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Lebensmittel retten: Die besten Apps für ein nachhaltigeres Leben

von Justin Amaral Veröffentlicht am 20. Februar 2019
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In Deutschland werden laut der Initiative Foodsharing jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Essen weggeworfen - eine erschreckende Zahl. Immer mehr Menschen wollen etwas dagegen tun und bevorzugen eine nachhaltige Ernährung. Wir verraten dir, mit welchen Apps und Internetseiten du nachhaltiger leben kannst - und dabei auch noch eine Menge Geld sparst.

Too Good To Go: Lebensmittel retten per App

Billig einkaufen und gleichzeitig etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun, das verspricht 'Too Good To Go' (zu deutsch etwa: "zu gut für die Tonne"). Die Handy-App wurde 2015 in Dänemark gegründet und gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Start-ups in Europa. Durch die strengen Hygienevorschriften in der Gastronomie landen jährlich über zwei Millionen Tonnen Essen im Müll. Vor allem Restaurants müssen nach Feierabend jede Menge Reste wegwerfen - das will die App verhindern.

Das Konzept ist einfach: Mit dem Smartphone könnt ihr Lebensmittel bestellen, die in Restaurants, Bäckereinen oder Kantinen übrig bleiben - und das oft zum halben Preis. Von Sushi über Backwaren bis hin zu Italienisch, bei 'Too Good To Go' gibt es so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Abgeholt wird das Essen dann zu festgelegten Zeiten, kurz vor Ladenschluss oder nach einem Frühstücks- oder Mittagsbuffet.

Die Besonderheit: Da das überschüssige Essen von Tag zu Tag variiert, bestellt ihr eine Art Wundertüte. Erst bei der Abholung erfahrt ihr, welche und wie viele gerettete Lebensmittel in eurer Reste-Box gelandet sind. Es kann sogar vorkommen, dass eine Bestellung komplett storniert wird, wenn an dem Tag doch keine Reste übrig geblieben sind.

Bei 'Too Good To Go' muss man im Voraus bezahlen, da jedes Restaurant nur eine bestimmte Anzahl Reste-Boxen verkauft und man sicher gehen will, dass diese auch wirklich abgeholt werden. Beim Verkauf geht ein Euro an die Betreiber der App - der Rest gehört dem Restaurant.

'Too Good To Go' und die teilnehmenden Betriebe können das Wegwerf-Problem zwar nicht lösen, leisten jedoch trotzdem einen wesentlichen Beitrag zur bewussten Lebensmittelverwertung. Mittlerweile sind mehr als 6.000 Betriebe in der App registriert - und es werden immer mehr. Von uns gibt es dafür einen riesigen Daumen nach oben!

Die finnische App 'ResQ Club' hat sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht, die Lebensmittelverschwendung in Restaurants, Cafés und Lebensmittelgeschäften zu reduzieren. Das ähnliche Konzept beschränkt sich im deutschsprachigen Raum zur Zeit jedoch auf Berlin und Duisburg.

SirPlus: Online-Shop für gerettete Lebensmittel

Weltweit sollen ein Drittel aller produzierten Nahrungsmittel im Müll landen. "Überall entlang der Wertschöpfungskette werden Lebensmittel vernichtet. In Deutschland ist das ein LKW pro Minute.", warnt Raphael Fellmer, Mitgründer von 'SirPlus'. Das Unternehmen will mit Hilfe der Lebensmittelindustrie das Retten von Nahrungsmitteln revolutionieren und 'mainstream' machen.

Die von 'SirPlus' geretteten Lebensmittel stammen von Großmärkten, Bauern oder Lebensmittelketten. Sie haben entweder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, weisen Schönheitsfehler auf, oder wurden von den Herstellern aufgrund eines neuen Verpackungsdesigns ausrangiert. All diese Produkte haben jedoch eins gemeinsam: Sie sind noch genießbar und sollten nicht einfach weggeworfen werden.

Zur Erinnerung: Ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verbrauchsdatum. "Es ist legal, Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten haben, nach Überprüfung der Genießbarkeit und dem Hinweis darauf, dass sie bereits abgelaufen sind, zu verkaufen.", klärt 'SirPlus' auf.

Die aussortierten Lebensmittel werden von 'SirPlus' gerettet und durch den günstigen Verkauf in ihren Berliner "Rettermärkten", sowie dem Onlineshop wieder zurück in den Kreislauf gebracht.

etepetete: Obst- und Gemüse-Boxen mit Schönheitsfehlern

Zweibeinige Karotten, krumme Gurken oder zu klein geratene Birnen: Eine riesige Menge Obst und Gemüse wird jedes Jahr vernichtet, weil sie den Schönheitsidealen des Marktes nicht entspricht. Für viele Supermärkte gilt das extravagant geformte Obst und Gemüse als unverkäuflich und damit wertlos.

Auch wir als Verbraucher haben daran Schuld, denn viele von uns sind es gewohnt, nur makelloses Gemüse und Obst in den Supermarkt-Regalen vorzufinden. Diesem Missstand sagt 'etepetete' seit 2015 den Kampf an.

Mit seinen Abo-Boxen bringt das Münchner Start-up 'etepetete' unförmiges Obst und Gemüse zu euch nach Hause. Herzförmige Kartoffeln oder zu große Zucchini - eben alles, das auf Grund seiner Form oder Farbe nicht der Norm entspricht, wird gerettet. Über die Website entscheidet ihr euch für die "Retterbox" eurer Wahl und legt dabei auch das Liefer-Intervall fest.

In den Boxen selbst landet ausschließlich Obst und Gemüse von Bio-Höfen, die ihre Ernte dem Münchner Startup verkaufen. 'etepetete' kauft laut eigener Aussage den Landwirten ihre aus der Norm fallenden Produkte zum regulären Preis ab. Welche Obst- und Gemüsesorten ihr jede Woche zugeschickt bekommt, kann aktuell leider noch nicht individuell entschieden werden.

Zu gut für die Tonne: Der kleine Lebensmittelretter

Die kostenlose Handy-App 'Zu gut für die Tonne!' wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft konzipiert und bietet viele Features, die euch helfen, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu tun.

Mit 'Zu gut für die Tonne!' stehen euch über 350 kostenlose Rezepte zur Verfügung, mit denen ihr aus Resten noch leckere Gerichte kochen könnt. Sterneköche wie Johann Lafer, Sarah Wiener oder Schauspieler Daniel Brühl haben eigens für die App kinderleichte Rezepte konzipiert. Zudem erhaltet ihr wertvolle Tipps, für den Umgang mit Lebensmitteln.

In den Kategorien Einkauf, Lagerung, Verwertung und Haltbarkeit könnt ihr Wissenswertes über Gemüse, Obst und Co. herausfinden. Im Lebensmittellexikon sind alle Informationen in wenigen Klicks gefunden. Auch ein integrierter Einkaufsplaner kann euch dabei helfen, die Mengen in Zukunft besser zu planen.

Was macht die Bundesregierung gegen Lebensmittelverschwendung?

Die Bundesregierung will in Zukunft die Lebensmittelverschwendung besser regulieren. Ernährungsministerin Julia Klöckner stellt im Februar 2019 im Kabinett eine Strategie vor, mit der die Nahrungsmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 weltweit pro Kopf halbiert werden soll, berichtet tagesschau.de. Eine bessere Information der Verbraucher, mehr Geld für Forschung und eine verbesserte Logistik im Lebensmittelhandel sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.

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