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Lipödem erkennen: Dicke Beine und nichts hilft? Das könnte dahinter stecken!

Jane Schmitt
von Jane Schmitt Veröffentlicht am 5. April 2017
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Menschen, die unter einem Lipödem leiden, haben nicht nur körperliche Schmerzen, sie müssen sich auch unnötige und verletzende Kommentare anhören.

Nicht alle Menschen, die dicke Beine oder Arme haben, können dies über Sport oder die Ernährung ändern. Ganz im Gegenteil, wer gerade an diesen Körperpartien deutlich mehr Fülle mit sich bringt, leidet möglicherweise unter einem Lipödem. Die allgemeine Annahme, man könne dem Lipödem mit Sport oder einer strengen Diät entgegenwirken, ist schlicht falsch.

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine Störung der Fettverteilung. Dabei nimmt das Fettgewebe der Unterhaut symmetrisch an beiden Beinen und Armen zu und es lagert sich Wasser ein. In der Folge reagieren diese Bereiche schmerzhaft auf Druck. Das Lipödem trifft typischerweise fast nur Frauen. Als Ursache werden zum einen Veranlagung und auch die hormonellen Veränderungen während Pubertät oder Schwangerschaft aufgeführt. Lipödeme entwickeln sich meist über Jahre hinweg. Meistens trifft es zuerst Beine, Hüfte und Po, etwas seltener die Arme.

Über die Jahre verändert sich das Gewebe und es treten deutliche Dellen oder auch Wülste (über den Gelenken) auf.

Wie entsteht das Lipödem?

Die Kapillargefäße sind durchlässiger und es kann mehr Lymphe in das umliegende Fettgewebe gelangen. Die Fettzellen vergrößern sich und lagern Wasser ein.

Als Folge drücken diese auf die umliegenden Blut- und Lymphgefäße, so dass der Abtransport behindert wird. Das Fettgewebe vergrößert sich immer weiter. Das kann über Jahre hinweg wiederum zu einem Lymphödem führen, was sich ebenfalls durch Schwellungen bemerkbar macht.

Die Erkrankung verläuft in drei Stadien:

> Im ersten Stadium ist die Fettverteilung noch gleichmäßig und die Haut ist glatt. Das Bindegewebe ist allerdings bereits aufgeschwemmt.

> Im zweiten Stadium bilden sich nach und nach Knötchen im Unterhautfett. Von außen betrachtet wirkt es nun wie Cellulite - mit dem Unterschied, dass bereits Schmerzen auftreten.

> Im dritten Stadium verhärten sich die betroffenen Bereiche und die Schmerzen und die Druckempfindlichkeit nehmen weiter zu. An den Gelenken entstehen außerdem überstehende Fettwülste.

Ratlosigkeit bei Betroffenen

Frauen, die unter einem Lipödem leiden, müssen auch psychisch viel über sich ergehen lassen und ertragen. Man wird angestarrt und auch darauf angesprochen, ob man nicht mal abnehmen wolle – doch alle Versuche, den Umfang von Beinen, Armen und Po zu reduzieren, schlagen fehl. Diäten und Sport helfen nicht und genau das treibt viele Betroffene in die Verzweiflung. Häufig wissen sie nämlich gar nicht, warum sie keinen Erfolg haben. Die korrekte Diagnose bleibt bei manchen Patientinnen jahrelang aus. Sie geben sich selbst die Schuld an ihrem Aussehen, obwohl das gar nicht wahr ist.

Der Unterschied zu Fettleibigkeit (Adipositas): Gesicht, Oberkörper sowie Hände und Füße sind vergleichsweise schlank. Auch die starke Druckempfindlichkeit und häufige blaue Flecken sind Merkmale von Lipödemen.

Was hilft gegen das Lipödem?

Als Therapie bieten sich zum einen eine konservative Therapie mit Lymphdrainage an oder zum anderen eine Liposuktion - eine Form der Fettabsaugung.

Bei der konservativen Therapie wird durch die Lymphdrainage der Lymphabfluss angeregt. Dazu geht man zwei- bis dreimal pro Woche zur Physiotherapie oder Massage. Zusätzlich trägt man tagtäglich Kompressionswäsche, manche Betroffene schaffen sich auch sogenannte Lymphomaten (Massagegerät) an – diese Form der Therapie sollte laut Empfehlung ein Leben lang stattfinden, denn eine völlige Heilung gibt es derzeit nicht.

Nicht nur unter ihrem Aussehen leiden die Frauen mit Lipödem, denn es treten auch vermehrt Schmerzen auf. Nach dem Schlaf ist man nicht, wie es sein sollte, ausgeruht, sondern es fühlt sich an, als habe man die ganze Nacht gearbeitet. Bei weitere Zunahme werden als Folge meist auch die Gelenke in Mitleidenschaft gezogen.

​Auch eine Liposuktion kann das Lipödem nicht vollständig heilen, doch mögliche Folgeerkrankungen, Schmerzen und seelischen Schäden werden dadurch deutlich verringert. Diese Art der Fettabsaugung wird betroffenen Frauen noch nicht als Standardtherapie angeboten und wird daher auch nicht von den Krankenkassen übernommen. Obwohl die Intention bei dieser Art der Erkrankung eine andere ist, wird die Fettabsaugung beim Lipödem von Krankenkassen noch immer als Schönheitsoperation gewertet und daher nicht bezahlt. Wie bei jeder Operation gibt es auch hierbei Risiken, die es zu beachten gilt.

Mehr Aufmerksamkeit!

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Ein Beitrag geteilt von Corinna Hansen-Krewer (@soulfeelingsfotografie) am 25. Feb 2017 um 14:21 Uhr

Die Erkrankung hat deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Frauen wie der Fotografin Corinna Hansen-Krewer ist es zu verdanken, dass die Gesellschaft mehr über das Thema Lipödem spricht. Sie selbst leidet bzw. litt selbst jahrelang unter Lipödem. Sie hat ein Foto-Projekt ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit auf den Leidensweg der Betroffenen aufmerksam zu machen, damit Frauen wie sie nicht länger unter unnötigen Kommentaren und zum Teil auch Fehldiagnosen leiden müssen.

​Möglicherweise werden dank des Einsatzes dieser starken Frau die kostspieligen Operationen in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt. Auf ihrer Website setzt sie Frauen mit der genetischen Fehlfunktion in Szene und macht nicht nur ihnen, sondern auch allen anderen Betroffenen Mut!

Weitere Informationen rund um das Thema Lipödem findet ihr bei onmeda.de.

von Jane Schmitt 576 mal geteilt
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