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Liebe & Psychologie

In 2 Welten: Warum es manchmal besser ist, geliebte Menschen loszulassen

von Fiona Rohde Veröffentlicht am 19. Februar 2016

Freunde sind etwas Großartiges. Ohne sie wäre es deutlich trister, langweiliger und einsamer. Und ich bin für jeden guten Freund in meinem Leben sehr dankbar. Dennoch gibt es Momente, in denen man loslassen muss - gerade weil man sich so mag.

Ich selbst habe das schon mehrfach schmerzlich einsehen müssen. Denn so wichtig und groß eine Freundschaft auch mal war, so passiert es immer wieder, dass sich die Dinge eben grundlegend verändern. Krampfig an der guten alten Zeit festzuhalten tut eigentlich mehr weh, als dass es uns oder der betreffenden Person etwas bringt. Man blickt auf die Zeit zurück und auf das, was hier und jetzt ist, und ist letztlich frustriert. Weil früher alles so toll war. Weil die Freundschaft auseinander gegangen ist. Und keiner genau weiß, wann das passiert ist.

Erst sieht man sich seltener, dann ruft man kaum noch an, schickt eine SMS, statt miteinander zu reden und irgendwann gratuliert man der Freundin auf Facebook statt anzustoßen. Dennoch erhält man das alte Freundschaftsgebilde irgendwie aufrecht. Tut so, als wäre alles ok. Denn der Tatsache ins Gesicht zu sehen, dass einen letztlich nur schöne Erinnerungen verbinden, die viele Jahre zurückliegen, tut weh. Ebenso wie es unendlich weh tut, jemanden ziehen zu lassen. Eine sehr enge Freundin meinte mal zu mir: "Es war ein bisschen so, als hätte jemand mit mir Schluss gemacht." Genau so hatte es sich auch angefühlt. Mies eben.

Spagat zwischen zwei Welten

Ein Moment, in dem viele Freundschaften lockerer werden, sich langsam verlieren, ist der, in dem sich die Lebensumstände beider gravierend ändern. Wenn die Freundin die Stadt wechselt, eine Familie gründet, in völlig anderen Welten zu Hause ist als man selbst. Während die eine beim gemeinsamen Bierchen von ihren süßen Kindern erzählt, plaudert die andere von ihren Kunstfreunden in Berlin und dem Stress bei der Arbeit. Das kann sehr lange gut gehen und vielen gelingt das Kunststück, in beiden Welten zuhause zu sein. Das Verständnis und das Interesse am Leben des anderen zu wahren. Aber was, wenn einem das nicht mehr gelingt?

Plötzlich sitzt man in einem Haufen von Frauen, die sich stundenlang über wunde Babypopos unterhalten - und man selbst nickt und lacht und freut sich. Bis man nach ein paar Stunden denkt: Warum reden wir jetzt nicht mal über etwas anderes? Über die Dinge, die uns früher verbunden haben? Bin ich zu egoistisch, wenn ich "die alten Zeiten" einfordere? Kleinlaut gebe ich mir selbst die Antwort: Ja. Bestimmt ist das so. Die anderen haben einen neuen Weg eingeschlagen und ich sitze immer noch auf dem alten Weg und jammere, weil nichts mehr ist wie früher.

Gerade weil man sich so mag

Dennoch kann weder ich aus meiner Haut noch die Dreifachmami neben mir, und so redet jeder über sein Leben - und irgendwie aneinander vorbei. "Sich ausspeichern" hat das mal jemand genannt und das trifft es sehr gut. Jeder plaudert, aber nicht wirklich miteinander. Jeder baut den Stress ab, erzählt und erzählt, als sei man ein Tonbandgerät. Der andere sitzt und schweigt und denkt an sein Leben. Das kann jahrelang gut gehen, aber eben nicht immer.

Den Spagat zu meistern und zwischen zwei Welten zu leben, fordert von beiden Kompromisse und Toleranz. Die sind aber nicht jedem in jeder Situation möglich. Wenn eine Freundin plötzlich drei Kinder hat und von der Bildfläche verschwindet, muss ich das akzeptieren. Und mir sagen: Ich bin immer für sie da, wenn sie mich braucht. Momentan macht es eben keinen Sinn eine Art virtuellen Pseudo-Kontakt aufrecht zu erhalten, der beide eigentlich nur traurig macht. Aber es kommt der Tag, an dem wir beide uns wieder in die Arme schließen. Bis dahin darf man nichts erzwingen - gerade weil man sich so mag.

von Fiona Rohde