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Familientherapie mal anders: In diesem Film dreht eine Mutter richtig auf und ihre Kinder durch

von Heike Schmidt Erstellt am 24. September 2014
Familientherapie mal anders: In diesem Film dreht eine Mutter richtig auf und ihre Kinder durch© Warner Bros.

Freunde sucht man sich selbst, die Familie schickt einem der Teufel, sagt das Sprichwort. Wem das bekannt vorkommt, darf 'Sieben verdammt lange Tage' nicht verpassen. In diesem Film schickt Regisseur Shawn Levy seine Figuren, darunter die grandiose Jane Fona, in eine Familientherapie der besonderen Art.

Kommen unterschiedlichste Lebensentwürfe, gescheiterte Träume, enttäuschte Hoffnungen und gebrochene Herzen unter einem Dach zusammen, dann sind turbulente Tage garantiert. Das müssen auch die vier Altman-Geschwister Paul, Judd, Wendy und Philip erfahren, als sie nach dem Tod ihres Vaters im Elternhaus aufeinandertreffen. Und als ob das nicht alles schon stressig genug wäre, müssen sie auch noch dem letzten Wunsch ihres Dads Folge leisten: Sie halten die traditionelle jüdische 'Shiw'a' ab - eine Trauerwoche, die die Familienmitglieder zusammen in einem Haus verbringen müssen. Hüterin dieses Rituals ist die Mutter der vier, Hilary Altman. Jane Fonda brilliert in der Figur der lebensfrohen, resoluten und überaus offenherzigen Matriarchin. Wir haben sie in Los Angeles getroffen:

Offenherzig und lebensfroh: Mutter Hilary

Ihre beeindruckenden Brüste sind nicht echt und wenn es um Sex geht, nimmt Mutter Hilary Altman kein Blatt vor den Mund. Die Kinderpsychologin hat aus den intimen Details ihrer Kindererziehung sogar ein Buch gemacht - sehr zum Leidwesen der Altman-Geschwister. Auch im Alter und nach dem Tod ihres Mannes hat die lebensfrohe Hilary noch den Mut und den Willen, ihre Bedürfnisse - auch ihre sexuellen! - auszuleben.

Ihre Tochter Wendy spielt Comedian und mehrfache 'Emmy'-Preisträgerin Tina Fey ('30 Rock'). In der männlichen Hauptrolle verkörpert Jason Bateman ('Arrested Developement') ihren jüngeren Bruder Judd.

Was die beiden mit ihren Brüdern Paul und Philip vereint: Ihre Lebenspläne sind - wenn auch nicht völlig - aber in zentralen Punkten gescheitert. Das was die vier für ihre Wirklichkeit hielten (z.B. eine funktionierende Ehe), hat sich peu a peu als Illusion entpuppt. Vereint unter dem Dach ihres Elternhauses setzen sich die vier Geschwister schließlich mit dieser Tatsache auseinander. Nach anfänglichen Reibereien kommt so ein am Ende für alle heilsamer Prozess in Gang, bei dem unbekannte Wahrheiten und unentdeckte Gefühle an die Oberfläche treten.

Große Schwester und kleiner Bruder: Wendy und Judd

Nach außen hin leben die Geschwister Judd und Wendy ein perfektes Leben samt glücklicher Ehe. Doch tatsächlich hat der Radio-Produzent seine Frau eben erst beim Seitensprung im Ehebett erwischt. Wendy wiederum ist mit einem lieblosen Workaholic verheiratet und kommt nicht über ihre College-Liebe Horry hinweg.

Hass-Liebe: Die Brüder Paul und Philip

Bei Paul, dem ältesten der Altmann-Geschwister, und Philip, dem Nesthäkchen, treffen zwei charakterliche Gegensätze aufeinander. Paul hat früh die Rolle des Vaters übernommen und darüber jede Leichtigkeit und Spontaneität verloren. Sein kleiner Bruder hingegen lebt in den Tag hinein und weigert sich, für irgendwen - auch nicht für sich selbst - Verantwortung zu übernehmen. Kein Wunder, dass während der 'Shiw'a' zwischen den beiden erstmal die Fetzen fliegen ...

Der Film, der auf einem Roman des US-Authors Jonathan Tropper basiert, nimmt sich gekonnt ernsthafter Themen an: geschwisterliche Bande, das komplizierte Verhältnis zwischen Eltern und Kind oder die Frage, ob alte Romanzen emotional wiederbelebt werden sollten, verleihen ihm den Charakter eines Dramas. Gleichzeitig machen ihn witzige Dialoge (die bei den Dreharbeiten zum Teil improvisiert wurden) und Sitcom-artige Szenen zu einer rundum unterhaltsamen Komödie - sprich: 'Sieben verdammt lange Tage' schafft den schwierigen Spagat zwischen Witz und Ernst ziemlich gut - was vor allem auch an den authentisch agierenden und grundsympathischen Schauspielern liegt.

Man kann gar nicht anders, als in der einen Minute über das irrwitzige Chaos im Hause Altman zu lachen, und in der nächsten über die Schicksale der Einzelnen ein kleines Tränchen zu verdrücken. Manchmal hätte etwas mehr Tiefgang bei der Darstellung der Charaktere der ernsthaften Seite des Films gut getan, doch vor allem das Spiel von Jane Fonda und Tina Fey transportiert auch ohne viele Worte Gefühle in Richtung Zuschauer.

'Sieben verdammt lange Tage' startet am 25. September 2014 in den deutschen Kinos.

Die Altmanns in Aktion (Filmszenen):