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Zurück in die Kindheit: Das erwartet dich bei der Psychoanalyse

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 10. April 2018

Die Psychoanalyse dient dazu, innere Konflikte, Verletzungen und Verhaltensmuster zu analysieren. Sie kann helfen, Erlebtes und Erlittenes aus Kindheitstagen aufzuarbeiten und so bestehende Störungen, Ängste und Zwänge zu beheben. Was genau dahinter steckt: Hier die wichtigsten Fakten.

Vielleicht merkt man, dass man in bestimmten Situationen nicht so reagieren kann, wie man es sich wünscht. Dass man an bestimmten Problemen einfach komplett scheitert und unter bestimmen Zwängen leidet, die den Alltag schwer oder sogar unmöglich machen.

In diesen Fällen kann die in der Psychotherapie angesiedelte Psychoanalyse dabei helfen, Antworten auf das 'Warum' zu finden und Lösungsansätze zu erarbeiten. Sie beleuchtet, was in unserem Unterbewusstsein, also unbewusst passiert.

Psychoanalyse nach Freud:

Die Psychoanalyse, genauer gesagt die analytische Psychotherapie, ist eine Therapieform, die in der Psychotherapie angewendet wird.

Den meisten fällt sicherlich Freud ein, wenn sie an Psychoanalyse denken. Und danach direkt die Couch, auf die man sich legt. Beides klingt arg klischeehaft, ist aber gar nicht so falsch.

Fangen wir mit Freud an: Siegmund Freud (1856 bis 1939) war ein bedeutender österreichischer Neurologe und Tiefenpsychologe. Er ist der Begründer der Psychoanalyse. Dieses Verfahren basiert auf der Annahme, dass frühkindliche Prägungen und Erfahrungen in der Jugend uns für unser Leben prägen. Verletzungen aus dieser Zeit können daher im Erwachsenenalter psychische Probleme auslösen.

Prägungen in der Kindheit

Nehmen wir ein Beispiel: Die Trennung der Eltern gibt. Bleibt diese negative Erfahrung unaufgearbeitet, kann es sein, dass sich daraus psychische Auffälligkeiten oder Probleme entwickeln. Auch im Erwachsenenalter fallen betroffene Personen sozusagen noch in ihre kindlichen Verhaltensmuster zurück.

Und auch wenn es vielleicht nicht immer einen ersichtlichen Grund in der Kindheit gab, sei es Vernachlässigung oder eine Trennung, so stehen viele Erwachsene vor belastenden Ängsten oder Zwängen, die sie sich nicht erklären können, deren Ursachen jedoch in der Vergangenheit liegen.

In der Tat setzen sich viele kindliche Erfahrungen tief in unserem Unterbewusstsein fest. Sie bestimmen unser Verhalten, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Solche Traumata können die Lebensqualität mitunter stark einschränken. ​Hier kann die Psychoanalyse eine hilfreiche Methode sein, um die Gründe zu erforschen.

Wann hilft eine Psychoanalyse?

Viele Probleme sind so tief in der Seele vergraben, dass es der Hilfe eines Profis bedarf, um ihnen auf die Schliche zu kommen und das eigene Handeln oder bestimmte körperliche Beschwerden verstehen zu lernen. Es ist ein anstrengender und in der Regel schmerzlicher Prozess, an dessen Ende aber meist eine enorme Erleichterung und Verbesserung der Lebensqualität steht.

​Um tief gehende familiäre Probleme zu lösen oder Angstzustände zu bekämpfen, ist Psychoanalyse die richtige Methode. Der "normale" Liebeskummer oder eine Spinnenphobie gehört sicherlich nicht dazu. Auch eine langanhaltende emotionale Verstimmung oder gar Depression lässt sich mit dem Verfahren der Psychoanalyse nicht in den Griff bekommen.

Die Couch, Sinnbild der Psychoanalyse

Die berühmte Couch, die schon in Sigmund Freuds Behandlungszimmer stand, spielt bei der Psychoanalyse auch heute noch eine Rolle. Es mag einem anfangs vielleicht merkwürdig vorkommen, doch die Couch hat sich bewährt: In liegender Position kommen Patienten tatsächlich eher zu Ruhe und können sich besser öffnen. So fällt es nicht so schwer, dem Psychoanalytiker Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken zu offenbaren.

Sitzt man dem Therapeuten in der Psychotherapie also gegenüber, so liegt man bei der Psychoanalyse deshalb auf der Couch.

​Sich bei einem fremden Menschen auf die Couch zu legen und über den eigenen Seelenzustand zu reden, setzt natürlich ein großes Maß an Vertrauen voraus. Psychoanalytiker und Patientin müssen eine solche Basis natürlich erst aufbauen.

Die Aufgabe des Psychoanalytikers

Der Psychoanalytiker leitet den Gang ins Unterbewusstsein an, versucht jedoch so wenig wie möglich Einfluss zu nehmen, um die Erinnerung nicht zu trüben. Er hört erstmal sehr viel zu und lässt den Patienten reden. Meist erzählt der Patient, was ihm gerade in den Sinn kommt. Deshalb finden die Sitzungen auch mehrmals die Woche statt. So werden mit der Zeit Verhaltensmuster erkennbar.

Wer Sorge hat, dass er zu viel preisgibt: Es gibt kein "zuviel". Ein Psychoanalytiker ist ein Profi, der geschult darin ist, den Patienten auf dem Weg zu begleiten und dabei auch zu schützen. Und: Selbstverständlich unterliegt er der ärztlichen Schweigepflicht.

Wie lange dauert eine Psychoanalyse?

Je nach Schwere der Störung und Zugänglichkeit des Patienten kann eine Psychoanalyse Jahre dauern - bei mehreren Sitzungen pro Woche. Das ist extrem zeitaufwendig und erfordert vom Patienten den Willen, sich wirklich mit seiner Geschichte auseinander zu setzen.

Welche Ausbildung hat ein Psychoanalytiker?

Die Wege zum Beruf des Psychoanalytikers sind vielfältig, ein abgeschlossenes Hochschulstudium, idealerweise ein medizinisches oder psychologisches, ist jedoch Voraussetzung.

Wer ein entsprechendes Studium absolviert hat und sich zum Psychoanalytiker weiterbilden lassen möchte, kann sich beispielsweise von der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) oder der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) beraten lassen.

Wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist die Selbsterfahrung in der Lehranalyse. Das bedeutet: Man legt sich selbst noch einmal auf die Couch.

Psychotherapeut, Psychologe und Psychiater: Was ist was?

Als Laie ist man oft verwirrt, und fragt sich, ob hinter den Berufsbezeichnungen Psychotherapeut, Psychologe und Psychiater das gleiche steckt. Hier einmal in Kürze ein Überblick:​

Psychologe:
Psychologe darf sich nur nennen, wer einen Abschluss in Psychologie hat, sei es ein Bachelor oder Master. Das berechtigt jedoch noch nicht, psychisch Erkrankte zu behandeln. Dafür muss der Psychologe noch eine Ausbildung als Therapeut abschließen. Psychologen arbeiten aber auch oft in der Wirtschaft oder im Marketing im Gesundheits- oder Rechtswesen oder als Schulpsychologen, wenn sie eine entsprechende pädagogische Ausrichtung haben.

Psychotherapeut:
Um Psychotherapeut zu werden, muss man Psychologie oder Medizin studieren und anschließend eine qualifizierte, mehrjährige Ausbildung absolvieren. Erst die berechtigt zur Psychotherapie und dazu, eine Approbation zu beantragen, um Patienten behandeln zu können.

Psychotherapeuten behandeln Zwänge, Komplexe, Suchtverhalten und depressive Verstimmungen. Man unterscheidet Kinder- und Jugendpsychologen und Therapeuten für Erwachsene. Behandelt wird mit Therapien wie Psychoanalyse, Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierten Therapien.

Psychiater:
Ein Psychiater muss ein Medizinstudium absolviert haben und eine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie besitzen. Als Arzt erforscht er zum einen psychische Erkrankungen und ist für die körperliche und medizinische Diagnostik bei psychisch Kranken zuständig. Das bedeutet: Er stellt Störungen fest, ermittelt die körperlichen und medizinischen Ursachen und behandelt diese mit Medikamenten.

Du bist selbst in einer schwierigen Situation und weißt nicht weiter? Dann könnten dir diese Hilfsangebote weiterhelfen:

Ansprechpartner für Betroffene:

Eine Anlaufstelle im Notfall ist die psychiatrische Ambulanz oder die psychiatrische Abteilung einer Klinik, der eigene Hausarzt, ein niedergelassener Psychiater oder Psychotherapeut, der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117), die Polizei (110) oder der Rettungsdienst (112).

Anonym, kostenlos und rund um die Uhr kann man auch die Telefonseelsorge erreichen (08001110111). Sie eignet sich jedoch eher für kleinere Krisen.

Wichtige Adressen findet ihr auch hier: www.internet-notrufe.de.

Hilfe findet ihr auch auf der Seite der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

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