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Häusliche Gewalt im Umfeld: Was Sie tun können

Shila Meyer Behjat
von Shila Meyer Behjat Veröffentlicht am 24. März 2010
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Eigentlich sollte die eigene Wohnung ein Ort des Rückzugs und der Geborgenheit sein. In Europa kommt häusliche Gewalt jedoch in jeder fünften Partnerschaft vor. Häusliche Gewalt kann viele Gesichter haben: Tritte, Schläge, Prügel mit Gegenständen, aber auch Beschimpfungen und Erniedrigungen zählen dazu.

Keine Scheu vor der Privatsphäre
Der wichtigste Hinweis für Nachbarn, Freunde und Kollegen ist: Keine Angst vor Einmischung oder einer vermeintlichen Privatsphäre. Gewalt bleibt Gewalt, auch wenn sie innerhalb der vier eigenen Wände von Privatpersonen stattfindet. Häusliche Gewalt ist eine Straftat.

Hinsehen und handeln
Bei Hinweisen auf häusliche Gewalt im Umfeld muss auch reagiert werden. Hier liegt eines der Probleme: Denn angemessen zu reagieren, ist oft schwierig. Viele misshandelte Frauen schämen sich für das, was ihnen angetan wird. Sie versuchen zu vertuschen und zu verdecken. Deshalb ist es notwendig, nicht auch mit Beschämung auf die Betroffene zuzugehen, sondern offen, einfühlsam und unterstützend. Alles, was Vertrauen schafft und die Gewalt – und nicht die Schwäche der Frau, die Partnerschaft oder die Familie an sich – verurteilt, kann helfen.

Konkretes Vorgehen
Ganz klar: Wer Zeuge von häuslicher Gewalt wird, sie also sieht oder hört – etwa durch Schreie aus der Wohnung – sollte sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen. Im Gegenteil.

Bei einem Verdacht auf häusliche Gewalt hilft der direkte Kontakt mit der Betroffenen. Dieser sollte freundlich sein und Hilfsbereitschaft signalisieren, nicht konfrontieren. Das kann ein Hinweis sein: „Ich würde Ihnen so gern helfen. Bitte sagen Sie mir, wie." Dieser kann ihr zeigen, dass ihre Not wahrgenommen wird, diese aber auch nicht einfach hinnehmbar ist.

Kein falscher Stolz
Hilfreich kann es auch sein, die notwendigen Informationen bereit zu halten: Kontaktdaten von Beratungsstellen, Frauenhäusern und der Polizei. Auf diese kann hingewiesen werden, ohne die Frau damit zu bedrängen. Sonst schreckt sie womöglich zurück.

Niemand sollte sich beleidigt zurückziehen, wenn das Angebot nicht auf Anhieb angenommen wird. Häusliche Gewalt gilt gemeinhin als tabu, die Opfer versuchen oft mit aller Kraft, den Schein einer gesunden Partnerschaft aufrecht zu erhalten. Wichtig ist deshalb, dass die Hilfe aus dem Umfeld Bestand hat und signalisiert: "Ich bin da, wenn ich gebraucht werde."


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