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Unsinnige Tamponsteuer: PMS und Periode sind definitiv kein Luxus!

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 3. Oktober 2018
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Eine Luxussteuer für Hygieneartikel wie Tampons und Binden? Was sich wie ein schlechter Scherz anhört, ist leider Realität. Schuld ist eine unsinnig hohe Tamponsteuer. Zeit, diesen Quatsch mal zu ändern.

Es gibt Länder, da ist das anders, aber bei uns sieht es folgendermaßen aus: Hygieneartikel, nennen wir sie beim Namen: also Tampons und Binden, fallen bei uns in Deutschland in die Kategorie "Luxusartikel" und werden deshalb mit satten 19 Prozent Steuern belegt. Dabei sollen Produkte des alltäglichen Lebens, also alles, was man für den Alltag kaufen muss, mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz besteuert werden. Alles was Luxus ist, also nicht unbedingt notwendig, mit der Luxussteuer. In der Realität sieht das jedoch etwas anders aus.

Ganz klar: Diese Steuer muss von Männern erdacht worden sein. Eine Frau würde sicherlich nie auf die Idee kommen, eine Tamponsteuer zu erheben, die diese damit in der Bereich der Luxusartikel hebt. Ist es etwa Luxus, ein mal im Monat wie ein Zombie zu leiden? Wenn die Periode also nicht zu den Gütern des täglichen Lebens gehört, sondern zu den Luxusgütern, die man sich ab und zu mal gönnt, dann sagen wir es frei heraus: Wir müssten uns das nicht jeden Monat geben.

Deine Periode - dein Vergnügen

Wozu die ganze Aufregung, wo Tampons und Binden jetzt nicht die Welt kosten, denkt ihr? Nun, klar geht es hier nicht um Millionen, die wir Frauen dem Fiskus zum Fraß vorwerfen, aber zum einen macht auch Kleinvieh Mist und seine Tage hat man nun mal einmal im Monat - und das circa 35 bis 40 Jahre lang. Da kommt schon was zusammen an Geld für Tampons und Co.

Nimmt man eine durchschnittlich lange Lebensdauer und eine durchschnittlich lange fruchtbare Zeit als Grundlage, kommt man auf eine Zahl zwischen 10.000 und 17.000 Tampons und Binden, die wir verbrauchen. Ganz zu schweigen von den Schmerztabletten gegen Bauchkrämpfe und Kopfschmerzen, den Wärmflaschen, den neuen Nervenkostümen etc. Da kommt schon was zusammen. Vielleicht hätte man für diese beknackte Schmerz-Woche, die viele Frauen Monat für Monat durchleben, ja glatt eine Vergnügungssteuer nehmen sollen, wenn man schon zu Späßen aufgelegt ist.

Fast schon witzig: Windeln als Luxus, Rennpferde nicht

Aber ums Geld geht es letztlich auch gar nicht. Es geht um den Grundsatz in diesem Fall. Darum, dass hier so still und klammheimlich eine unsinnige Steuer verhängt wurde. Denn nur mal so zum Vergleich: Ebenfalls mit 19 Prozent Luxussteuer belegt sind Windeln (auch echt frech). Rennpferde, Bücher, Blumen, Trüffel oder Gemälde hingegen werden mit nur 7 Prozent besteuert. Logik? Fehlanzeige. Zumal man, holt man sich einen Esel statt ein Rennpferd, 19 statt 7 Prozent Steuersatz berappen darf.

Den ermäßigten Steuersatz gibt es für 54 unterschiedlich Produktgruppen. Eigentlich. Aber hier trifft eine Ausnahmeregelung auf die nächste und so kommt es, dass die Unterschiede in der Besteuerung mitunter richtig witzig sind. So sind normale Kartoffeln wenig besteuert, Süßkartoffeln jedoch Luxus. Ein Gewürz wie Basilikum wenig, eine Gewürzmischung jedoch hochbesteuert. Auch Garnelen bekommen nur 7 Prozent Steuern, Langusten aber 19. Also Leute: Rennpferd und Garnelen statt Esel mit Langusten, bitte.

Weltweiter Protest - mit Erfolg

Zum Glück ist dieser Unsinn irgendwann aufgefallen und seitdem gibt es viel Gegenwind für die Luxussteuer auf Hygieneartikel. Will heißen: Weltweit gibt es Protestbewegungen von Frauen für Frauen, damit die Verbrauchssteuer für Tampons und Co. gesenkt wird. In anderen Ländern sogar bereits mit Erfolg, wie beispielsweise in Kanada, wo Tampons und Binden steuerfrei sind, in Frankreich, wo die Steuer gesenkt wurde oder in Amerika, wo es zwar noch in der Mehrheit der Länder eine Tamponsteuer gibt, aber auch mehrere Bundesstaaten, die diese abgeschafft haben.

Ihr könnt auch was tun!

Und jetzt seid ihr gefragt: Denn dafür, dass sich auch bei uns etwas ändert, setzen sich derzeit zwei junge Frauen, Yasemin Kotra und Nanna-Josephine Roloff ein. Beide haben Sozialökonomie bzw. Politik und Öffentliches Recht studiert und eine Petition online gestellt. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann das hier tun: Hier geht es zur Petition: Die Periode ist kein Luxus - senken Sie die Tamponsteuer!

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