Home / Mama / Schwangerschaft & Geburt / Vertrauliche Geburt - ein Angebot für Schwangere in Not

© iStock
Mama

Vertrauliche Geburt - ein Angebot für Schwangere in Not

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 4. April 2018
A-
A+

Eine ungewollte Schwangerschaft, von der niemand etwas wissen darf, kann eine Frau in eine Krise stürzen. Wenn ein Abbruch der Schwangerschaft nicht in Frage kommt, bietet eine vertrauliche Geburt Schutz und Fürsorge für Mutter und Kind. Wir erklären, was genau die vertrauliche Geburt ist.

Jeder von uns kann es passieren, ungewollt schwanger zu werden. Während die einen diese Überraschung (freudig) annehmen, kann es für andere ihre heile Welt zerstören. Denn wenn niemand wissen darf, dass du schwanger bist und ein Abbruch nicht (mehr) in Frage kommt, dann ist die Verzweiflung groß. Doch keine Frau muss ihr Kind heimlich und alleine bekommen. Es gibt einige Wege, damit Mutter und Kind die Schwangerschaft gesund durchleben und das Kind im Krankenhaus entbunden werden kann: zum Beispiel die vertrauliche Geburt.

Was ist die vertrauliche Geburt?

Am 1. Mai 2014 trat in Deutschland das 'Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt' in Kraft. Die vertrauliche Geburt ist eine Variante der anonymen Geburt.

Bei der vertraulichen Geburt geht es darum, die Identität der Mutter zu schützen, ihr aber trotzdem alle nötigen medizinischen Untersuchungen und eine Krankenhausgeburt zu ermöglichen. Die vertrauliche Geburt gibt zudem dem Kind die Möglichkeit, sich nach seinem 16. Geburtstag mit seiner Herkunft auseinander zu setzen.

Wie funktioniert die vertrauliche Geburt

Im ersten Schritt sollte sich die Schwangere mit einer Beratungsstelle in Verbindung setzen. Dieser Schritt ist völlig anonym. Eine Beratung kann über das Telefon, in einer Online-Beratung oder vor Ort stattfinden. (Alle Informationen dazu findest du hier.) Steht die Entscheidung der Schwangeren fest, ihr Kind in einer vertraulichen Geburt zu gebären, dann steht ihr über die gesamte Zeit eine Beraterin zur Seite.

Diese Beraterin ist an ihre gesetzliche Schweigepflicht gebunden. Einzig ihr allein offenbart die Schwangere ihre Identität. Die Beraterin hat die Aufgabe, einen Herkunftsnachweis für das Kind anzulegen. Dieser Nachweis wird versiegelt und im Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) aufbewahrt. Die Mutter entbindet im Krankenhaus unter einem Pseudonym. Nach der Geburt informiert die Klinik bzw. Hebamme das Standesamt und die Beraterin. Das Standesamt registriert die Geburt, jedoch nur unter dem Pseudonym der Mutter. Später, also ab seinem 16. Geburtstag, kann einzig das Kind auf Wunsch die Unterlagen zu seiner Geburt einsehen und erfahren, wer seine biologische Mutter ist.

Unter besonderen Umständen, also wenn ihr Leben, ihre Gesundheit oder die persönliche Freiheit gefährdet sind, kann die Mutter dem Recht auf Einsicht der Dokumente des Kindes widersprechen. Dann bleibt ihre Identität anonym.

Sollte die Mutter sich nach der Geburt entscheiden, dass Kind doch selbst großziehen zu wollen, dann ist auch das noch möglich, sofern ein Adoptionsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Dann muss die Mutter ihre Identität bei den Behörden preisgeben.

Was passiert mit dem Baby nach einer vertraulichen Geburt?

Nach der Geburt geht das Baby in die Obhut des Jugendamtes über, welches sich um einen Vormund für das Kind kümmert. Dieser Vormund übernimmt die elterlichen Rechte und Pflichten. Wenn die Mutter nach der Geburt bei ihrer Entscheidung bleibt und nicht selbst für das Kind sorgen möchte oder kann, wird das Kind an Adoptiveltern vermittelt. All das organisiert ebenfalls die Beratungsstelle.

Was ist der Vorteil der vertraulichen Geburt?

Wenn niemand wissen darf, dass du schwanger bist, ist es schwierig, sich medizinisch untersuchen zu lassen oder das Kind an einem sicheren und sauberen Ort zur Welt zu bringen. Deshalb wählen Frauen in ihrer Verzweiflung oft eine heimliche Geburt, setzen das Neugeborene aus oder legen es in eine Babyklappe. Mit der vertraulichen Geburt stehen der Mutter jedoch medizinische Versorgung und Schutz zur Verfügung. So werden ihre eigene Gesundheit und die des Kindes gewährleistet.

In einer Beratung kann die Schwangere sich bereits über Hebammen und Krankenhäuser informieren, die eine vertrauliche Geburt anbieten. Mit ihrer Hilfe kann sie sich vor der Geburt auch untersuchen lassen. Wenn die werdende Mutter sich sicher fühlt und weiß, dass ihre Identität gewahrt ist und wirklich niemand von ihrer Schwangerschaft und der Geburt erfährt, dann wird sie das Angebot in Anspruch nehmen. Niemand muss sein Kind heimlich und alleine zur Welt bringen.

Auch nach der Geburt steht der Mutter die Beraterin weiter zur Seite, kann ihr mit Ärzten und Dokumenten helfen und bietet psychologische Betreuung.

Was ist der Unterschied zu einer anonymen Geburt?

Bei einer anonymen Geburt bleibt die Mutter, wie es der Name schon sagt, gänzlich anonym. Sie kann, wie bei einer vertraulichen Geburt, in einer Klinik entbinden (nicht jede Klinik bietet anonyme Geburten an) und wird in dieser Zeit natürlich medizinisch versorgt. Nach der Geburt wird ihr Kind zur Adoption freigegeben, die Mutter selbst wird jedoch in keinem Dokument namentlich erwähnt.

Hilfe für Schwangere in Not

Keine Schwangere muss ihr Kind alleine auf die Welt bringen. Jede Frau, die ihre Schwangerschaft geheimhalten möchte oder muss hat Anspruch auf Hilfe. Der erste Schritt sollte immer ein Gespräch mit einer Schwangerschaftsberatungsstelle sein. Das geht ganz einfach und anonym über das Telefon unter der 0800 40 40 020 oder über den PC. Alle wichtigen Informationen findet ihr auf der Webseite Beratung & Geburt vertraulich.

Auch auf gofeminin.de:

Diese Schwangerschafts­anzeichen lügen nicht!

Die besten Tipps gegen Übelkeit in der Schwangerschaft

Die Geburt: 30 Fragen und Antworten rund um die Entbindung

von Anne Walkowiak