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Liebe & Psychologie

Umzug ohne Stress

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 22. Februar 2008
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Ein Verlust der bekannten Orientierungspunkte, eine Veränderung der geliebten Gewohnheiten: Ein Umzug entpuppt sich häufig als stressreiche Geduldprobe, manchmal sogar als Trauma. Warum bringt uns ein Umzug dermaßen aus dem Gleichgewicht? Wie passt man sich am besten an die neue Umgebung an? Hier finden Sie einige Antworten auf Ihre Fragen!

Der Umzug als Stressquelle
Mehrere Studien beweisen, dass ein Umzug nach Trauer oder einer Entlassung als drittgrößter Stressfaktor empfunden wird, der das Leben ins Wanken bringt. Denn umziehen bedeutet nicht nur eine neue Zeitplanung: Es bahnt sich auch ein langer und erschöpfender Weg durch administrative Papierberge an. Der Umzug löst nebenbei auch eine starke emotionale Erschütterung aus. Und das ganz unabhängig davon, ob Sie in ein anderes Bundesland, in eine weit entfernte Stadt oder (nur) in ein anderes Stadtviertel umziehen: Der Ortswechsel beendet unseren bisherigen Lebensstil und kleine Alltagsgewohnheiten und entfernt uns von unserem vertrauten Umfeld. Das kann auf freiwilliger Basis geschehen, wenn man zum Beispiel in seinem Leben ein altes Kapitel abschließen und neues beginnen möchte. Manche Menschen haben aber umgekehrt Angst davor, das Verlorene nach dem umzug nicht mehr wieder zu finden (die netten und aufmerksamen Nachbarn, die alte komfortable Wohnung, ein angenehmes Umfeld...).

Manche Psychiater führen den Stress während des Umzugs auf die Trennungs- erlebnisse in der Kindheit zurück. Andere Experten behaupten, Existenzveränderung erinnere immer an die "erste Trennung", d.h. an den Moment, in dem das Kind den Mutterleib verlässt und sich in eine unbekannte Welt begibt. Natürlich ist ein unfreiwilliger Umzug (wegen Arbeitslosigkeit, Zwangsversetzung oder aus finanziellen Gründen) erheblich schmerzlicher als ein beabsichtigter Ortswechsel und kann tatsächlich zum Trauma werden, denn zusätzlich zu dem automatischen Verlust der Orientierungspunkte kommt es unter Umständen zu einem Verlust des Selbstbewusstseins und einem Gefühl des Scheiterns. Die Auswirkungen des Umzugs kommen häufig durch Symptome wie latente Angstgefühle, Stress oder Depressionen zum Ausdruck.

Der Abschied von der alten Umgebung
Um die Veränderung der Situation besser akzeptieren zu können (selbst wenn der Umzug gewollt ist) und das neue Leben positiv anzugehen, ist es wichtig sich von seiner alten Adresse und dem Stadtviertel zu verabschieden. Dazu gehören auch alle Leute, die in all den Jahren um Sie herum gelebt und Sie zum Teil unterstützt haben. Viele Menschen denken bei einem Umzug bewusst nur an die materielle Dimension um sich nicht mit der eventuell sehr schmerzhaften Trennung beschäftigen zu müssen. Dabei ist Abschied nehmen wichtig! Zögern Sie also nicht noch einmal durch das Haus zu gehen, mit den Ladenbesitzern kurz ein paar Worte zu wechseln und sich von den Nachbarn zu verabschieden.

Die Anpassungsphase in der neuen Unterkunft
Ein Umzug ist gleichzeitig eine Gelegenheit, persönliche Gegenstände auzumisten und im eigenen Leben aufzuräumen. Beim Kartonpacken werden nicht nur einzelne Objekte aussortiert. Krimskrams, Fotoalben, Kleidung... einige Erinnerungen kommen an die Oberfläche und andere verschwinden. Manche nutzen einen Umzug um sperrige Möbel wegzuwerfen und nur das Nötigste mitzunehmen. Alles Überflüssige landet im Papierkorb. Um sich in Ihrer neuen Unterkunft bestmöglich einzuleben stehen Ihnen zwei Möglichkeiten zur Wahl:
- Wenn Sie Angst davor haben, sich in Ihrem neuen Zuhause fremd zu fühlen, können Sie versuchen, die gleiche Raumaufteilung herzustellen und die Anordnung der Möbel bzw. der Deko-Objekte identisch zu reproduzieren.
- Wenn Sie einen neuen Anfang beginnen möchten, richten Sie sich in einem völlig neuen Stil ein und ändern Sie die Konstellation der Möbel und Deko-Objekte.

Die Kinder brauchen Unterstützung
Schulwechsel, neue Lehrer, neue Schulfreunde... Der Umzug kann von Kindern und Jugendlichen (wie von Erwachsenen) entweder als destabilisierendes Ereignis oder umgekehrt als aufregendes Abenteuer und spannender Neuanfang empfunden werden. Die Kinder sollten in dieser Umbruchsituation behutsam begleitet werden: Zeigen Sie ihnen das neue Haus, die neuen Läden, die neue Schule, Turnhalle oder das Kino... Kurzum: alle obligatorischen Orte, die für jeden von uns zu alltäglichen Orientierungspunkten werden.

Eine gute Beziehung zu den Nachbarn aufbauen
Wenn der Umzug erst einmal erledigt ist tritt eine andere Schwierigkeit auf: Man muss sich in die neue Nachbarschaft integrieren. Vielleicht fehlt Ihnen jetzt schon das freundliche Rentnerehepaar aus dem 2. Stock, das Ihnen immer Hilfe angeboten hat, oder die beiden netten Studenten der WG, die Sie öfters mal auf ein Glas eingeladen haben. Was soll’s! Das Wichtigste ist jetzt, neue Leute kennen zu lernen, die bestimmt genauso angenehme Nachbarn sein werden. Warten Sie ab, bis Sie es sich in Ihrem neuen Zuhause richtig schön gemütlich gemacht haben und gehen Sie dann auf Entdeckungstour: Klopfen Sie bei Ihren Nachbarn an die Tür um sich vorzustellen oder laden Sie sie zu einem Aperitif in Ihre neuen Wohnung ein. Die meisten Leute freuen sich über eine derartige Willkommensgeste. Sie werden ins Vertrauen gezogen und erfahren mehr darüber, wie das Nachbarschaftsleben funktioniert und welche Stimmung im Haus herrscht. So wird der Übergang von ihrem alten in Ihr neues Leben auf jeden Fall um einiges einfacher...

von Linda Chevreuil

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