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Was ist Fair Trade? Fairer Handel einfach erklärt

von Nicole Molitor Veröffentlicht am 17. September 2019

Fair ist immer gut – auch bei Lebensmitteln. Aber was ist Fair Trade eigentlich? Was sind die Vor- und Nachteile und lohnen sich Fair-Trade-Produkte überhaupt?

"Fair Trade" bedeutet auf Deutsch "fairer Handel" und bezieht sich in erster Linie auf die gerechte(re) Verteilung von Erlösen. Gerade in Afrika, Südamerika und Asien verdienen die Kleinbauern und Arbeiter nämlich immer noch so wenig, dass sie kaum davon leben können. Von den teils menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen wollen wir gar nicht erst anfangen.

Wer sich für den Kauf fair gehandelter Produkte entscheidet, investiert also in bessere Lebens- und Arbeitsumstände für diese Menschen. Gleichzeitig ist Fair Trade ein Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Denn häufig wird bei fairen Lebensmitteln besonders auf einen umweltschonenden An- und Abbau geachtet.

Wofür steht das Fair-Trade-Siegel?

Damit der Verbraucher die fair gehandelten Lebensmittel von konventionellen Produkten unterscheiden kann, gibt es spezielle Fair-Trade-Siegel. Siegel im Plural, denn die Liste von Organisationen, die weltweit einen fairen Handel garantieren, ist lang.

Hier eine Liste der bekanntesten Fair-Trade-Siegel:

  • Fairtrade
  • GEPA fair+
  • Naturland fair
  • El Puente
  • dwp
  • Fairglobe
  • One World
  • WFTO
  • fair for life

Die Fülle an Labels zeigt, dass es kein einheitliches Fair-Trade-Siegel gibt. Da der Begriff "fair" (anders als "bio") nicht gesetzlich geschützt ist, darf jede Dachorganisation selbst bestimmen, was genau der faire Handel für sie beinhalten soll. Dadurch bleibt die Bedeutung des Siegels recht schwammig.

Die 3 goldenen Fair-Trade-Standards

Trotz dieser Offenheit gibt es eine gemeinsame Definition für Fair Trade und bestimmte Standards, auf die sich die einzelnen Gesellschaften (mit unterschiedlicher Gewichtung) berufen. Hier ein kurzer Überblick zu den Fair-Trade-Grundsätzen laut Verbraucherzentrale.

1. Keine Ausbeutung und Diskriminierung: Die Hersteller von Fair-Trade-Produkten sollen (trotz Schwankungen des Weltmarktpreises) wenigstens den Mindestpreis ausgezahlt bekommen, damit die Produktionskosten gedeckt sind. Zudem bekämpft Fair Trade Kinder- und Zwangsarbeit und fördert die Organisation von Gewerkschaften.

2. Für Nachhaltigkeit und Umweltschutz: Fair-Trade-Produkte sollen möglichst umweltschonend an- und abgebaut werden. Die Bestimmungen sehen vor, natürliche Ressourcen zu schützen. Der Einsatz von Pestiziden oder genmanipuliertem Saatgut steht unter Verbot. Dafür erhalten die Kleinbauern oft eine sogenannte Vorfinanzierung, also eine Vorauszahlung, um überhaupt erst entsprechendes Saatgut zu kaufen.

3. Langfristige Hilfe und Förderung: Fair Trade versucht, dem Zwischenhandel einen Riegel vorzuschieben, und unterstützt stattdessen langfristige internationale Handelsbeziehungen. Mithilfe von Kampagnen soll das Bewusstsein für fairen Handel geschärft werden und auch die Bauern bekommen hierzu regelmäßige Schulungen. Als Finanzspritze zielen Fair-Trade-Prämien darauf ab, benachteiligte Länder durch den Bau von Brunnen, Schulen oder Krankenstationen zu fördern.

Damit diese Bestimmungen auch eingehalten werden, versichern die Labelgesellschaften, dass sie die Betriebe und Lizenzpartner ständig kontollieren. So soll sich die Herkunft der einzelnen Rohstoffe jederzeit zurückverfolgen lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Fair Trade und Bio?

Obwohl Fair Trade ebenfalls auf eine umweltverträgliche Produktion abzielt, sind längst nicht alle Fair-Trade-Lebensmittel gleichzeitig bio. Umgekehrt werden nicht alle Bio-Produkte fair gehandelt. Denn während Fair Trade einen sozialen Schwerpunkt hat, liegt der Fokus bei der Bio-Zertifizierung auf dem ökologischen Anbau.

Um fair und bio zu sein, benötigen Fair-Trade-Produkte zusätzlich das Bio-Siegel. Die Ausnahme sind Kombi-Siegel, die beides vereinen – in Deutschland etwa Siegel wie "Bio&Fair", der Biokreis "regional & fair" oder "Rapunzel Hand in Hand". Immerhin: Laut dem NABU Naturschutzbund haben mittlerweile rund 70 bis 75 Prozent der Fair-Trade-Lebensmittel Bio-Qualität.

Kritik an Fair-Trade-Produkten

Trotz der hehren Ziele wird häufig Kritik an Fair-Trade-Produkten laut. Neben der fehlenden Einheitlichkeit und der Unübersichtlichkeit durch die vielen Labels gerät das Konzept hauptsächlich aus den folgenden Gründen in Verruf.

Zu teuer: Fair-Trade-Produkte sind im Vergleich zu klassischen Produkten oft erheblich teurer. Aus gutem Grund – schließlich sollen die Arbeiter ja auch besser, sprich gerechter, bezahlt werden. Dass der Aufpreis nicht 1:1 in die Tasche der Produzenten fließt, sondern zum Großteil im Handel versickert, ist unserem Marktsystem geschuldet. Doch von dem Fair-Trade-Mindestpreis und der Prämie profitieren immerhin auch die Kleinbauern.

Nur Augenwischerei: Nicht immer sind alle Zutaten in Fairtrade-Produkten zu gleichen Anteilen fair gehandelt. Dies gilt vor allem für Mischprodukte wie Schokolade. Hier besagt die Regel: So viele wie möglich, aber mindestens 20 Prozent der Produktzutaten müssen fair gehandelt und angebaut worden sein. Im Falle der Schokolade wäre dies beispielsweise der Kakao.

Der genaue Mengenausgleich ist im Kleingedruckten auf der Verpackung nachzulesen. Manche Fair-Trade-Organisationen haben hierfür auch eigene Label entwickelt. Dadurch wird es allerdings noch verwirrender für den Verbraucher. Viele sehen es außerdem nicht ein, für ein nicht mal halb faires Lebensmittel mehr zu zahlen.

Das sind die häufigsten Mischprodukte unter Fair-Trade-Lebensmitteln:

  • Tee
  • Kakao (Schokolade)
  • Zucker
  • Fruchtsäfte
  • Eis
  • Gebäck
  • Müsli

Dagegen sind diese Lebensmittel meist zu 100 % fair:

  • Kaffee
  • Wein
  • Bananen
  • Reis

Darum lohnen sich Fair-Trade-Lebensmittel dennoch

Aufgrund von Mischprodukten werden Fair-Trade-Label in den Medien häufig als "Tricksereien", "Mogelpackungen" oder gar als "Etikettenschwindel" abgetan. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass ein Lebensmittel mit nur 20 Prozent Fair-Trade-Zutaten immer noch fairer und besser ist als ein komplett 'unfaires' Produkt. Und selbst wenn nur ein Bruchteil des Preisaufschlags bei den Bauern ankommt: Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Faire Lebensmittel machen jedoch nicht nur ein besseres Gewissen und sind gut für das Image, sie sind auch häufig gesünder. Beim Anbau wird an Chemie gespart und die Bauern werden regelmäßig über umweltfreundliche(re) Methoden aufgeklärt.

Nachhaltiger sind nur faire Kombi-Produkte mit Bio-Zertifakt. Oder der regionale Einkauf auf dem Bauernhof – doch selbst da weiß man nicht, wie gerecht die Arbeiter letztendlich bezahlt werden.

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Leonardo DiCaprio, 2012 © Getty Images
von Nicole Molitor
 

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