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Lena und Steffi im Interview: Über Body Positivity und Hass im Netz

von Sophia Karlsson Veröffentlicht am 8. März 2019

Ja, sie machen Werbung für Make-up. Trotzdem sind Stefanie Giesinger und Lena Meyer-Landrut keine Püppchen, sondern echte Powerfrauen. Wir haben die beiden zum Interview in Berlin getroffen.

Können Frauen, die Make-up tragen und auf Instagram ihre Outfits zeigen, stark und unabhängig sein? Ja, können sie! Das beweisen Stefanie Giesinger und Lena Meyer-Landrut. Im L'Oréal Pop-up Café haben wir mit den beiden über Vorurteile, Verantwortung und falsche Vorbilder gesprochen.

Wer so wie ihr Millionen Follower auf Instagram hat, hat natürlich auch eine große Verantwortung. Wie geht ihr damit um?

Lena: Das Allerwichtigste ist, authentisch zu bleiben. Alles, was man in den sozialen Netzwerken macht und zeigt, sollte auch so gemeint sein - gerade, wenn man in der Öffentlichkeit steht. Unterschiedliches Feedback bekommt man immer und man kann es nie jedem recht machen. Das möchte ich auch gar nicht.

Wie unterscheidet sich die Instagram-Steffi von der echten Steffi?

Steffi: In meinem Feed tauchen viele Model-Fotos auf, auf denen ich mal sexy oder mal arrogant gucke. Das bin natürlich nicht ich privat. In meinen Insta-Storys versuche ich den Ausgleich zu schaffen.

Da nehme ich meine Follower mit in meinen Alltag und zeige mich so wie ich wirklich bin - eben nicht immer nur sexy, wie auf vielen Fotos. Ich muss mich nicht verstellen und genau das macht mir Spaß.

Etwas, was Kunden leider manchmal weniger gut gefällt. Doch das interessiert mich nicht. In dem Fall bin ich dann einfach nicht die richtige für den Job.

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Wer so viel Privates teilt, hat sicher auch viele Hater, oder?

Steffi: Seit dem Augenblick, in dem ich Instagram genutzt habe, habe ich fiese Hass-Kommentare erhalten. Anfangs hatte ich wirklich Probleme damit. Es ist einfach ungewohnt. Niemand würde einem solche Dinge ins Gesicht sagen.

"Jemand, der schlecht über andere spricht, ist mit sich selbst nicht im Reinen."

​Aber mittlerweile stört es mich nicht mehr. Ein guter Rat von meiner Mama und meiner Oma: "Jemand, der schlecht über andere spricht, ist mit sich selbst nicht im Reinen." Da ist auf jeden Fall etwas dran. Mit diesen Leuten sollte man eher Mitleid haben. Zurückzukämpfen hilft da überhaupt nicht.

Aber kann man da wirklich drüber stehen?

Lena: Hass im Netz geht natürlich nicht spurlos an mir vorbei, ich denke, das gelingt niemandem. Was mir aber hilft, ist, daran zu denken, dass es nicht an mich persönlich gerichtet ist, sondern an die öffentliche Person, die ich eben auch bin.

Und hasserfüllt zu antworten bringt absolut nichts. Mir zum Beispiel geht es besser, verständnisvoll zu reagieren. Das klappt natürlich nicht bei jedem, aber manchmal schon.

Gerade das Gewicht wird ja auf Instagram ja gerne kritisiert...

Lena: Es ist tatsächlich krass, womit junge Frauen da konfrontiert werden. Sowohl die Ansprüche an die "perfekte" Figur als auch das Feedback, das man ständig zu seiner Figur erhält.

Wie gehst du persönlich damit um?

Ich finde es nicht okay, wenn Leute mich als zu dünn oder sogar als magersüchtig bezeichnen. Aber es ist auch nicht in Ordnung, anderen zu sagen, sie seien zu dick. Jeder ist für seinen Körper selbst verantwortlich. Jeder weiß selbst, ob und wie gesund er sich ernährt und auch, ob er sich damit wohl fühlt.

Steffi, du warst Gast-Jurorin bei GNTM 2019. Wie gehst du mit der Kritik an der Sendung um, dass darin ein ungesundes Schönheitsideal propagiert wird?

Steffi: Ich verstehe, dass für die "normale" Frau ein Model im Fernsehen superschlank wirkt. Aber man muss dazu sagen, dass das klassische Model, das in Paris oder in New York über den Laufsteg läuft, nach wie vor sehr, sehr schlank ist – auch schlanker als die Mädels von GNTM.

Ich persönlich bin ein Fan der Body-Positivity-Welle. Und meiner Meinung nach, geht diese auch an der Mode- und Model-Welt nicht spurlos vorbei. Im letzten Jahr waren ganz unterschiedliche Figur-Typen unter den GNTM-Kandidatinnen, was ich super finde!

Ihr beide seid die Gesichter des Make-up-Herstellers L'Oréal Paris. Aber haben starke Frauen Make-up überhaupt nötig?

Lena: Es sollte nichts sein, was wir als Frauen unbedingt brauchen oder machen müssen. Für mich gehört es aber einfach dazu, sowohl im Job aber auch privat.

Es ist toll, wenn jemand sich mit Foundation oder Mascara wohler oder einfach nur gut fühlt. Mir persönlich macht Make-up Spaß. Ich bin einfach ein Ästhet. Als Mann wäre ich wahrscheinlich ganz genau so.

Was bedeutet innere Schönheit für dich?

Lena: Innere Schönheit bedeutet für mich, mit sich selbst im Reinen zu sein und seine innere Balance zu finden. Ich glaube, so ganz ist man nie mit sich zufrieden, das ist ganz normal.

Aber man sollte sich Zeit für sich nehmen und sich selbst reflektieren. Herausfinden, wer man ist, was man will und was man braucht, um glücklich zu sein. Das ist nicht immer einfach, aber auch das gehört dazu.

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