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„Wenn Männer im Haushalt helfen, ist der Sex besser!“ Jane Fonda im Interview

von Heike Schmidt Erstellt am 30. September 2014
© Getty Images

Im Dezember wird Jane Fonda 77 Jahre alt. Andere Schauspielerinnen gehen in diesem Alter noch sporadisch vor die Tür, bringen aber keine monatelangen Filmaufnahmen mit anschließendem Promo-Marathon hinter sich. Nicht so Jane Fonda. Um ihren aktuellen Film ‚Sieben verdammt lange Tage‘ zu bewerben, stand die Grande Dame des US-Kinos in Los Angeles stundenlang Journalisten Rede und Antwort – uns zum Beispiel. Wir haben die Leinwand-Ikone getroffen.

Es ist ein brütend heißer Nachmittag in Los Angeles. Hinter einer Tür im klimatisierten ‚Four Seasons‘ in West Hollywood sitzt Jane Fonda, zweifache Oscarpreisträgerin, ehemaliges Sex-Symbol, Friedensaktivistin und eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen ihrer Generation und gibt Interviews. Hochkonzentriert lauscht sie den Fragen, überlegt kurz, antwortet ruhig und wohl formuliert, stellt Gegenfragen, lacht und gestikuliert lebhaft, um ihre Standpunkte zu unterstreichen. Ihr Gegenüber wird dabei unweigerlich Zeuge der berühmt-berüchtigten Energie Jane Fondas - der Frau, die nicht nur als Charakterdarstellerin in unzähligen Kinofilmen zum Idol wurde, sondern auch wegen eines politischen und sozialen Engagements, das selbst im Charity-verliebten Hollywood seinesgleichen sucht.

Doch darum geht es erst einmal nicht. Jane Fonda will über ihre Filmfigur in der Komödie 'Sieben verdammt lange Tage' sprechen. Darin spielt sie neben Tina Fey ('30 Rocks') und Jason Batemann ('Kill the Boss', 'Hancock') Hilary Altmann, eine Mutter, deren erwachsene Kinder alle mehr oder weniger im Leben gescheitert sind und nach dem Tod ihres Vaters eine unfreiwillige, aber doch erfolgreiche Familientherapie machen. Zwischen ihr und ihrer Filmfigur gibt es eine interessante Parallele: Ebenso wie die Kinder- und Jugendpsychologin Hilary Altmann hat auch die Schauspielerin und dreifache Mutter Jane Fonda ein Buch über Kindererziehung veröffentlicht. Im Interview erklärt sie, was sie für das Wichtigste bei der Erziehung von Kindern hält: Echte Aufmerksamkeit!

Obwohl es in 'Sieben verdammt lange Tage' um alte Konflikte zwischen Geschwistern geht, profitieren nicht nur Menschen mit Bruder oder Schwester von der Botschaft des Filmes, findet Jane Fonda: "In dem Film geht es darum, miteinander zu sprechen - egal ob mit der Familie oder mit Freunden. Und er zeigt, wie wichtig liebevolle Beziehungen zu anderen Menschen sind. Gute Beziehungen 'passieren' nicht einfach, man muss etwas dafür tun. Anderen zu verzeihen, ist ein wichtiger Beitrag dazu - egal ob man ein Einzelkind ist oder Teil einer großen Familie."

Der Film hat eine ganz besondere Wirkung auf die Zuschauer - was wohl auch daran liegt, dass er den Spagat zwischen ernsthaft und lustig schafft, also eine Art Komödie mit Tiefgang ist. Doch der Film lebt auch von der besonderen Authentizität der Schauspieler wie Tina Fey oder Jason Bateman, die, statt auswendig gelernte Dialoge widerzugeben, vor der Kamera viel improvisierten - für Jane Fonda ein echtes Novum, wie sie im Interview gesteht.

Die zentrale Thematik des Filmes - Familie - scheint bei vielen Menschen einen Nerv zu treffen. Jedenfalls gab es bei der Pressevorführung im Kino neben vielen Lachern auch Schniefen und Schneuzen zu hören. Auch Jane Fonda hat schon bei der Premiere des Films bei den Festspielen in Toronto festgestellt, dass der Film viele Menschen dazu bringt, über ihre eigene Familien, besonders über das Verhältnis zu ihren Geschwistern nachzudenken:

Auf junge Familien warten heute ganz besondere Herausforderungen, glaubt die Schauspielerin. Die sich verändernde Rolle der Männer sei aber eine Chance, diese zu meistern. "Wenn sich die Eltern den Haushalt und die Erziehungsarbeit teilen, ist der Vater glücklicher, die Kinder sind glücklicher und der Sex ist besser", findet sie zum Beispiel.

Viele Menschen, vor allem außerhalb der USA, kennen neben der Schauspielerin vor allem die Fitness-verrückte Jane Fonda der frühen 80er Jahre. Damals machte sie mit Aerobic-Videos im Elastan-Body, mit Leggings und Beinstulpen ihren häufig zu schwer geratenen Landsfrauen und - männern Dampf unter dem ausladenden Hintern. Daraus wurde ein wirtschaftliches Imperium. Doch Jane Fonda auf eine geschäftstüchtige Fitness-Queen zu reduzieren, würde ihrer komplexen Biographie nicht annährend gerecht. Lange bevor Stars soziales Engagement als subtile Form des Selbstmarketings einsetzten, engagierte sich die Schauspielerin für politische und soziale Belange - ohne Rücksicht auf ihre Karriere.

1968 macht sie ihre Hauptrolle im erotischen Science-Fiction 'Barbarella' zu einem der größten Sex-Symbole der Zeit. Auf der Leinwand ähnelte sie dabei Kollegin Brigitte Bardot - nur dass sie wesentlich smarter, selbstbewusster und sexier wirkte. Doch statt aus dem Image der Sexbombe noch mehr Kapital zu schlagen, reiste eine brünette, kurzhaarige Jane Fonda im Jahr darauf nach Nord-Vietnam. Der Krieg der USA gegen den Vietkong war in vollem Gange und die Schauspielerin übte öffentlich scharfe Kritik an der Politik ihres Heimatlandes. Damit macht sie sich nicht nur Freunde. Dennoch ließ Fonda in ihrem Engagement nie nach. In den vergangen Jahrzehnten unter anderem gegen den Irak-Krieg und für das Recht auf Abtreibung oder die Rechte von Homosexuellen ein.

'Sieben verdammt lange Tag' läuft seit dem 25. September im Kino. Der Trailer zum Film: