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Silvester allein: Warum das nicht das Ende der Welt sein muss

von Fiona Rohde Erstellt am 31. Dezember 2019
© pexels.com

Egal, wie viele Freunde man hat und wie viel man sonst so unter Leuten ist: Manchmal ist es einfach so, und man steht Silvester allein da. Aber ganz im Ernst: Das muss gar nicht Trübsal und Einsamkeit bedeuten. Ganz im Gegenteil.

Kaum ist Dezember, fängt es an. Diese Fragen, die mit "Was machst du eigentlich...?" anfangen. Mich irritiert das dann immer etwas. Ich weiß nicht mal an einem normalen Freitag, was ich abends machen will. Woher soll ich also Anfang Dezember wissen, was ich am 31.12. mache?

Zumal sich neuerdings auch zwei Fraktionen gebildet haben. Diejenigen, die Silvester schon gefühlt im Sommer klargemacht haben und eh schon verplant sind. Und diejenigen, die eigentlich nur fragen, um sich alle Optionen offen zu halten, diese Spezies, die jede zweite Veranstaltung auf Facebook mit "vielleicht" markiert und sich dann in aller Ruhe die Rosine rauspickt.

Aber irgendwie muss es da noch eine dritte Fraktion geben. Und zwar die, der es so geht wie mir. Die Silvester und Jahresende nicht wirklich mag, weil man da immer melancholisch wird. Man blickt zurück und nicht immer lief das Jahr, wie man es sich erwünscht hatte und man merkt wieder, wie sehr die Zeit rast.

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Trübe Partys, trüber Morgen: Muss das sein?

Um Silvester und Neujahr genau diesem Trübsal zu entgehen, versuche ich deshalb immer, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, sprich irgendwas zu unternehmen, Hauptsache man ist abgelenkt.

Und seien wir mal ehrlich: "Irgendwas" bedeutet Silvester meist, dass man sich zu einem Rudel der Verzweifelten zusammen tut, viel zu viel trinkt, sich halb dusselig beim Raclette isst, um dann vollgemapft bei irgendwelchen Gesellschaftsspielen auf zwölf Uhr zu warten, Böller in die Luft zu jagen (was Klimawandeltechnisch mehr als bedenklich ist), Blei zu gießen, das immer gleich aussieht, nämlich wie ein Penis und am nächsten Morgen mit dem Kater des Jahrhunderts ins neue Jahr zu starten und sich so richtig mies zu fühlen. Hallo, Neujahrsblues! Eigentlich doof, oder?

Natürlich wünscht man sich einen besonders schönen Abschluss des Jahres. Einen denkwürdigen Abend mit lieben Menschen, mit denen man sich um zwölf in den Armen liegt. Die Nacht der Nächte, zwölf Weintrauben und rote Unterwäsche.

Aber mal ganz im Ernst: Unvergessliche Nächte sind etwas, das man eben nicht planen kann. Das sind diese furchtbar normalen Abende, an denen man mit nichts rechnet und genau dann wird es irgendwie magisch. Silvester jedenfalls gehörte bei mir bislang eher selten dazu.

Silvester allein? Warum nicht!

Vielleicht wäre es besser, den Silvesterabend als das zu sehen, was er ist: nämlich ein ganz normaler Abend. Und den kann man auch durchaus alleine verbringen. Garnicht erst stressen lassen. Nichts muss, alles geht. Will heißen: Nicht zu wild saufen, sondern gepflegt, nicht auf Teufel komm raus unterwegs sein, sondern nur das tun, worauf man wirklich Lust hat. Ein ganz normaler Abend eben. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass Kopf und Körper am nächsten Tag raffen, dass das neue Jahr angefangen hat und man sich nicht wie ein Zombie ins neue Jahr reintorkelt.

Deshalb: Schluss mit dem Freizeitstress. Silvester braucht nicht immer Tamm-Tamm und Konfetti. Und wenn man Silvester alleine feiert: So what?! Warum muss man am Jahresende unbedingt den besten Abend des Jahres haben, mit der besten Party, den besten Freunden, dem edelsten Schampus und dem fettesten Feuerwerk?

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Runterfahren und in sich gehen

Warum nicht einfach mal auf Silvester pfeifen und sich einen gepflegt schönen Abend allein zuhause machen. Und ja, ich meine wirklich allein. Denn das würde eigentlich durchaus Sinn machen.

Silvester allein zu sein, ist für viele sicherlich ein absolutes Schreckgespenst. Aber wenn man sich mal so umhört, dann merkt man schnell: Die meisten sind eher gestresst von dem Zwang, ein mega tollen Silvesterabend planen zu müssen.

Es gibt durchaus ein paar Dinge, die für ein Silvester allein sprechen. Die Tatsache, dass wieder ein Jahr zu Ende gegangen ist beispielsweise. Einfach mal runterfahren und einen Blick zurückwerfen: Was ist im vergangenen Jahr passiert und was nicht? Was hat man sich gewünscht und dann doch nicht getan? Und mittlerweile ist man auch in einem Alter, dass man auch wehmütig zurückblickt, dass man Fehlschläge einstecken musste, dass eben nicht alles astrein gelaufen ist, dass es auch Verlust und extrem traurige Momente gab.

Dazu noch die vielen Ideen und Ziele, die man sich vorgenommen hat und die sich in Rauch aufgelöst haben, so wie gute Vorsätze das eben an sich haben. Warum also nicht mit 100 Prozent Energie und mit Volldampf ins neue Jahr starten? Mit klarem Kopf und etwas Zeit für sich? Alles etwas bewusster durchleben, statt mit Suff und Böllerei.

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Strategien gegen den Neujahrsblues

Fragt sich nur: Wie feiert man Silvester so ganz mit sich alleine? Hier ein paar Ideen:

1. Für Ambitionierte: Schnappt euch einen Block und Stift und notiert euch Dinge, die im letzten Jahr besonders toll waren und legt dann einen Minischlachtplan fürs kommende Jahr zurecht.

2. Für Gemütliche: Wem das zu ambitioniert ist, der verschiebt das Ganze, zieht sich was Gemütliches an und genießt einfach einen schönen Abend mit sich selbst, mit Fotos, "Dinner for one" in der Glotze, Ausblick aufs Feuerwerk und edlen Getränken, die man nicht teilen muss. Ein bisschen so wie der angebliche Tagebucheintrag von Wolfgang Amadeus Mozart: "Gar nichts erlebt. Auch schön."

3. Für Pragmatische: Wer eher nüchtern ist und wem das Jahresende keine Träne und keinen wehmütigen Gedanken entlocken kann, der kann auch einfach den Abend nutzen, an dem alle anderen saufen und Spaß haben wollen und sich eine Stange Geld verdienen. Man sollte nicht unterschätzen, wie gut man an einem Abend verdienen kann, beispielsweise als Aushilfe im Gastrobereich, als Fahrdienst, an der Garderobe im Club oder wo auch immer.

Egal, was ihr tut, wie, wo und mit wem: Kommt gut rein ins neue Jahr!