,6 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen heute von den sozialen Medien abhängig sind. Jeder fünfte kommuniziert mit einem Großteil seiner Freunde nur noch über die sozialen Netzwerke statt live.

Ganze 95 Prozent der Jugendlichen besitzen ein eigenes Smartphone und schauen alle sieben Minuten auf ihr Display. Insgesamt verbringen sie fünf Stunden am Tag damit, mit ihrem Smartphone online zu sein, zu WhatsAppen, zu simsen, zu surfen oder zu posten. Und da sind Computerspiele noch nicht mit einberechnet wohlgemerkt.

Unser Smartphone - das ausgelagerte Hirn

Nomophobie bezeichnet das, was längst normal für viele von uns geworden ist. Der erste Blick am Morgen, der letzte Blick am Abend gilt ihm, unserem Smartphone. Kein Musikkonzert, kein Treffen mit Freunden, ohne das wir simsen, twittern, snappen, streamen, whatsappen, fotografieren, posten, liken oder sonst irgendwas auf unserem treuen Begleiter checken.

Es soll ja sogar Menschen geben, die mitten beim Sex an ihr Handy gehen, wenn es klingelt, vibriert oder sonst einen Ton von sich gibt, aus Angst etwas Wichtiges zu verpassen.

Wir haben uns nur allzu schnell an die Vorzüge des portablen Telefons gewöhnt, das Mailzentrum, Telefon, Wetterstation, sozialer Verknüpfungspunkt, und bei manchen sogar ausgelagertes Gehirn, in einem ist. Und sicherlich sind auch viele von euch schon native Nomophobiker, also kennen es gar nicht anders.

Der Teufel heißt: "E"

Wer Nomophobie kennt, der kennt ganz sicher auch "Fobo" ("Fear of being offline") - also die Angst, offline zu sein.

Denn wer ein Smartphone hat und schon mal in der Walachei unterwegs war, der weiß: Es gibt nichts Schlimmeres für einen Nomophobiker, als ein sich entleerender Akkubalken - und kein Ladekabel und keine Steckdose in Sicht. Oder die verdammten fehlenden Balken und das gefürchtete "E" links oben. Die Hölle hat heute einen anderen Namen, sie heißt Funkloch!

Und es ist ja auch verständlich, denn oft ist das Smartphone für uns wie der Rettungsring auf offener See: Es ist die Verbindung zu unseren sozialen Kontakten, unsere Eintrittskarte, um dabei zu sein, wenn andere in Urlaub fahren, sich verloben oder einfach nur ihre Sushi-Portion auf Insta posten. Für manche sind sogar diese virtuellen Freunde, die sie via Smartphone haben, die einzigen Freunde, die sie haben - aus welchen Gründen auch immer.

Emotionen, Freude und Ängste vereint

Und da kann uns zehnmal klar sein, dass wir absolut gar nichts verpassen, wenn wir mal nicht alle 30 Minuten auf unser Display schauen: Wir tun es trotzdem.

Einfach weil wir viele emotionale Dinge mit dem Smartphone verbinden. So kann das Fehlen dieses kleinen technischen Geräts dafür sorgen, dass wir uns plötzlich unsicher und ängstlich fühlen, einsam, ungeliebt und vergessen - all das kann dieses kleine, miese Ding bewirken.

Aber es sorgt auch für Freude, beispielsweise wenn jemand an uns denkt und uns eine Nachricht geschrieben hat, oder wenn wir neue Menschen kennenlernen und sie uns via Phone kontaktieren oder wenn wir alte Freunde in sozialen Netzwerken wieder entdecken. Und sicher kennt ihr auch dieses gute Gefühl, wenn wir wissen, die, die wir lieben, können wir erreichen, wenn etwas sein sollte und sie uns auch.

Ein Smartphone ist also nicht etwas, was wir einfach so verteufeln sollten. Es hat auch verdammt viel Gutes an sich. Nur eben ist es wie bei allen schönen Dingen im Leben: Es ist eine Frage des Maßes.

Und wenn man uns als smartphonesüchtig bezeichnet: Egal. Immerhin kennen wir jetzt den Schuldigen bei der ganzen Sache. Den Dealer, sozusagen, der uns in die Abhängigkeit getrieben hat. Die böse Nomophobie ist schuld!

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Wer etwas gegen seine Sucht tun will, lese bitte hier weiter: Digital Detox: 9 Regeln für weniger Smartphone in unserem Leben

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