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Richtig lüften: Diese 4 Experten-Tipps solltet ihr jetzt beachten

von Ann-Kathrin Schöll Erstellt am 8. Oktober 2020
Richtig lüften: Diese 4 Experten-Tipps solltet ihr jetzt beachten© Getty Images

Neben den AHA-Regeln – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken – spielt in der kühleren Jahreszeit das Thema Lüften eine wichtige Rolle, um die Ansteckungsgefahr mit Corona zu reduzieren. Hier erfahrt ihr, wie richtig lüften geht und welche Regeln Gesundheitsexperten befolgen.

Richtig lüften ist nicht erst seit Corona wichtig. Doch noch nie kam dem Thema eine so große Bedeutung zu wie jetzt. Aufgrund der kühleren Jahreszeit verbringen immer mehr Menschen ihre Zeit drinnen. Und durch den Aufenthalt in geschlossenen Räumen steigt auch die Ansteckungsgefahr. Das belegt leider auch der jüngste Anstieg der Neuinfektionen.

Den wichtigsten Schutz gegen Corona, aber auch andere Infektionskrankheiten wie zum Beispiel die Grippe, stellt nach wie vor die so genannte AHA-Regel dar: Abstand halten, Hygiene beachten und Alltagsmasken tragen. Doch auch das Thema Lüften rückt verstärkt in den Fokus.

Auf der Bundespressekonferenz vom 8. Oktober zur aktuellen Corona-Lage wurde das Thema ausgiebig besprochen. So empfahl der Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts für Energietechnik, Martin Kriegel, eindringlich, Räume gut zu lüften, um die Gefahr einer Ansteckung zu reduzieren. Auch das RKI zählt regelmäßiges Lüften zu den Infektionsschutz-Maßnahmen gegen das Coronavirus.

Doch was bedeutet "regelmäßig" und wie geht richtiges Lüften überhaupt? Hier kommen vier Regeln zum Thema Lüften, an die man sich nicht nur, aber besonders in Corona-Zeiten halten sollte.

Video von Justin Amaral

#1 Querlüften

Um möglichst schnell möglichst viel frische Luft in einen Raum zu lassen, solltet ihr, falls möglich, die jeweils gegenüberliegenden Fenster bzw. alle Fenster eines Raums gleichzeitig öffnen. Dabei kommt es zu einem Durchzug. Die frische Luft, die durch das eine Fenster hereinströmt, schiebt Teile der "verbrauchten" Luft durch das andere Fenster hinaus. Die Viruslast in der Raumluft ließe sich der Empfehlung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) so reduzieren.

Achtet beim Querlüften aber darauf, dass die Tür zu anderen Räumen geschlossen ist, da sonst potentiell infektiöse Aerosole mit dem Luftstoß in andere Räume getragen werden könnten.

Vorsicht: Der Durchzug kann einiges verwirbeln. Lasst also keine losen Papiere herumliegen.

#2 Stoßlüften

Ebenfalls zu den Regeln zum effektiven Lüften zählt das Stoßlüften. Stoßlüften bedeutet nichts anderes, als das Fenster bzw. die Fenster für einige Zeit komplett zu öffnen, statt nur auf Kipp zu setzen. Durch das Stoßlüften strömt frische Luft in den Raum und mischt sich mit der verbrauchten Luft.

Damit das Lüften effektiv wird und ausreichend frische Luft hereinströmen kann, solltet ihr die Fenster je nach Witterung mindestens 3 bis 10 Minuten offen lassen.

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#3 Regelmäßig lüften

Dass man regelmäßig lüften sollte, hört man immer wieder. Doch was bedeutet "regelmäßig"? Auch dazu gibt es präzise Angaben von Experten. So schreibt das BAuA in seinen Empfehlungen zum infektionsschutzgerechten Lüften, Büroräume alle 60 Minuten zu lüften. Meeting-Räume, in denen viel gesprochen wird, sollen sogar alle 20 Minuten gelüftet werden.

Sowohl die Anzahl der Personen als auch wie viel gesprochen wird, bestimmt also, wie oft gelüftet werden sollte. Doch nicht nur im Büro, auch zuhause ist richtiges Lüften wichtig. Achtet auch wenn ihr Besuch bekommt und viel gelacht und gesprochen wird, darauf, die Fenster regelmäßig komplett zu öffnen und sorgt so für einen Luftaustausch. Bei Familienfeiern, an denen eventuell sogar ältere Verwandte teilnehmen, solltet ihr sogar mehrmals pro Stunde lüften und möglichst Abstand halten.

Übrigens: Das Gleiche gilt für Räume, in denen Sport gemacht oder körperlich gearbeitet wird. Auch sie sollten häufiger gelüftet werden, da durch den Sport bzw. die Bewegung die Atemfrequenz steigt und mehr potentiell infektiöse Aerosole ausgeschieden werden. Beim Lüften gilt generell: Je öfter desto besser.

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#4 Fenster auf Kipp lassen

Ja, eigentlich ist es verpönt, die Fenster auf Kipp zu lassen. Der Grund: Im Herbst und Winter, wenn geheizt wird, ist das energetisch ungünstig. Doch in Corona-Zeiten solltet ihr abwägen: Was ist euch wichtiger – die günstige Stromrechnung oder eure Gesundheit?

Eine moderate Dauerlüftung durch gekippte Fenster kann zwischen dem Stoßlüften nämlich durchaus sinnvoll sein, da es dadurch zu einem kontinuierlichen Luftaustausch kommt. Insbesondere wenn viele Menschen gleichzeitig sprechen und sich dadurch besonders viele Viruspartikel in der Luft verteilen könnten, könne das laut BAuA das Ansteigen der Viruskonzentration im Raum vermeiden.

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Luftreiniger als Alternative zum Lüften?

Nicht immer lassen sich alle Regeln zum richtigen Lüften befolgen. Zum Beispiel dann, wenn sich Fenster nicht komplett öffnen lassen. Eine begleitende Maßnahme, aber kein einhundertprozentiger Ersatz fürs Lüften, stellen so genannte Luftreiniger dar. Das sind Geräte, die die Raumluft filtern und so von Viren befreien können.

Voraussetzung seien jedoch spezielle Filter, die in den Geräten verbaut sein müssen. Nur Luftreiniger mit (HEPA)-Filter der Klasse H13 oder H14 könnten virusbelastete Tröpfchen aus der Luft herausfiltern, so die Verbraucher Zentrale.

Kauf-Tipp: Einen Luftreiniger mit HEPA H13 Filter findet ihr zum Beispiel hier auf Amazon.

Dass Luftreiniger die Luft tatsächlich säubern können, belegt eine auf medRxiv veröffentlichte Studie, die in Schulklassen durchgeführt wurde. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Geräte 90% der potentiell mit Viren belasteten Aerosole entfernen können. Auch ein Team der experimentellen At­mosphärenforschung an der Goethe-Universität Frankfurt kam nach einem Versuch in einer Schulklasse mit vier Luftreinigern zum Ergebnis, dass der Einsatz der Geräte als begleitende Maßnahme zum Lüften sinnvoll sei.

Trotz richtigem Lüften: Viruspartikel sind niemals ganz weg

Wir halten fest: Richtiges Lüften kann in Corona-Zeiten neben den bestehenden Schutzmaßnahmen dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr in Innenräumen zu reduzieren. Experte Martin Kriegel betonte bei der Bundespressekonferenz zur Corona-Lage aber ausdrücklich, dass auch regelmäßiges und fachgerechtes Lüften nicht alle Viruspartikel, die sich in der Raumluft befänden, beseitigen könne.

Beim Lüften ginge es viel mehr darum, durch die Frischluftzufuhr den Anteil der infektiösen Partikel in der Luft möglichst klein zu halten. Die virusbelastete Luft wird durch das fachgerechte Lüften also quasi "verdünnt". Da nicht alles verschwindet, ist es deshalb wichtig, die AHA-Regel weiterhin strikt zu befolgen.