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Kinderzeichnungen: Was sie bedeuten und wie du sie lesen kannst

von der Redaktion Veröffentlicht am 6. Februar 2018
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Noch bevor Kinder richtig sprechen oder laufen lernen, fangen sie an mit allerlei Stiften herumzukritzeln. Manchmal scheint es erstaunlich, wie viel Zeit die Kleinen einer Malstunde widmen. Aber kannst du erkennen, was sich hinter dem Kunstwerk deines Kindes verbirgt?

Stolz wie Oskar präsentieren uns Kinder ihre Zeichnungen und warten mit strahlenden Augen auf die elterliche Reaktion. Dabei wissen die manchmal gar nicht, was genau sie sich da anschauen oder wie sie am besten auf das Kunstwerk reagieren sollen. Denn das Kind hat sich bei seiner Zeichnung definitiv Mühe gegeben und wollte etwas zum Ausdruck bringen.

Oft 'verarbeiten' Kinder ihre Gefühle, Ängste, Wünsche oder Freude in einem Bild. Die Zeichnungen geben Eltern die Möglichkeit, das Kind besser kennen und verstehen zu lernen. Ein paar Motive, die von so gut wie allen Kindern gezeichnet werden, lassen sich recht einfach deuten. Dabei ist aber wichtig, das man keine voreiligen Schlüsse zieht und das Kind anhand eines Bildes übereifrig diagnostiziert.

Das Haus

Ab einem gewissen Alter zeichnen Kinder Häuser. Und das Haus ist ein Symbol für die Welt des Kindes und auch für das eigene 'Ich'. Ein Haus steht für Schutz und Geborgenheit. Kleine Details wie ein rauchender Schornstein, ein offenes Fenster oder ein Weg vor der Tür geben Auskunft über die Gefühlswelt. Ein großes Haus, mit vielen Verzierungen und offenen Fenstern oder Türen spricht für ein offenes und glückliches Kind.

Männchen und Tiere

Kinder projizieren sich und ihre Liebsten in das Bild und zwar in Form von Männchen oder Tieren. Mit gerade einmal drei Jahren malen Kinder Menschen ähnlich einer Kaulquappe - ein Kreis mit vier Strichen für Arme und Beine. Nur drei Jahre später, also mit rund sechs Jahren, hat die Zeichnung einer Figur bereits alle wichtigen Merkmalen eines Menschen. Ab sieben Jahren werden die Figuren immer 'realer', mit Haaren, Augen, Mund, Zähnen und Fingern.

Zeichnen Kinder Tiere, kann das Auskunft über verschiedene Dinge geben. Vögel und Fische beispielsweise drücken Wohlbefinden aus. Katzen und Hunde können den Wunsch nach Liebe und Zärtlichkeit ausdrücken. Raubtiere können Angst vor einer Person oder Situation ausdrücken.

Der Baum

Ähnlich den menschlichen Figuren ändert auch der gemalte Baum mit jeder Altersstufe sein Erscheinungsbild. Am Anfang eher schemenhaft gezeichnet nimmt er im Laufe der Jahre Gestalt an. Entscheidend für die 'Interpretation' des Baumes ist, wo er sich auf dem Bild befindet. Im oberen Bereich des Bildes steht er für den Intellekt, im unter Bereich für Instinkte und das Unterbewusstsein. Die linke Seite des Blattes steht für die Vergangenheit, die rechte für die Zukunft. Der Baumstamm kann das Ich-Bewusstsein des Kindes ausdrücken.

Farben

Kinder mögen es bunt. Farben wie Rot und Schwarz werden gerade am Anfang ihrer künstlerischen Karriere bevorzugt, denn sie sind besonders kontrastreich. Generell stehen warme Farben für Zufriedenheit und Ausgeglichenheit, dunkle Farben für Traurigkeit. Dabei kommt es aber immer auf den Kontext des Bildes an.

Rot wird von allen Kindern verwendet. Bei Kindern über 6 Jahren kann eine starke Rot-Dominanz im Bild auf eine aggressive Neigung hinweisen.

Blau und Grün sind die Farben der Selbstkontrolle, der zwischenmenschlichen Beziehungen und einer guten Anpassung an die Umwelt.

Gelb wird oft in Verbindung mit Rot verwendet. Bei Kindern über 6 Jahren kann Gelb entweder ein Zeichen für Aggressivität sein oder die starke Bedeutung und den Einfluss von Erwachsenen im Leben des Kindes signalisieren.

Schwarz ist systematisch in Kinderzeichnungen vorhanden. Wenn die schwarze Farbe bei über 6-Jährigen im Bild allgegenwärtig ist kann dies einen Angstzustand zum Ausdruck bringen.

10 Tipps, um das Bild deines Kindes zu deuten

Wenn du dir das Bild deines Kindes einmal genauer anschauen willst, solltest du immer im Hinterkopf haben, dass es keinesfalls darum geht, sich in wilde psychoanalytische Interpretationsversuche zu stürzen. Das wäre gefährlich und genau dafür gibt es Experten, die diesen Beruf gelernt haben.

Ein paar Fragen und Methoden können dir aber dabei helfen, die Zeichnung deines Kindes besser 'zu verstehen'.

1. Schau dir das Bild immer in einem Kontext an: Hat dein Kind einen Zeichentrickfilm gesehen, der ihm Angst gemacht hat? Oder hat dein Kind vielleicht etwas gehört, das dieses Bildmotiv erklären könnte?

2. Kinder projizieren sich immer selbst in das Bild: Schau dir die Zeichnung genau an und versuche herauszufinden, wo dein Kind im Bild zu sehen ist bzw. in welchem Objekt es sich sehen könnte.

3. Kinder zeichnen Bilder immer spontan: Ein Bild ist eine Art Schnappschuss, ein Moment, den das Kind gerade eben festhalten möchte, mit welchem es seine Gefühle und Gedanken einfangen will. Manchmal ist das etwas gerade Erlebtes, manchmal aber auch nur schlechte Laune. Ein Bild hat keinen dauerhaften 'Wert'.

4. Das ganze Bild ist entscheidend: Was siehst du auf dem Bild, ist es bunt, kontrastreich, dynamisch oder voller kleiner Details? Schau dir das gesamte Bild an und lass dich davon leiten, was du fühlst, wenn du es anschaust.

5. Schau dir die Farben an: Ein buntes Bild ist immer ein gutes Zeichen. Farben wie Rot oder Schwarz sind aber kein schlechtes Zeichen oder ein Grund zur Sorge. Kinder malen mit Schwarz, weil es eine kräftige Farbe ist, die man gut sehen kann. Und Rot gefällt ihnen einfach gut.

6. Wie groß ist die Zeichnung im Verhältnis zum Blatt: Ist die Zeichnung dominant, klein, mittig, abseits? Diese Informationen weisen darauf hin, welchen Platz das Kind seiner Ansicht nach in seinem Leben einnimmt.

7. Tiere sind wichtig: Kinder benutzen Tiere, um sich selbst oder ihre Familie darzustellen und oft auch, um verborgene Gefühle auszudrücken (Aggressivität oder ein Bedürfnis nach Zärtlichkeit).

8. Die Bedeutung der Figuren: Schau dir die Größen der gezeichneten Figuren im Vergleich zueinander an und welchen Platz sie innerhalb des Bildes einnehmen (oben, unten, eng aneinandergereiht...).

9. Keine abwertenden Bemerkungen: Die Zeichnung ist das Kind selbst. Wird die Zeichnung des Kindes kritisiert, von Freunden, Geschwistern oder Eltern, dann fühlt das Kind sich selbst kritisiert.

10. Keine voreiligen Schlüsse ziehen: Nicht jedes Monster oder dunkle Bild deutet darauf hin, dass es dem Kind nicht gut geht oder das es ein schwerwiegenderes Problem hat. Aufmerksam sollte man werden, wenn ein und dasselbe Motiv oder Element (wie ein Rahmen) über einen längeren Zeitraum immer wieder auftaucht und sich zwischen den Bildern keine Entwicklung erkennen lässt. In diesem Fall sollte man einen Experten zu Rate ziehen.

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