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Quarterlife Crisis: Steckst du vielleicht mitten drin?

von Fiona Rohde Erstellt am 29. März 2020
Quarterlife Crisis: Steckst du vielleicht mitten drin?© pexels.com

Den Begriff Midlife Crisis kennen sicher die meisten. Aber was ist mit der Quarterlife Crisis? Was dahinter steckt und ob du vielleicht längst drin bist: Hier die wichtigsten Antworten.

Es gibt so Tage im Jahr, an denen wir arg ins Grübeln kommen. Silvester und der eigenen Geburtstag sind solche Tage. In diesen Momenten schauen wir zurück und überlegen: War das alles gut so, wie ich es gemacht habe? Und nicht selten kommen genau dann große Zweifel auf.

Ungefähr so wie dieses flaue Silvester-Gefühl muss man sich die Quarterlife Crisis vorstellen. Nur vergeht das eben nicht am nächsten Tag.

Was genau bedeutet die Quarterlife Crisis?

Quarterlife Crisis bezeichnet, wie der Name schon zeigt, die Lebenskrise, die nach dem ersten Lebensviertel auftritt, also im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Es ist allerdings kein psychologischer Fachbegriff.

Nicht jeder gerät gleichermaßen in die Quarterlife Crisis. Es erwischt vor allem Menschen, die sehr ambitionierte Karriereziele haben, sich sehr hinterfragen oder sich gerne mal mit anderen vergleichen.

Wer in der Quarterlife Krise steckt, ist geplagt von Selbstzweifeln, Zukunftsängsten und Unsicherheit, ob er auf dem richtigen Weg im Leben ist. Nach der unbeschwerten Jugend und der Zeit der beruflichen Ausbildung oder des Studiums ist man an einem Punkt angelangt, an dem man in eine Art Sinnkrise gerät.

Jetzt, mit Mitte 20, merkt man recht deutlich: Ich bin selbst verantwortlich für mein Glück und das kann durchaus zu starken Zweifeln führen. Dabei ist es nicht mal unbedingt der Druck von außen. Viele Quarterlife-Betroffene sind es vor allem selbst, die sich unter Druck setzen (Typisch für dieses Alter ist auch FOMO, also die Angst, etwas zu verpassen).

Dr. Oliver Robinson von der University of Greenwitch hat sich intensiv mit dem Thema Quarterlife Crisis auseinandergesetzt. Laut ihm sind es vor allem drei Bereiche, die für Frust und Zweifel sorgen:

So plagten 40 Prozent der Befragten Geldsorgen, 32 Prozent hatten die Erwartungshaltung, mit 30 eine Familie gegründet und verheiratet zu sein, und 21 Prozent fühlten sich beruflich in einer Sackgasse.

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Video von Esther Pistorius

Warum die Quarterlife Crisis nicht belächelt werden sollte

Die Problematik des Erwachsenwerdens wird ja gerne mal belächelt. Da ist vom ewigen Kindskopf die Rede oder von dem, der nicht erwachsen werden will. Aber letztlich ist es eine extrem schwierige Phase. Egal, wie schwer und übel die Pubertät war, die Sinnkrise mit Anfang 20 ist zwar anders, aber für viele nicht minder schwer.

Das Problem: War früher irgendwie klar, was "man" so macht im Leben, also einen Beruf erlernen, eine Familie gründen und ein Haus bauen, so sind die Möglichkeiten für die heutige Generation vielfältiger und die Sinnsuche somit komplexer.

Kein Wunder, dass die Quarterlife Crisis deshalb auch gerne als Luxusproblem belächelt wird. Der Student aus gutem Hause, der nicht weiß, wie er sich verwirklichen kann. Oder der gut ausgebildete Mittzwanziger, der Angst hat, sich im Job festzulegen. Aber so ist es nicht.

Die Quarterlife Crisis kann zu einer ernstzunehmenden Depression führen und sollte deshalb ernst genommen werden. Experten belegen, dass das Durchschnittsalter von Depressiven immer mehr sinkt. Mittlerweile sind es nicht mehr die 40 bis 50-Jährigen, die depressiv werden. Das durchschnittliche Alter ist 24.

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Daran erkennst du, dass du in der Quarterlife Crisis steckst:

Du hast beim Lesen mehrfach wissend genickt? Steckst auch du womöglich gerade in der Krise, der Quarterlife Crisis? Hier sind ein paar Fragen und Gedanken, die dir bekannt vorkommen werden, wenn du mitten drin steckst. Aber keine Sorge: Auch du wirst diese Krise überstehen.

Krisen sind letztlich auch dafür da, dass wir uns neu justieren und unser Handeln und Denken noch mal hinterfragen. Somit also auch die Chance, Dinge zum Besseren zu fügen.

Diese Fragen und Gedanken sind typisch für die Quarterlife Crisis:

#1 Der Ernst des Lebens: War es das jetzt?

Mit Mitte Zwanzig werden die Weichen für das spätere Leben noch einmal exakter nachgestellt. Man entscheidet sich für einen Lebensweg, einen Beruf, einen Ort, an dem man leben möchte – mit bestimmten Menschen.

Oftmals ist es der Übergang zwischen Ausbildung und Beruf, durch den wir ins Stolpern geraten. Gerade frisch aus der Uni, voll mit Wünschen und Ideen. Und eh wir uns versehen, absorbiert uns die Arbeitswelt. Plötzlich gehen wir Vollzeit arbeiten, haben Rechnungen, die wir selbst zahlen müssen, Wohnungen, die aufgeräumt und Steuererklärungen, die gemacht werden müssen. Wo sind die großen Pläne hin?

Nicht selten macht sich Panik breit: Beginnt jetzt unweigerlich der Ernst des Lebens und alles Erhoffte, Erträumte und Unverbindliche gehört jetzt der Vergangenheit an? Ab jetzt 40-Stunden-Woche und Babypläne? Und vor allem: Schaffe ich das alles?

Diese Unsicherheiten sind durchaus normal und ok. Man muss sich nur damit auseinandersetzen und das Beste draus machen.

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#2 Alles besser? Der Vergleich mit anderen fällt negativ aus

Nicht selten passiert es uns auch in dieser Lebensphase, dass wir danach schauen, was andere für einen Weg eingeschlagen haben. War man in der Schule noch gleich, hatte ähnliche Interessen und Hobbys, so hat sich die Spreu längst vom Weizen getrennt.

Da blickt man rechts und links in seinem Freundeskreis umher und stellt frustriert fest, dass man der einzige ist, der es noch nicht "zu etwas gebracht" hat. Gerade wer sehr nach Selbstoptimierung strebt und hohe Ziele verfolgt, wird daran zu knabbern haben.

Dazu kommt die optimierte Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken. Und da sieht das Leben der anderen immer zum neidisch werden toll aus. Auch wenn jeder weiß, dass hier nur Schokoladenseiten und gepimpte Lebensausschnitte präsentiert werden, kann das einen doch schon ins Grübeln bringen. Warum haben die so ein tolles Leben und bin ich etwa auf dem falschen Weg?

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#3 Fertig, und jetzt? Fehlende Lebenspläne

Oft fehlt einfach die Zeit und der nötige Abstand, das eigenen Leben nüchtern und sachlich zu betrachten und zu formen. Gerade heute, wo Studenten in einem irren Tempo studieren, oftmals mehrere Bachelorstudiengänge oder einen Master hinterher, dazu die Doppelbelastung, weil sie neben ihrem Studium dazuverdienen müssen, kommen sie vielleicht gar nicht dazu, zu überlegen, ob sie wirklich auf dem richtigen Weg sind. Und irgendwann kommen dann eben die große Krise und die Zweifel.

Führt mein Ausbildungsweg in die richtige Richtung? Werde ich meinen Traumjob jemals ausüben können? Oder gar: Was soll ich überhaupt mit meinem Studium anfangen?

Wer dann noch den erstbesten Job annimmt, landet schnell in der Quarterlife Crisis. Denn irgendwann wacht man auf und merkt: Das hier alles möchte ich gar nicht wirklich.

Vielleicht geht es einem auch so, dass man sich selbst so fühlt, als würde man aus dem Gefüge der Gesellschaft herausfallen. Alle scheinen zu funktionieren, nur man selbst fühlt sich antriebslos und nutzlos. Auch das ist typisch für die Quarterlife Crisis.

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Was also tun, in der Quarterlife Crisis?

Wichtig ist es hier, diese schwierige Übergangsphase ernst zu nehmen. Auch wenn einem das Umfeld vielleicht suggeriert, dass es ein Luxusproblem sei. "Verdien erst mal dein Geld. Für Tagträume hast du später Zeit", heißt es dann gern.

Gleichwohl ist es nicht immer einfach, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, denn hier muss man sich in bestehende Ordnung einsortieren und anpassen. Und das läuft nicht immer konform mit den eigenen Wünschen. Es ist durchaus wichtig, nicht stillschweigend aufzugeben und sich zu fügen. Denn dann wird einen die Frustration früher oder später einholen.

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Man sollte die Krise also für sich nutzen und versuchen, die aufkommenden und mitunter quälenden Fragen ruhig und mit klarem Kopf für sich zu klären. Manchmal ist es falsch, alles hinzuwerfen und sich neu zu orientieren. Manchmal ist aber genau das richtig. Und die Suche nach neuen Möglichkeiten und ein Neustart sind der Weg zum Glück. Das muss jeder für sich herausfinden.

Wichtig ist jedoch vor allem eins: Sich nicht selbst zu sehr unter Druck zu setzen. Und das ist mitunter viel schwieriger, als den Druck von außen zu minimieren.

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Wer die Quarterlife Crisis gut meistert, ist für die Midlife Crisis bestens gewappnet.